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Autoindustrie im Umbruch : Jetzt müssen die Finanzchefs ran

Der Umbruch in der Autoindustrie hat sich angebahnt. Bild: dpa

Auch wenn in der Branche von Krise die Rede ist: Die Lage in der Autoindustrie ist anders als im Krisenjahr 2008. Zumal niemand behaupten kann, er hätte den Strukturwandel nicht kommen sehen.

          2 Min.

          Der Strukturwandel im Bereich Mobilität macht sich immer stärker in der Öffentlichkeit bemerkbar, vor allem weil Autohersteller, Zulieferer und Maschinenbauer von Kurzarbeit, Personalabbau oder gar Werksschließungen berichten. Hinter den Kulissen ist die Lage nicht minder spannend: Die Transformation muss finanziert werden, was angesichts stagnierender oder sinkender Umsätze eine besondere Herausforderung ist.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Um sich die Situation vor Augen zu führen, müsse man sich nur einmal die Bilanz der Bundesbank ansehen, schlägt Tanja Dreilich vor, die ihre Karriere größtenteils im Finanzwesen der Autobranche gemacht hat: In den nächsten beiden Jahren würden mehr als 18 Milliarden Euro endfällig, allein aus den Branchen Automobil und Maschinenbau. „Das heißt also: aktiv werden und die Refinanzierung einleiten“, lautet ihr Appell. Wie aber die Finanzierung wetterfest machen?

          Von Panikstimmung war wenig zu spüren bei der Eröffnungsveranstaltung des Kongresses „Structured Finance“ in Stuttgart, die sich genau diesem Thema widmete. Die Krise heute sei anders als damals im Jahr 2008, wird von den Podiumsteilnehmern vielfach betont. Im Gegensatz zu damals gibt es heute keine Liquiditäts- und Kreditklemme, viele Unternehmen seien zudem professioneller aufgestellt. Und, so betont Carlo Crosetto, Finanzvorstand der Dürr AG, ein Umsatzrückgang allein sei auch für die Autobranche noch keine echte Krise.

          Im Krisenfall nervös

          Die Transformation wiederum komme nicht überraschend, auch die Finanzvorstände hätten sich darüber schon frühzeitig Gedanken machen können. „Wir spüren, dass unsere Kunden nicht weniger investieren, sondern mehr. Transformation geht nicht anders“, berichtet Crosetto über die Autobauer, die bei Dürr weiter Lackieranlagen bestellen – nicht nur Diesel, auch Elektroautos wollen lackiert sein.

          Gleichwohl könnten die Finanzexperten mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert sein, gibt Martin Bellin zu bedenken, Gründer eines Anbieters von Treasury-Software. Wer wisse schon, wie sich die Finanzströme ändern werden? Seiner Vorstellung nach könnte eines Tages selbst für Lackierstraßen das Prinzip des Pay-per-use verwendet werden, das heißt, die Anlage würde nicht als Ganzes finanziert, sondern über flexible Zahlungen, abhängig von der Zahl der lackierten Fahrzeuge.

          Dieser theoretischen Entwicklung könnte aber der Wunsch nach langfristiger Planung gegenüberstehen, so der Einwand anderer Diskussionsteilnehmer. Die Bankenlandschaft ist auch eine andere geworden, verglichen mit dem Jahr 2008, einschließlich der Leidenschaft der Firmenkunden, sich den Margenwettbewerb unter den Banken zunutze zu machen, bemerkt Michael Bückert, Firmenkunden-Vorstand bei der Bayern LB, der bedauert: „Leider haben es die deutschen Banken nicht geschafft, sich etwas Speck auf die Rippen zu essen.“

          Deswegen könnte manche Bank im Krisenfall nervös werden, so seine Erwartung: „Und wenn erst einmal eine aussteigt, werden die anderen auch nervös.“ Unter der Vielzahl an Finanzierungsmöglichkeiten erscheint ihm gerade in schwierigen Zeiten der Konsortialkredit als das Mittel der Wahl – „da sind die Banken vier bis fünf Jahre gebunden“.

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