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Digitale Kreuzfahrt : Das gläserne Traumschiff

Carnival weiß alles: Auch die Coktailvorlieben kennt der Kreuzfahrtschiff-Computer genau. Bild: AP

Der Kreuzfahrtkonzern Carnival macht Seereisen digital. Passagieren soll jeder Wunsch von den Augen abgelesen werden - besser gesagt, von einem Chip, den sie ständig bei sich tragen. Ein Albtraum für Datenschützer?

          Auf der CES in Las Vegas tummeln sich in diesem Jahr eine ganze Reihe von Unternehmen, die traditionell mit Elektronik wenig zu tun haben. Aber die Digitalisierung lässt mittlerweile kaum noch eine Branche unberührt, und das erweitert den Aktionsradius der Messe. In diesem Jahr ist zum Beispiel der französische Kosmetikkonzern L’Oréal nach Las Vegas gekommen und hat für eine seiner Marken eine mit dem Internet verknüpfte Haarbürste vorgestellt. Der Versicherungskonzern Liberty Mutual hat eine Smartphone-Anwendung präsentiert, die das Fahrverhalten von Menschen hinter dem Autolenkrad verfolgt. Die daraus resultierenden Daten werden genutzt, um im Falle guter Ergebnisse Preisnachlässe auf Versicherungen zu geben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ein anderes untypisches Unternehmen, das in diesem Jahr in Las Vegas eine prominente Rolle spielt, ist Carnival Corp., der größte Kreuzfahrtkonzern der Welt, der mehr als einhundert Schiffe unter zehn verschiedenen Marken betreibt und zu dem auch der deutsche Marktführer Aida gehört. Der Carnival-Vorstandsvorsitzende Arnold Donald hielt am Donnerstag eine der Hauptreden („Keynotes“) auf der Messe. Er ist nach Las Vegas gekommen, um eine neue Initiative vorzustellen, die den gegenwärtigen Trend zur Vernetzung unterstreicht, sich aber ebenso wie die Versicherungs-App von Liberty Mutual für einige Datenschützer nach einem Albtraum anhören dürfte.

          Carnival hat ein System entwickelt, das Passagieren aus ein bequemeres Reiseerlebnis ermöglichen und dazu beitragen soll, ihnen gewissermaßen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Es soll noch in diesem Jahr auf dem Kreuzfahrtschiff „Regal Princess“ eingeführt werden und danach auf anderen Schiffen der „Princess“-Flotte; später soll es auch in den anderen Konzernmarken eine Rolle spielen. Kernstück ist das „Medallion“, ein münzgroßes elektronisches Gerät, das von Passagieren auf der Kreuzfahrt getragen wird, ob am Handgelenk, als Kettenanhänger oder auch nur in der Hosentasche. Diese Geräte identifizieren die Reisenden und ihre jeweiligen Präferenzen.

          „Medallions“ bieten Vielzahl von Möglichkeiten

          Die „Medallions“ werden mit insgesamt 7000 Sensoren verbunden, die Carnival auf jedem Kreuzfahrtschiff für diesen Zweck installieren will. Sie sollen zum Beispiel ermöglichen, ohne weiteren Schlüssel die Tür zur eigenen Kabine zu öffnen. Sie sollen auch ein einfaches Bezahlmittel beim Besuch von Bars und Restaurants oder beim Einkauf auf dem Schiff sein. Passagiere sollen damit auch Essen oder Getränke bestellen können, egal, wo sie sich gerade aufhalten.

          Das Bedienpersonal kann die betreffenden Reisenden anhand der „Medallions“ finden. Sie tragen eine Art Tabletcomputer herum, auf dem ein Foto des jeweiligen „Medallion“-Trägers erscheint, sobald sie sich ihm nähern. Carnival dürfte es bei dem System darum gehen, ein technikaffines jüngeres Publikum für seine Kreuzfahrten zu gewinnen und sie zu animieren, mehr Geld auf ihrer Reise auszugeben. Manchen Kunden könnte freilich die Aussicht missfallen, mit diesem System zum gläsernen Passagier zu werden.

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