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Kreuzfahrtbranche : Traumschiff-Erbinnen erleiden Schiffbruch

Kein Geld mehr auf dem Konto: Gisa Deilmann (links) und ihre Schwester Hedda Bild: dapd

Sie galten als Vorzeige-Unternehmerinnen. Doch als das Geschäft mit Kreuzfahrten nicht mehr lief, mussten Hedda und Gisa Deilmann die Reederei ihres Vaters verkaufen. Nun haben sie Privatinsolvenz angemeldet.

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          An diesem Samstag ist es wieder so weit: Ab 14:40 Uhr schippert das Traumschiff „MS Deutschland“ im ZDF über die Weltmeere. Dem Sender bringt der TV-Klassiker stets gute Quoten, den Filmfreunden garantiert er ein Happy End. Anders als die meisten Zuschauer werden Hedda und Gisa Deilmann jedoch keineswegs verzückt vor dem Bildschirm sitzen. Die blonden Zwillingsschwestern erbten das Schiff samt Reederei von ihrem Vater Peter Deilmann, der 2003 an Krebs starb. Mit 35 Jahren rückten die beiden Frauen an die Spitze des Unternehmens auf. 2008 schrieb ihr Unternehmen das beste Jahr in seiner Geschichte. Die Presse bejubelte sie; Hedda und Gisa Deilmann galten als Vorzeige-Unternehmerinnen. Weil der Erfolg viele Väter hat und noch mehr Freunde mit sich bringt, trafen sie Prominente und Mächtige, unter anderem Kanzlerin Angela Merkel und den früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow.

          Den Schwestern gehören nur noch 5 Prozent

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Ihr anschließender Fall im nächsten Jahr war umso schmerzhafter. Überraschend meldete die Flusskreuzfahrtsparte der Reederei 2009 Insolvenz an. Die sieben zugehörigen Schiffe wurden verkauft. Der Untergang der Reederei ging dennoch weiter. Ende August veräußerten die Schwestern ihre gesamten Anteile an die Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius. Den Sanierungsspezialisten gehören seitdem 95 Prozent der Reederei inklusive der „MS Deutschland“, die restlichen Anteile besitzt die Mutter der Zwillinge. Dem Vernehmen nach zahlte der Investor für das Neustädter Familienunternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag, jedoch weniger als die 50 Millionen Euro, die das Unternehmen damals umsetzte.

          Das Trauerspiel mit den Schwestern in der Hauptrolle ist damit noch nicht ausgestanden. Hedda und Gisa Deilmann haben vor Kurzem Privatinsolvenz angemeldet. Vor den Amtsgerichten Eutin und Lübeck laufen Verfahren wegen Zahlungsunfähigkeit, sagte Insolvenzverwalter Karsten Tötter dieser Zeitung. Rund 15 Gläubiger hätten sich gemeldet, die von den Schwestern insgesamt 12 Millionen Euro fordern. Wie konnte es soweit kommen?

          Keinen Cent mehr auf dem Konto

          „Es sind Altlasten unseres Vaters“, erklären die früheren Reederei-Königinnen in einem großen Interview in der Zeitschrift „Bunte“. Konkret seien ihnen Bankbürgschaften ihres Vaters aus dem Jahr 2000 zum Verhängnis geworden. „Es handelt sich um geerbte Schulden“, versichern die Frauen. Glaubt man ihnen, war die Reederei schon vor dem Tod ihres Vaters stark angeschlagen. „Seit dem Anschlag vom 11. September in New York hatte das Unternehmen schwere Schlagseite“, beteuern die Schwestern in der Illustrierten. Die Passagiere aus den Vereinigten Staaten, die mehr als die Hälfte der Gäste ausgemacht hätten, seien fortan ausgeblieben.

          Um das Unternehmen zu retten, hätten sie 2003 den Großteil ihres Vermögens in die Reederei fließen lassen. Dass auch das frische Kapital am Ende nichts nutzte, dafür haben die Frauen ihre eigene Erklärung. „In einer von Männern dominierten Branche wie der Schifffahrt arbeiten Männer Hand in Hand, um Frauen in Führungspositionen systematisch kaputt zu machen.“

          Ab in den Süden: Die MS Deutschland läuft aus dem Kieler Hafen aus Bilderstrecke
          Ab in den Süden: Die MS Deutschland läuft aus dem Kieler Hafen aus :

          Nicht mal den Gewinn aus dem Verkauf der Schiffe 2009 hätten sie behalten dürfen, der sei an die Gläubiger geflossen. „Die Steuern dafür mussten jedoch wir bezahlen.“ Nun sind viele Freunde weg, und der Ruf ist ruiniert. Geblieben sind nur die Schulden. Auf die Frage, wie viel Geld sie derzeit auf ihren Konten haben, antwortet Gisa Deilmann „Keinen Cent.“

          Ihre Männer, mit denen sie Gütertrennung vereinbart hätten, versorgten sie. Klamotten gebe es aber nur von Zara, H&M und Hallhuber. Auf dem „Traumschiff“ wäre bei solch einem Bekenntnis vermutlich ein reicher Geschäftsmann aufgetaucht, der die Schulden der verzweifelten Schwestern aus Nächstenliebe beglichen hätte. Die 43 Jahre alten Frauen wollen sich darauf aber nicht verlassen: „Wir sind ja noch jung. Wir können noch einmal etwas völlig Neues anpacken, wenn die sechs Insolvenzjahre vorbei sind.“

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