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Tarifverhandlungen : Krankenpflege, fast ein Traumberuf

Eine Krankenschwester legt ihre Schutzkleidung an. Bild: dpa

Krankenpfleger müssen mehr Geld verdienen. Aber Deutschland muss auch anders über den Beruf sprechen. So übel ist er nämlich gar nicht.

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          Selbst im Film hätte die Lage vor dem großen Showdown kaum dramatischer sein können: Erst klatschen die Deutschen ihren Krankenschwestern Beifall. Dann vergeht der Sommer, die Gewerkschaft fordert höhere Löhne für den öffentlichen Dienst und organisiert Warnstreiks in Krankenhäusern, Kindergärten, der Müllabfuhr. Und pünktlich vor der wichtigen Verhandlungsrunde am Donnerstag und Freitag eskaliert die Corona-Pandemie: Sie macht deutlich, wie wichtig Krankenpfleger sind – und wie viele davon fehlen.

          Nun steckt Deutschland in einer der tiefsten Wirtschaftskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg. In der Privatwirtschaft bangen viele Menschen um ihren Arbeitsplatz, die Gehälter sind durchschnittlich um vier Prozent gesunken. Da darf auch der öffentliche Dienst bescheiden bleiben, zumal die Stellen sicher sind und die Löhne in den vergangenen Jahren nicht hinter der allgemeinen Gehaltsentwicklung zurückblieben. All das entspricht den Wünschen junger Leute: Der öffentliche Dienst war für sie schon vor Corona der beliebteste Arbeitgeber überhaupt.

          Anders sind die Anforderungen bei den Krankenschwestern und ihren Kollegen in den Mangelberufen des öffentlichen Diensts. Wenn Arbeitgeber ihre offenen Stellen nicht besetzen können, dann müssen sie den Lohn erhöhen – so einfach ist das, dazu muss man nicht mal über Systemrelevanz oder Moral streiten.

          Für die Krankenschwestern wird es besser

          Ein höheres Gehalt allein reicht aber nicht aus. Es muss sich auch herumsprechen. Eine der schwersten Lasten für Krankenpfleger ist schließlich ihr großer Stress – der kleiner würde, wenn wenigstens die offenen Stellen besetzt wären. Doch damit junge Leute in die Krankenpflege gehen, müssen sie von den Verbesserungen auch erfahren.

          In den vergangenen Jahren ist schon einiges passiert. Seit 2015 ist das Gehalt um zwölf Prozent gestiegen, etwas mehr als das der übrigen Arbeitnehmer in Deutschland. Weitgehend beendet wurde der Zustand, dass junge Leute für ihre Ausbildung oft noch bezahlen mussten. Wegen der Pandemie werden einige besonders belastete Krankenschwestern eine Bonuszahlung bekommen. All das stellt die Gewerkschaft Verdi nicht in den Vordergrund. Es ist auch nicht ihre Aufgabe. Eine Gewerkschaft hat unzufrieden zu sein, damit sie für ihre Mitglieder immer bessere Bedingungen herausholen kann. Schauen wir aber mal mit dem Blick eines Schulabgängers, der sich zwischen mehreren Berufsausbildungen entscheiden muss.

          Bekannt ist: In der Krankenpflege erwartet die Anwärter ein stressiger Beruf mit anspruchsvoller Ausbildung, großer Verantwortung und unregelmäßigen Arbeitszeiten. Doch die Aufgabe hat auch einiges für sich.

          Ein verantwortungsvoller Beruf mit überdurchschnittlichem Gehalt

          Es beginnt beim Geld: Das mittlere Monatsgehalt in der Krankenpflege beträgt 3547 Euro brutto, die Hälfte der Beschäftigten verdient weniger, die Hälfte mehr – so sagt es die Bundesagentur für Arbeit. Das ist nicht wenig. In ganz Deutschland liegt das mittlere Gehalt nur bei 3400 Euro. Um andere, sehr beliebte Ausbildungsberufe steht es nicht so gut: Kaufleute für Büromanagement verdienen nur rund 3300 Euro, Automechaniker nicht mal 3100 Euro. Netto stehen die Krankenschwestern noch besser da, schließlich sind ihre Nacht- und Sonntagszuschläge steuerfrei.

          Dazu kommt eine reichhaltige unentgeltliche Entlohnung. Es ist schön, die guten Folgen der eigenen Arbeit direkt zu sehen. Vielleicht ist sogar mancher Patient dankbar. Und das gesellschaftliche Standing von Krankenschwestern ist kaum zu toppen: 87 Prozent der Deutschen bescheinigen ihnen ein hohes Ansehen. „Klatschen reicht nicht“, sagt Verdi. Das ist wahr. Aber es ist allemal schöner, beklatscht zu werden als ausgebuht. Banker werden inzwischen manchmal misstrauisch beäugt, das Wirken von Bürokaufleuten wird als selbstverständlich hingenommen – dieses Schicksal bleibt den Schwestern erspart.

          So ergibt sich von der Krankenpflege das Bild: Es ist ein anspruchsvoller und stressiger Job, der gut angesehen, sicher und überdurchschnittlich bezahlt ist. Wenn man das über andere Berufe sagt, klingen die in vielen Ohren besonders attraktiv. Es wäre schön, wenn Deutschland künftig auch einmal so über seine Krankenpfleger spräche. Die Gehälter kann man dann trotzdem erhöhen.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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