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F.A.Z. exklusiv : Krankenkassen machen viel weniger Überschuss

  • -Aktualisiert am

Die Überschüsse der Krankenkassen sind sehr unterschiedlich. Bild: dpa

2 Milliarden Euro Überschuss haben die Krankenkassen 2018 noch gemacht. Das ist ein Drittel weniger als im Vorjahr. Weil eine Krankenkasse viel mehr verdient als alle anderen, soll das System jetzt reformiert werden.

          Die gesetzlichen Krankenkassen haben auch das vergangene Jahr mit einem Überschuss abgeschlossen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beläuft er sich auf 2 Milliarden Euro. Das ist knapp ein Prozent der Ausgaben von mehr als 230 Milliarden Euro. Die Zahl ergibt sich aus Angaben der Kassenverbände.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Reserven der 109 gesetzlichen Krankenkassen erreichen damit 21 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch die Rücklagen und Reserven im Gesundheitsfonds, der die Beitrageinnahmen verwaltet und an die Kassen auszahlt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte alle Reserven und Rücklagen zusammen unlängst auf 30 Milliarden Euro beziffert.

          Allerdings haben die Kassen im vierten Quartal 2018 ihren Überschuss nur noch geringfügig gesteigert, um 150 Millionen Euro im Vergleich zum dritten Quartal. Der Trend zurückgehender Überschüsse zeigt sich auch im Jahresvergleich: 2017 hatte die gesetzliche Krankenversicherung noch ein Plus von 3,15 Milliarden Euro ausgewiesen, ein Jahr später ist es um ein Drittel geschrumpft.

          AOK schneidet gut ab

          Im Vergleich schneiden die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) finanziell gesehen weiterhin am besten ab. Sie weisen einen Überschuss von 1,1 Milliarden Euro aus, nach 1,4 Milliarden im Vorjahr. Das ist mehr als die Hälfte des Überschusses aller Kassen, obwohl die AOK von den 72 Millionen Kassenversicherten nur gut ein Drittel, 26 Millionen, ihre Kunden nennen.

          Die Ersatzkassen, Marktführer mit knapp 28 Millionen Versicherten, kommen nur auf ein Plus von 561 Millionen Euro. Das war ziemlich genau die Hälfte des Vorjahreswertes. Innerhalb des Ersatzkassenlagers sind die Unterschiede groß: Der Marktführer TK mit 10 Millionen Versicherten nennt ein Plus von 452 Millionen Euro, die Barmer kommt mit 6 Millionen Euro auf ein soeben ausgeglichenes Ergebnis. DAK und KKH erzielen zwar ein Plus von 40 sowie 25 Millionen Euro, liegen mit ihren Beitragssätzen aber am oberen Rand.

          Auch die kleineren Kassenarten schneiden positiv ab: Die Betriebskrankenkassen mit 11 Millionen Versicherten kommen auf ein Plus von 180 Millionen Euro (Vorjahr: 295 Millionen Euro), die Innungskassen mit 5 Millionen Kunden auf 77 Millionen Euro (174 Millionen Euro) und die Knappschaft erwirtschaftet mit 1,5 Millionen Versicherten einen Überschuss von 90 Millionen Euro (102 Millionen Euro).

          Unzulänglichkeiten im Transfersystem

          Bei der Bewertung der Ergebnisse spielen neben den Beitragssätzen die Zuweisungen aus dem Finanzausgleich eine Rolle. Die seit Jahren hohen Überschüsse der AOK werden mit Unzulänglichkeiten des Transfersystems erklärt. Da dies den Wettbewerb um niedrige Beiträge und hohe Leistungen verfälsche, plant Minister Spahn eine Reform des Finanzsystems.

          Ulrike Elsner, Chefin des Ersatzkassenverbands, mahnte, die Reform dürfe nicht verschleppt werden. Schon die Wartezeit erhöhe die finanzielle Unsicherheit vieler Ersatzkassen. „Ein ,Weiter so’ bei der Verteilung der Gelder aus dem Gesundheitsfonds darf es nicht geben“, sagte sie der F.A.Z. Als Grund für den nur noch langsam wachsenden Überschuss nannte sie den stärkeren Anstieg der Leistungsausgaben mit einer Steigerungsrate von knapp 4 Prozent.

          Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorsitzender des AOK Bundesverbands, begründete den Überschuss der AOK im Gespräch mit der F.A.Z. damit, dass man seine Ausgaben weiter im Griff habe. „Sie haben sich mit einem Anstieg von 1,4 Prozent überaus moderat entwickelt.“ Zudem zögen die AOK weiter viele junge Kunden an; gesunde Beitragszahler sind für die Kassen finanziell von Vorteil, auch wenn es für diese weniger Geld gibt.

          Im Ausblick auf das laufende Jahr blieb Hoyer vorsichtig. Die Prognosen gingen von einer Konjunktureintrübung aus, gleichzeitig seien bis 2022 schon zusätzliche Ausgaben über 23 Milliarden Euro beschlossen. Zudem seien die Verteilungseffekte der Finanzreform nur schwer zu kalkulieren.

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