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Kraftwerk Knepper : Der Knall des Jahres

Der Schornstein des ehemaligen Kraftwerks Knepper in Castrop-Rauxel fällt nach einer Sprengung zusammen. Bild: dpa

Das ehemalige Kohlekraftwerk Knepper bei Dortmund ist am Sonntag planmäßig gesprengt worden. Übrig bleiben viel Staub – und fast 30.000 Tonnen Stahlschrott.

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          Es war das spektakuläre Ende eines Kohlekraftwerks: Am Sonntag ging der Sprengmeister ans Werk und legte Kesselhaus, Kühlturm und Schornstein in Schutt und Asche. Ein Kohleausstieg der besonderen Art, der eine Schar von Zuschauern anlockte. Fast 30.000 Tonnen Stahlschrott und Bauabfälle türmen sich nun auf dem Gelände, wo der 210 Meter hohe Schornstein und der 128 Meter hohe Kühlturm vorher als markante Landmarken in den Himmel über dem Ruhrgebiet ragten.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Auf der Stadtgrenze von Dortmund und Castrop-Rauxel gelegen, hatte das Kraftwerk Gustav Knepper mehrere Jahrzehnte Strom und Fernwärme geliefert. Die beiden ältesten Blöcke, die teils noch aus den fünfziger Jahren stammten, wurden schon 1990 stillgelegt und zum größten Teil abgebrochen. Ein neuer Block ging 1971 ans Netz, landete erst bei Eon und schließlich dessen abgespaltener Kraftwerksgesellschaft Uniper. Als Lieferverträge mit der Industrie ausliefen und die Energiewende die Strom-Börsenpreise ins Rutschen brachte, waren die Tage des alten Meilers gezählt: Kurz vor Weihnachten 2014 zog der Betreiber endgültig den Stecker.

          Jetzt räumt die Hagedorn-Gruppe aus Gütersloh das Gelände ab. Auf dem Areal soll ein gemischtes Gewerbe- und Industriegebiet entstehen und neue Arbeitsplätze in die Region bringen. An Folgeaufträgen für Abbruchunternehmen und Projektentwickler ist kein Mangel. Stillgelegte Kraftwerke stehen in Deutschland reichlich herum, und durch den Kohleausstieg werden in den nächsten Jahren noch eine ganze Reihe dazu kommen.

           Der Kühlturm des ehemaligen Kraftwerks Knepper fällt nach einer Sprengung zusammen.
          Der Kühlturm des ehemaligen Kraftwerks Knepper fällt nach einer Sprengung zusammen. : Bild: dpa

          Vielleicht sogar ein weiteres Uniper-Kraftwerk: der gerade mal fünfzehn Kilometer entfernte Meiler Datteln 4, der im kommenden Sommer fertig werden soll. Rund 1,5 Milliarden Euro sind dort schon verbaut worden. Aber nach dem Willen der Kohlekommission soll das mit modernster Technik ausgestattete, sauberste deutsche Kohlekraftwerk gar nicht ans Netz gehen. Nicht auszuschließen, dass auch dort irgendwann der Sprengmeister anrücken muss.

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