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Kräftige Tariferhöhung : 3,7 Prozent mehr Lohn in der Chemiebranche

Die Tariflöhne in der Chemie sind bereits in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als in anderen Branchen. Bild: dpa/dpaweb

Der Friedensschluss in der Chemiebranche kommt überraschend schnell: Die 550.000 Beschäftigten erhalten 3,7 Prozent mehr Geld. Der Abschluss hat Signalwirkung: Er ist die erste große Tarifeinigung für eine Schlüsselindustrie in diesem Jahr.

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          Die Gewerkschaften der exportorientierten Industrie bauen ihre tarifpolitische Vorreiterrolle immer weiter aus. Nachdem die IG Metall 2013 eine Erhöhung in Stufen von 3,4 und 2,2 Prozent für eine Laufzeit von 19 Monaten erstritten hatte, legt nun die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in der chemischen Industrie mit einer Erhöhung um 3,7 Prozent für 14 Monate nach. Eine entsprechende Tarifeinigung erzielten die Gewerkschaft und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) in Hannover.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren haben sich damit sowohl die Tariflöhne der 3,7 Millionen Metaller als auch der 550.000 Chemie-Beschäftigten um mehr als 30 Prozent erhöht. Im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft sind die Tariflöhne hingegen in den vergangenen Jahren nur um etwa 23 Prozent gestiegen. Das zeigen Berechnungen dieser Zeitung auf Basis der Tarifdaten des Statistischen Bundesamts. Die Tariferhöhungen in der Bauwirtschaft und im öffentlichen Dienst blieben dagegen mit etwa 21 Prozent etwas zurück. Die Verbraucherpreise haben sich von 2003 bis 2013 um rund 18 Prozent erhöht.

          Der neue Chemie-Tarifabschluss kam angesichts vermeintlich tiefer Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft früher, als viele Beobachter vermutet hatten. Und er ist auf den ersten Blick höher als erwartet. Im Vorfeld hatte der BAVC betont, dass nach zwei Tarifabschlüssen mit jeweils mehr als 4 Prozent nun ein „Tritt auf die Kostenbremse“ nötig sei, zumal die Branche derzeit eher stagniere. Allerdings sieht der neue Kompromiss vor, dass die Kostenlast für Betriebe in wirtschaftlich schwieriger Lage abgemildert werden kann; sie können die Erhöhung um bis zu zwei Monate hinausschieben, falls der Betriebsrat zustimmt.

          Die Arbeitgeber sagen auch mehr Ausbildungsplätze zu

          Zusätzlich verständigten sich die IG BCE und die Arbeitgeber auf einen neuen Ausbildungstarifvertrag. Dieser soll zum einen dafür sorgen, dass junge Menschen nach der Ausbildung seltener als bisher nur eine befristete Anschlussbeschäftigung erhalten. Sofern sie übernommen werden, sollen sie in Zukunft im Regelfall eine unbefristete Stelle erhalten, so der Tarifvertrag. Befristungen werden damit für die Betriebe stärker begründungspflichtig als bisher. Allerdings können sie – anders als in der Metall- und Elektroindustrie – weiterhin frei entscheiden, ob sie einen Lehrling übernehmen wollen.

          Vor diesem Hintergrund zeigten sich die Arbeitgeber bereit, zugleich abermals eine Steigerung der Zahl der Ausbildungsplätze in der Branche tarifvertraglich zuzusagen. Der neuen Vereinbarung zufolge sollen die 1900 Chemieunternehmen in diesem Jahr zusammen 9200 Lehrstellen anbieten, das sind 200 mehr als im vergangenen Jahr. Der alte Ausbildungstarifvertrag war im Dezember außer Kraft getreten.

          Anders als in der Chemieindustrie geben die Metall-Tarifverträge Lehrlingen schon lange einen Anspruch auf eine zumindest befristete Übernahme. Zusätzlich hatte die IG Metall 2012 eine Klausel durchgesetzt, die in der Regel zu einer unbefristeten Übernahme führen soll. Mehrere regionale Metall-Arbeitgeberverbände haben in jüngster Zeit die Einschätzung geäußert, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe seither graduell zurückgegangen sei.

          Der BAVC erklärte, die Arbeitgeber seien vor allem „beim Geld bis ans äußerste Limit gegangen“. Dank der flexiblen Elemente werde aber „die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht gefährdet“. Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis sagte, das Ergebnis stehe „in der Tradition einer erfolgreichen Tarifpolitik“ für die Chemieindustrie.

          Bereits in der kommenden Woche läuten die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes mit Verdi an der Spitze die Tarifrunde für rund zwei Millionen Angestellte der Kommunen und des Bundes ein. Im vergangenen Jahr hatten sie für die 800000 Angestellten der Länder Tariferhöhungen von 2,65 und 2,95 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren erstritten.

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