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Nach Sonderprüfung : Der große Befreiungsschlag bleibt der Adler Group versagt

  • Aktualisiert am

Ein Immobilienprojekt der Adler Real Estate in Berlin Bild: Tobias Vollmer

Ein Sonderbericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG scheint die Adler Group zu entlasten – teilweise. Mängel in den Transaktionen des Immobilienkonzerns wurden festgestellt. Die Aktien von Adler verlieren anfängliche Gewinne.

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          Erleichtert haben Anleger am Freitag auf die Nachricht reagiert, dass sich die Adler Group von Vorwürfen des systematischen Betrugs entlastet sieht. Der Aktienkurs der Immobiliengruppe, der im Oktober vergangenen Jahres nach eben solchen Anschuldigungen eingebrochen war, schnellte zur Eröffnung nun um knapp 17 Prozent nach oben. In der Tagesspitze waren es sogar gut 20 Prozent. Zu den Kursniveaus aus der Zeit vor den Anschuldigungen konnte sich die Aktie bislang jedoch nicht wieder aufschwingen. Tatsächlich fiel der Kurs bis zum Mittag wieder auf ein Plus von 7,7 Prozent.

          Der Wirtschaftsprüfer KPMG habe zwar Mängel in der Dokumentation und in der Abwicklung einiger Transaktionen festgestellt, teilte Adler Group in der Nacht zum Freitag mit. Beweise für systematisch „betrügerische oder die Gesellschaft ausplündernde Transaktionen mit angeblich nahestehenden Personen“ habe es aber nicht gegeben.

          Aufgeführt wurde von KPMG mit Blick auf Mängel etwa eine Transaktion mit einer „angeblich nahestehenden Person“ rund um ein Prestigeprojekt im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim. Hier habe der Vorwurf, wonach der Verkaufspreis für die Projektgesellschaft überhöht gewesen sei, von den Sonderprüfern nicht widerlegt werden können, hieß es. Aus Sicht der KPMG sei es zweifelhaft, ob die Bewertung von 375 Millionen Euro dem fairen Wert gemäß der geltenden Bilanzierungsregeln entsprächen. Der Immobilienkonzern sei jedoch „nach wie vor der Ansicht, dass der in der Transaktion vereinbarte Fair Value für die Projektgesellschaft, der so auch in mehreren geprüften Jahresabschlüssen abgebildet und testiert ist, korrekt ist“.

          Unklarheiten bestehen

          Den Vorwurf, dass die von Adler verwendete Berechnungsmethodik zum Beleihungswert, sprich dem Verhältnis zwischen Kreditvolumen und Marktwert der Immobilie, zur Vermeidung von Verletzungen entsprechender Anleihebedingungen geändert worden sei, habe KPMG indes widerlegt. Allerdings entsprechen laut der KPMG die aus den Anleihebedingungen abgeleiteten Verschuldungsgrade den textlichen Vorgaben jedoch nicht vollständig. Bei einer von KPMG als notwendig erachteten Korrektur des fairen Wertes der Gerresheim-Transaktion würde dies auf Ebene der Tochter Adler Real Estate zu einer einmaligen Überschreitung des Beleihungswerts (Loan-to-value, LtV) mehr als 60 Prozent zum Stichtag 30. September 2019 führen.

          Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) äußerte sich am Freitagnachmittag zu dem Bericht. Man könne darauf basierend noch nicht sagen, ob es bei Adler Verstöße gab. Die KPMG-Prüfung werde aber in eine eigene, in Arbeit befindliche Beurteilung einfließen, hieß es von der Behörde.

          Die Prüfung geht auf Vorwürfe der Investmentfirma Viceroy des Leerkäufers Fraser Perring zurück. Dieser hatte erstmals Anfang Oktober 2021 schwere Vorwürfe erhoben – unter anderem mit Blick auf die Bewertung von Immobilienprojekten. Am 4. Oktober 2021 hatte Adler Group eine strategische Neuausrichtung angekündigt. Der Verkauf von Teilen des Mietportfolios solle geprüft werden, die Erlöse daraus könnten für den Rückkauf von Anleihen und Aktien genutzt werden. Der Aktienkurs schoss daraufhin zunächst um fast 18 Prozent nach oben, wovon am Tagesende magere 2,6 Prozent übrig blieben. Am Tag darauf brachen die Papiere dann sogar um mehr als 11 Prozent ein.

          ADLER GROUP S.A. NPV

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          Viceroy-Bericht folgte Kursverfall

          Es ist nicht auszuschließen, dass das Finanzvehikel Viceroy in dieser Phase Aktien der Adler Group leer verkaufte, also auf weiter fallende Kurse setzte. Denn wiederum einen Tag später, am 6. Oktober, meldete der Shortseller auf Twitter die Fertigstellung eines Berichts, der sich der Adler Group widme. Daraufhin stürzte der Kurs um 33 Prozent auf 9,025 Euro ab. Es war der tiefste Stand einer bis dato gut sechsjährigen Börsengeschichte. Innerhalb von drei Börsentagen hatte sich der Kurs vom Hoch zum Tief fast halbiert.

          In den folgenden Monaten pendelte der Kurs mit teils starken Ausschlägen um die Marke von 11 Euro. Mit Kursen über 14 Euro würde den Papieren ein Ausbruch aus dieser Handelsspanne winken, was der Aktie mit einem Tageshoch von 13,95 Euro bislang jedoch versagt blieb.

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