https://www.faz.net/-gqe-91sq5

Nach Korruptionsskandal : KPMG-Manager in Südafrika räumen Posten

Wütende Frauen demonstrieren gegen Präsident Zuma und die umstrittene Gupta-Familie. Bild: AFP

Die Beratergesellschaft KPMG ist wegen Verbindungen zu der korrupten Unternehmerfamilie Gupta unter Druck geraten. Nun hat das Unternehmen Konsequenzen gezogen.

          Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG hat nach einer Serie schwerer Vorwürfe in Südafrika personelle Konsequenzen gezogen. Acht Führungskräfte wurden am Freitag abberufen, darunter der bisherige Südafrika-Chef Trevor Hoole. Gegen einen weiteren Partner läuft ein Disziplinarverfahren. Darüber hinaus gestand KPMG Fehler in einer politisch höchst brisanten Untersuchung des südafrikanischen Finanzamtes Sars ein. Solche Eingeständnisse haben Seltenheitswert in der Branche.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Wie am Freitag berichtet, ist KPMG wegen Geschäftsbeziehungen zu der umstrittenen Unternehmerfamilie Gupta jüngst immer stärker unter Druck geraten. Angesehene Wirtschaftsvertreter, Zivilorganisationen und die Opposition hatten Südafrikas Privatwirtschaft aufgefordert, ihre Verträge mit KPMG zu kündigen. Im Internet mehren sich die Proteste mit dem Hashtag #KPMGMustFall. Die mit Staatspräsident Jacob Zuma befreundeten Guptas stehen im Verdacht, den Staat um Milliarden zu plündern und direkten Einfluss auf die Besetzung staatlicher Ämter zu haben. KPMG hatte bis März 2016 das weitreichende Unternehmensnetz der Familie geprüft.

          Prüfung des südafrikanischen Finanzamtes höchst umstritten

          Die Untersuchung bei Sars habe den Eindruck vermittelt, der frühere Finanzminister Pravin Gordhan habe von einer nicht genehmigten Spionageabteilung in der Behörde gewusst, teilte KPMG am Freitag mit. Dieser Eindruck sei jedoch falsch gewesen. Es gebe keine Belege in den Unterlagen, die zeigten, dass Gordhan von einer solchen Einrichtung „wusste oder hätte wissen sollen“. Die Ergebnisse und Empfehlungen müssten daher zurückgezogen werden.

          Die Sars-Prüfung war damals höchst umstritten und hatte verheerende Folgen: Der international hoch angesehene Gordhan war nach dem Wirbel um die angebliche Spionageeinheit von Zuma abgesetzt worden. Zwei Rating-Agenturen senkten kurz danach die Bonitätsnote Südafrikas auf Ramschniveau. Gordhan galt als gewissenhafter Hüter der Staatsfinanzen. Er hat sich jedoch die Guptas zum Feind gemacht, weil er ihnen nicht gegenüber den Großbanken zur Seite stehen wollte. Südafrikas Banken hatten im vergangenen Jahr sämtliche Konten der Familie geschlossen. Gordhan hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen und von einer politischen Kampagne gegen ihn gesprochen.

          „Wir verstehen und bereuen die Auswirkungen“, teilte KPMG weiter mit. Es gebe jedoch keine Belege für rechtswidriges oder korruptes Verhalten. Das Unternehmen habe keine politische Motivation gehabt. Die Prüfungsgesellschaft bot an, das Honorar von Sars von umgerechnet 1,5 Millionen Euro zurückzubezahlen oder zu spenden. Darüberhinaus werde man 2,6 Millionen Euro an Bildungs- oder Anti-Korruptionsorganisationen spenden. Dieser Betrag entspreche den Gebühren, die KPMG Südafrika für die Prüfungen von Gupta-Unternehmen seit 2002 erhalten habe. „Dies ist eine schmerzvolle Zeit gewesen und unser Unternehmen hat die eigenen Qualitätsstandards nicht erfüllt“, sagte die neu berufene KPMG-Südafrikachefin Nhlamu Dlomu. „Ich möchte mich bei den Bürgern, unseren Mitarbeitern und Kunden dafür entschuldigen“.

          Weitere Themen

          Illegale Müllexporte auch aus Deutschland?

          Plastik : Illegale Müllexporte auch aus Deutschland?

          Immer mehr Länder in Südostasien wehren sich dagegen, die Müllhalde der westlichen Welt zu sein. Dabei geht es vor allem um verbotene Exporte. Auch Deutschland steht unter Verdacht.

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.