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17,6 Prozent teurer : Anstieg der Baupreise legt noch an Tempo zu

  • Aktualisiert am

Neubau in Hannover: Die Baupreise steigen stark. Bild: dpa

Materialmangel, Personalnot, Lieferengpässe: Die Kosten für den Hausbau steigen so stark wie seit Mai 1970 nicht mehr. Metallbauarbeiten verteuerten sich sogar um fast 24 Prozent.

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          Auf den deutschen Baustellen sind die Preise so schnell geklettert wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr. Laut Statistischem Bundesamt lagen im Mai die Preise für Bauleistungen einschließlich Mehrwertsteuer 17,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das war der höchste Anstieg seit Mai 1970, als sie in der Jahresfrist um 18,9 Prozent angezogen hatten, wie die Behörde am Freitag berichtete. Im vorherigen Berichtsmonat Februar 2022 betrug die Steigerung 14,3 Prozent.

          Gründe sind knappe und teure Materialien sowie eine hohe Nachfrage. Besonders stark war der Preisanstieg bei Metallbauarbeiten (+23,6 Prozent) und Betonarbeiten (+23 Prozent). Unterdurchschnittliche Anstiege wurden bei Erdarbeiten (+14,8 Prozent) und Mauerarbeiten (+12,8 Prozent) verzeichnet.

          Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie teilt mit, dass dieser Preisanstieg für die Bauunternehmen keine Ertragssteuerung bedeutet. „Im Gegen­teil: die Baupreissteigerung ist ein Ergebnis explodierender Baumaterialpreise, auf denen die Unternehmen entweder sitzen bleiben, oder sich das Risiko erhöht, dass Investoren vor neuen Projekten zurückschrecken“, sagte Hauptgeschäftsführer Tim Oliver Müller.

          Bau von Mehrfamilienhäusern wird ins Stocken geraten

          Er verweist darauf, dass der Erzeugerpreisindex für Stahl im Mai innerhalb eines Jahres um bis zu 94 Prozent, Bauholz um 34 Prozent und Dämmwolle um 20 Prozent zugelegt haben. Lieferanten würden kaum noch Preiszusagen machen. Daher seit eine Angebotsabgaben für Bauunternehmen mit erheblichen Risiken verbunden. „Sie wissen schlicht nicht, ob ihre ursprüngliche Kalkulation bei Baubeginn noch Bestand hat, oder ob sie auf den gestiegenen Kosten sitzen bleiben“, sagte Müller. Um die Risiken zu verteilen, rät er zur Stoffpreisgleitung.

          Müller befürchtet, dass neue Wohnungsbauprojekte aufgrund der gestiegenen Baukosten und der wieder anziehenden Zinsen zurückgestellt werden. „Der Traum vom Eigenheim wird für einige Haushalte wohl erst einmal ein Traum bleiben, wenn das ursprünglich eingeplante Budget – auch angesichts gleichzeitig steigender Energie- und Lebenshaltungs­kosten – nicht mehr ausreicht“, sagte er. Auch der Mehrfamilienhausbau werde ins Stocken geraten. Industrielle Fertigungsmethoden könnten Baukosten senken, wofür es jedoch eine Vereinheitlichung der Landesbauordnungen brauche.

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