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Kosten des Hurrikans : Senatoren: „Katrina“ kostet 200 Milliarden Dollar

  • Aktualisiert am

Aufbau Süd in Mississippi Bild: REUTERS

Die Katastrophenhilfe für die von „Katrina“ verwüsteten Gebiete könnte bis zu 200 Milliarden Dollar kosten, vermuten amerikanische Politiker. Für den Wiederaufbau wird ein Nachtragshaushalt nötig.

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          Die Hilfe für die Opfer des Wirbelsturms „Katrina“ und der Wiederaufbau der verwüsteten Landstriche im Süden der Vereinigten Staaten könnten die Regierung in Washington bis zu 200 Milliarden Dollar kosten. Das haben verschiedene Senatoren am ersten Tag nach der Sommerpause des Kongresses nahegelegt.

          Die Parlamentarier stellen sich darauf ein, in der kommenden Woche vom Weißen Haus einen Nachtragshaushalt über mindestens 40 Milliarden Dollar zur Bewilligung übermittelt zu bekommen. Schon kurz nach dem Sturm und der folgenden Überflutung der Stadt New Orleans hatte der Kongreß auf Antrag von Präsident George Bush 10,5 Milliarden Dollar als Nothilfe freigegeben.

          Drei bis vier Jahre für den Wiederaufbau

          Der Führer der demokratischen Minderheit im Senat, Harry Reid, bezifferte die voraussichtlichen Kosten der Katastrophenhilfe auf rund 150 Milliarden Dollar. Dafür wurde er zunächst vom Mehrheitsführer Bill Frist kritisiert und bezichtigt, „politische Spielchen“ zu treiben. Unterstützung erhielt Reid aber kurz darauf vom republikanischen Senator Judd Gregg, der die Schätzung des Demokraten als „vernünftig“ bezeichnete und sagte, 200 Milliarden Dollar seien ebensogut vorstellbar.

          Die Hilfe für die betroffenen Menschen in Louisiana, Mississippi und Alabama, die Reparaturen und der Wiederaufbau zögen sich vermutlich über drei bis vier Jahre hin, äußerte Gregg, der auch Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Senat ist. Der Kongreß solle sich darauf einstellen, bis auf weiteres im Abstand von einer oder zwei Wochen vom Weißen Haus Anträge für zusätzliches Geld zu erhalten.

          Täglich eine Milliarde Dollar für die Opfer

          Nach Einschätzung von Kongreßmitgliedern werden die zunächst zur Verfügung gestellten mehr als 10 Milliarden Dollar in Kürze aufgebraucht sein. Die Katastrophenschutzbehörde Fema gebe zur Versorgung der Opfer täglich annähernd 1 Milliarde Dollar. Die Kosten zur Bewältigung der durch „Katrina“ verursachten Schäden werden damit jene von früheren Naturkatastrophen um ein Vielfaches übersteigen und auch deutlich höher sein als jene 21 Milliarden Dollar, die der Stadt New York nach den Terroranschlägen vor fast genau vier Jahren bereitgestellt wurden.

          Durch die Nachtragshaushalte wird es Bush nicht gelingen, das Haushaltsdefizit, wie noch vor einigen Wochen vorhergesagt, in diesem Jahr auf 333 Milliarden Dollar oder rund 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Das Etatjahr geht in wenigen Wochen, am 30. September, zu Ende. Im vergangenen Jahr hatte das Budgetdefizit mit 412 Milliarden Dollar oder rund 3,6 Prozent des BIP dem Betrag nach ein Rekordniveau erreicht. Das Defizit im kommenden Fiskaljahr wird durch die bevorstehenden zusätzlichen Belastungen ebenfalls höher ausfallen als jene 341 Milliarden Dollar (2,6 Prozent des BIP), die das Weiße Haus kürzlich in Aussicht gestellt hatte.

          Senkung des Defizits dennoch möglich

          Das Ziel Präsident Bushs, das Haushaltsdefizit von ursprünglich einmal für 2004 prognostizierten 521 Milliarden Dollar bis 2009 zu halbieren, ist nach Einschätzung von Fachleuten dennoch nicht gefährdet. „Wir können uns das leisten, wenn es sich um eine einmalige Ausgabe handelt. Was wir uns nicht leisten können, sind Hunderte von Milliarden jahrelang“, sagte der Direktor des Haushaltsbüros im Kongreß, Douglas Holtz-Eakin.

          Ungewiß scheint allerdings nun, ob der Kongreß, wie von Bush gewünscht, einer Reihe von Steuersenkungen zustimmen wird. Beratungen über die Abschaffung der Erbschaftsteuer wurden vorerst von der Agenda des Senats gestrichen.

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