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Erneuerbare Energien : Was läuft da falsch?

Techniker stehen auf dem Maschinenhaus einer Windkraftanlage vom Typ Vestas V126 in Hessen. Bild: dpa

Überall in Deutschland stehen Windräder, trotzdem stößt das Land mehr Kohlendioxid aus als geplant. Eine Reise an die Front.

          Motoren heulen auf, wo angeblich der Rotmilan und Schwarzstorch wohnen und sonst Ruhe haben. Auf unzähligen kleinen Rädern schaffen die halbautonomen Spezialfahrzeuge von Goldhofer die mehrere dutzend Meter langen Turmteile und Rotorblätter den Berg hinauf. Wendig wie Tausendfüßler nehmen sie die engen Biegungen durch den Wald, über die verbreiterten Forstwege und Rampen manövrieren sie das tonnenschwere Material zentimetergenau.

          Matthias Hertle

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch ist das hektargroße Areal auf dem 568 Meter hohen Stillfüssel im Odenwald eine einzige Baustelle. Läuft alles nach Plan, wird der Windpark aber kurz nach der Neujahrswende ans Netz gehen. An fünf Stehlen werden dann mächtige Rotoren des dänischen Windanlagenbauers Vestas mit je einem Durchmesser von 126 Metern die Energie aus der Luft drehen; die Flügelspitzen die Bergkuppe dabei um 212 Meter überragen. 14.000 Haushalte soll der Windpark in dem windschwachen Gebiet so mit Strom versorgen, verspricht Entega, der Energieversorger, der von dem Wind profitieren will.

          Mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien und einer allmählich wachsenden Zahl von Elektromobilen auf den Straßen steht Deutschland eine Zeitenwende bevor – 29.000 Windräder stehen schon, davon 28.000 an Land. In Hessen weihte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) dieses Jahr die tausendste Windkraftanlage ein. Auf zwei Prozent der Landesfläche soll es nach dem Willen der Landesregierung einmal Windparks wie den entstehenden auf dem Stillfüssel geben – wie es der Bundesverband Windenergie von den Ländern auch fordert.

          Der Widerstand dagegen in den ländlichen Regionen aber flacht nicht ab. Nicht nur die Energiewende umzusetzen, sondern sie auch sinnhaft zu machen, gerät zur Herkulesaufgabe. „Ein Stück Heimat bricht für mich weg, wenn ich vom Wohnzimmer aus die Naturschändung auf dem Stillfüssel sehe“, sagt ein älterer Mann in Wald-Michelbach beim Stillfüssel, während er vor seinem Haus, das nicht mehr als zwei Kilometer von der Großbaustelle entfernt steht, Laub zusammenfegt.

          „In zwei, drei Jahren ist alles wieder grün“

          Zweimal im Monat ziehen die Menschen hier abends mit Trommelschlägen und Plakaten gellend pfeifend durch die Straßen. Manchmal zu hundert, mal sind sie zweihundert. „Ohne Subventionen würde hier kein einziges Windrad hingestellt und kein Baum gefällt“, sagt ein Handwerker bei dem scheppernden Lärm. „In ein windschwaches Gebiet setzen sie jetzt die Anlagen – für eine Energiegewinnung, die so nicht grundlastfähig ist“, sagt er.

          „Entega raus“, haben zwei Demonstranten aus dem Tross auf ihrem Banner stehen. Wenn auch Entega sagt, dass man den Gegnern schon weit entgegengekommen sei, sie in Entscheidungen mehr als nötig eingebunden habe. Und der Darmstädter Energieversorger beschwichtigt: „In zwei, drei Jahren ist auf dem Stillfüssel alles wieder grün.“ Zur Wirtschaftlichkeit heißt es: „Von den Banken bekommen Sie keine Finanzierung, wenn Sie kein schlüssiges Konzept auf einer soliden Datenbasis vorlegen.“ Für die sei der Wind auf dem Stillfüssel über 18 Monate gemessen worden. Das Ergebnis: Es weht reichlich Wind.

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