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Erneuerbare Energien : Was läuft da falsch?

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Wie aber kann Ökostrom günstiger erzeugt und zugleich eine bessere CO2-Bilanz erzielt werden? Angesichts zu stemmender Investitionen ist die Uneinigkeit darüber unter Experten überraschend groß, die Vorschläge verlaufen teilweise sogar diametral entgegengesetzt. Lieber solle man die Größenvorteile von Offshore-Windparks ausspielen, statt an Orten Anreize für den Bau von Windrädern zu setzen, an denen kein Wind blase und die Erzeugung von Strom entsprechend teuer sei, sagte kürzlich der Chef des Windanlagenbauers Senvion, Jürgen Geißinger. Dagegen verweist McKinsey auf geschätzte Kosten von 15 Milliarden Euro für die Anbindung allein der Offshore-Standorte, die bis 2025 ans Netz sollen. Die Berater nennen stattdessen als Option, die Förderbedingungen nach dem EEG so zu lockern, dass Windanlagen verstärkt an Land zugebaut werden dürfen – in größerer Nähe zu den Anwohnern, sofern es unter ihnen genügend Akzeptanz gibt.

Der Ökonom Haucap sagt, er sei in jedem Fall dagegen, noch weiter dort zuzubauen, wo die Verhältnisse wie im Odenwald nicht gut seien. „Da ist es besser, die Windkraftanlagen im Norden und Osten auszubauen und in den Süden die entsprechenden Leitungen zu legen“, sagt er.

„Für mich bricht ein Stück Heimat weg.“ Die Aussicht von Wald-Michelbach auf den Stillfüssel wird bald eine andere sein. Ob schöner oder nicht - Geschmackssache.

Bezahlbar bleiben durch Speicher und hauseigene Kraftwerke

Andere Wege können immerhin die Chancen verbessern, die Energiewende zu schaffen: Bosch KWK Systeme zum Beispiel stellt für die Industrie Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung her. Ein Druckluft-Wärme-Kraftwerk des Stuttgarter Konzerns kann so etwa Abwärme, die bei dem Einsatz von Druckluft entsteht, dem Heizungskreislauf zuführen. Allerdings könnte der Einsatz solcher Anlagen in Zukunft für die Industrie weniger attraktiv sein, weil die EU Unternehmen eine Befreiung von der Ökostrom-Umlage nicht mehr im bisherigen Umfang gewähren will. Unter die neue Einschränkung fallen allerdings keine KWK-Anlagen, die nach dem Sommer 2014 in Betrieb genommen worden sind.

Über Wärmepumpen, die im Erdreich oder im Grundwasser enthaltene Wärmeenergie für den Privathaushalt nutzbar machen, ist bisher noch kein hell leuchtender Stern aufgegangen, aber zahlreiche Hersteller wie Nibe und Energy Systems bieten sie weiterhin an.

Und der ehemalige Deutschland-Chef von Tesla, Phillip Schröder, versucht außerdem mit seinem Unternehmen Sonnen, die Versorgung mit Erneuerbaren durch vernetzte Speicher in Privathaushalten sicherer zu machen.

Dass auf diese Weise die Energiewende doch noch klappen könne, glaubt unter den Windkraftgegnern von Wald-Michelbach hingegen kaum einer. Zu groß sei der Energiehunger der Industrie im Süden des Landes; der Strom für Elektrofahrzeuge und immer größere Rechenzentren komme in Zukunft dazu. „Das ist aussichtslos“, sagt der Handwerker in dem Tross, der sich scheppernd im Licht der Straßenlaternen durch die Straßen von Wald-Michelbach bewegt. „Wir werden dafür kämpfen, dass die Schwachwindkraftanlagen auf dem Stillfüssel zurückgebaut werden“, ruft eine Demonstrantin.

Und so beschäftigen die verärgerten Windkraftgegner weiter den Energieversorger Entega. Ein Polizeibeamter sei schon angegriffen, Bauarbeiter seien bedroht und Hydraulikschläuche und Reifen von Baugeräten zerschnitten worden, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Die Wald-Michelbacher wollen damit nichts am Hut haben. Jetzt schirmt ein privates Sicherheitsunternehmen die Baustelle ab.

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