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Erneuerbare Energien : Was läuft da falsch?

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Darüber hinaus kommen immer mehr Experten zu dem Schluss, dass die EEG-Umlage Investitionen zu ineffizient lenke. Sie sehen dabei Alternativen: Etwa ließen sich die Zertifikate im Emissionshandel verknappen. Der Ausstoß von CO2 verteuerte sich. Der teurere konventionelle Strom führte dazu, dass die EEG-Umlage sinken würde und die Erneuerbaren im besten Fall ganz ohne sie in den Markt reinkämen. Die Klimaziele, heißt es, würden so dennoch erreicht, aber unter faireren Wettbewerbsbedingungen. Die Technologien zur Erzeugung erneuerbarer Energie, lautet die Hoffnung, würden so kostengünstiger eingesetzt werden.

In diese Richtung geht auch ein Vorschlag des Berliner Klimaforschers Ottmar Edenhofer und des Kölner Ökonomen Axel Ockenfels. In einem Beitrag für die F.A.Z. sprachen sie sich kürzlich dafür aus, Mindestpreise für den Handel mit CO2-Zertifikaten festzusetzen. Ebenso plädiert der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap schon seit längerem für eine Reform des Zertifikathandels. Auch er sagt, dass die Energie- und Klimaziele so effizienter verfolgt würden und sich ein gleichförmigerer Wettbewerbsdruck bildete. Glaubt man den Demonstranten von Wald-Michelbach, würde es Schwachwindkraftanlagen wie die auf dem Stillfüssel dann nicht geben.

Doch nachdem die Gespräche über eine Jamaika-Koalition gescheitert sind, ist die Debatte hierüber im politischen Berlin wieder ins Stocken geraten. Die Zeit drängt trotzdem: Strom wird immer teurer, die Energiewende spaltet mehr und mehr die Bürger. „Ich bin eine Wutbürgerin“, ruft eine Demonstrantin zwischen den Häuserreihen von Wald-Michelbach in die Dunkelheit hinein. Mit ihrer kritischen Sicht steht die frustrierte Frau nicht allein. Deutschland fahre auf Sicht; die bisherigen Erfolge der Energiewende seien „überwiegend durch teure Subventionen erkauft“, steht in Berichten des Beratungshauses McKinsey zu seinem Energiewende-Index nachzulesen. Wenn auch die Unternehmensberater umweltpolitisch die Dringlichkeit der Energiewende sehen, schlagen sie Alarm: Behielte die Regierung den jetzigen Pfad bei, liefen die Kosten weiter aus dem Ruder.

Nicht allein aber die Förderung umstrittener Projekte wie der Bau des Windparks auf dem Stillfüssel treibt die Preise. Ein weiterer Kostenpunkt sind die Netzentgelte. Die hatten zwar für die Verbraucher 2009 noch bei 5,80 Cent je Kilowattstunde gelegen. Investitionen in neue und stabilere Netze haben sie inzwischen aber auf 7,31 Cent steigen lassen. Und sie sollen in den kommenden Jahren noch deutlich nach oben gehen: Insgesamt könnten die Netzentgelte für die Endkunden laut McKinsey von derzeit 22 Milliarden Euro bis 2025 auf 27 Milliarden Euro steigen.

Stark ins Gewicht fällt dabei auch das kurzfristige Hoch- und Herunterfahren der konventionellen Kraftwerke an windschwachen oder bewölkten Tagen. Die Konventionellen werden den Wind- und Photovoltaikanlagen deren hoher Volatilität zudem in Zukunft weiter hinterherfahren müssen.

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