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Kosten der Corona-Hilfen : 1900.000.000.000 Euro?

Kassensturz: Wie teuer wird die Corona-Krise? Bild: dpa

Der deutsche Staat hat im Kampf gegen das Virus gigantische Summen mobilisiert. Doch die Wirtschaftskrise könnte noch schlimmer werden als von der Regierung erwartet. Höchste Zeit für einen Kassensturz.

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          Es wäre die größte Rechnung in der Geschichte der Bundesrepublik: Bis zu 1,9 Billionen Euro könnte die Corona-Pandemie den deutschen Staat kosten, so kalkulierte kürzlich

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          die Deutsche Bank in einer Analyse. 1900.000.000.000 Euro – das wäre so viel, wie die deutsche Wiedervereinigung gekostet hat, und mehr als fünfmal so viel wie der gesamte Bundeshaushalt des vergangenen Jahres. Die Pandemie, sie ist auch ein nie dagewesener Ausnahmezustand der Finanzpolitik.

          Immerhin: Es gibt Lichtblicke. Der Corona-Shutdown, der das Land über viele Wochen hinweg fest im Griff hatte, wird allmählich aufgehoben, die Deutschen können sich langsam zurück in Richtung Alltag und Normalität tasten. Aber die Fragen bleiben: Wie lange noch wird der Staat Unternehmen und Arbeitnehmer so massiv unterstützen müssen wie in den vergangenen zwei Monaten? Was passiert, wenn eine zweite Infektionswelle anrollt? Und wer wird am Ende die gewaltige Rechnung begleichen für die Pandemie?

          Der Staat wirft weiterhin alles, was er hat, in die Waagschale. Fast 34.000 Unternehmen haben inzwischen bei der Staatsbank KfW wegen Corona-Notkrediten angeklopft, von der Pizzeria an der Ecke bis zu Dax-Konzernen wie Adidas und Lufthansa. Etwa 10 Millionen Arbeitnehmer beziehen derzeit Kurzarbeitergeld, auch das ein einsamer Rekord. Kein Unternehmen solle wegen Corona pleitegehen, so hat es Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) versprochen. „Unser Land kann das stemmen“, versicherte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Ende März im Interview mit der F.A.S. Das sollte beruhigend klingen. Aber irgendjemand wird am Ende bezahlen müssen.

          Wie können die Corona-Lasten fair verteilt werden?

          Wie also können die Corona-Lasten fair verteilt werden? Die Debatte darüber ist im vollen Gange – und sie spaltet in der Bundesregierung einmal mehr Sozialdemokraten und Union: SPD-Chefin Saskia Esken fordert eine einmalige Vermögensabgabe für Wohlhabende, ähnlich wie sie einst zur Finanzierung des Lastenausgleichs für Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg erhoben wurde. Aber das würde auch viele Familienunternehmer treffen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz vermeidet seit Wochen eine klare Ansage, was er von dem Vorstoß seiner Parteigenossin hält. Zustimmung gibt es dagegen von der Opposition. „Die privaten Vermögen, die heute mit staatlichen Schulden gerettet werden, müssen auch einen Beitrag zur Finanzierung der Krise leisten“, sagt Sven-Christian Kindler, der haushaltspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag. Das Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut DIW wiederum schlägt einen Zuschlag auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer vor, wie er als Solidaritätszuschlag zur Finanzierung der deutschen Einheit geschaffen wurde.

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