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Kostbares Öl (1) : Warum ist das Öl so teuer?

Treiber des Ölpreises: Wirtschaftswachstum in China Bild: REUTERS

Der Ölpreis ist auf Höhenflug, aber wer oder was ist Schuld daran? Das Wirtschaftswachstum in der Welt? Politische Unsicherheiten? Die Finanzmärkte? Wir erklären die Einflussfaktoren im Detail.

          Der starke Anstieg des Ölpreises ist, vereinfacht ausgedrückt, das Ergebnis einer steil wachsenden Nachfrage, der nur ein allenfalls langsames Wachstum des Angebots gegenübersteht. Die Ursachen der Nachfrage sind allerdings vielfältig.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Der wichtigste Treiber des Ölpreises ist das Wirtschaftswachstum in der Welt – und hier vor allem in Schwellenländern wie China. Zwar bleiben die Vereinigten Staaten das Land mit dem mit weitem Abstand größten Ölverbrauch von 21 Millionen Barrel am Tag (Angaben für 2005), aber danach folgt schon China mit 7 Millionen Barrel. Auf den weiteren Plätzen liegen Japan (5,4), Russland (2,8), Deutschland (2,6), Indien (2,5), Südkorea (2,3) und Kanada (2,2). Die Zahlen zeigen, dass Deutschland, gemessen an der Höhe seiner Wirtschaftsleistung, im Vergleich zu anderen Ländern eher wenig Öl verbraucht.

          Unelastisches Angebot

          Diese Statistik verdeutlicht aber auch, dass der Ölverbrauch mit einer Fortdauer des Wirtschaftswachstums weiter stark wachsen dürfte. Denn gerade in Ländern wie den Vereinigten Staaten oder China werden wenig Versuche unternommen, Öl effizienter einzusetzen.

          Der zunehmenden Nachfrage nach Öl steht ein zumindest kurzfristig unelastisches Angebot gegenüber. Ein Großteil des heute geförderten Rohöls stammt aus Feldern, die schon seit Jahrzehnten in Betrieb sind und ihre beste Zeit bereits hinter sich haben. Zwar setzt die Industrie heute technische Verfahren ein, die eine effizientere Förderung erlauben. Dennoch bedürfte es für eine nachhaltige Steigerung des Angebots der Erschließung großer neuer Felder. Doch dies stößt auf Schwierigkeiten. Zwar wurden neue Ölfelder entdeckt, doch lassen sich diese nicht mehr so einfach ausbeuten wie die bestehenden. Viele dieser Felder befinden sich unter dem Meer und verlangen den Einsatz teurer Technologie, um sie zu erschließen. Überdies dürften viele neuentdeckte Reservoirs nicht so ergiebig sein wie die seit Jahrzehnten ausgebeuteten großen Förderstätten im Mittleren Osten, in China und in Mexiko. Aus diesem Grund dürfte Öl nach Ansicht aller Fachleute nie mehr so billig werden wie vor 20 oder 30 Jahren.

          Politische Unsicherheit

          Allerdings muss Öl nach Ansicht vieler Fachleute auch nicht so teuer bleiben wie heute. Daher sind auch Prognosen zu hören, wonach der Preis für ein Barrel Öl im kommenden Jahr auf 70 bis 80 Dollar zurückgehen könnte. Denn die durch das Wirtschaftswachstum und das unelastische Angebot begründete Verteuerung des Öls rechtfertigt nach einer verbreiteten Meinung unter Experten keine Preise von 100 Dollar je Barrel. Auf den Ölpreis wirken noch weitere Einflussfaktoren ein.

          Dazu zählt in erster Linie die politische Unsicherheit. Ein nicht unerheblicher Teil der Ölförderung findet in Regionen statt, deren politische Stabilität fragwürdig erscheint. Dies gilt vor allem für den Mittleren Osten, für Länder wie Saudi-Arabien, Kuweit, den Irak und Iran. Auch wenn die Furcht vor dem islamischen Fundamentalismus in den vergangenen Monaten nachgelassen hat, bleibt die Region potentiell unruhig. Die politische Lage im Irak, der über Jahrzehnte zu den wichtigsten Förderländern der Welt zählte und unter dessen Sand sich noch erhebliche Reserven befinden, ist unsicher.

          Auch das Wetter spielt eine Rolle

          Iran scheint zwar innenpolitisch stabil, doch sorgt seine Außenpolitik vor allem gegenüber dem Westen immer wieder für Unruhe an den Märkten. Die Voraussage des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, im Falle eines Krieges gegen Iran werde das Barrel Öl 200 Dollar kosten, mag übertrieben sein. Aber schon jede Andeutung politischer Spannungen in der Region sorgt für hektische Ausschläge des Preises für Rohöl. Umgekehrt könnte natürlich eine dauerhafte Befriedung der Region einen deutlichen Rückgang des Ölpreises zur Folge haben.

          Preisausschläge als Folge von Unsicherheit müssen nicht notwendigerweise politische Spannungen als Ursache haben. Eine nicht geringe Rolle spielt auch das Wetter, und hier vor allem die Furcht vor Wirbelstürmen in Amerika. Im Süden der Vereinigten Staaten befinden sich die größten Raffinerien – das sind Fabriken zur Verarbeitung von Rohöl – der Welt. Sollte eine Serie von Wirbelstürmen die Raffinerien lahmlegen, würde dies den Preis für Rohöl nicht unbeeindruckt lassen. Immerhin handelte es sich hier aber wohl nur um einen vorübergehenden Effekt. Ähnliche kurzfristige Preisausschläge lassen sich beobachten, wenn in den Vereinigten Staaten die Vorräte in den Öllägern nicht den Erwartungen der Märkte entsprechen.

          Der Einfluss der Finanzmärkte

          Schließlich wird der Ölpreis auch durch Teilnehmer an den Finanzmärkten und hier vor allem durch Hedge-Fonds beeinflusst. Diese Fonds besitzen nicht selten Guthaben über viele Milliarden Dollar, die auf eine – und sei es nur vorübergehende – Anlage warten. Neben klassischen Finanzprodukten wie Aktien und Anleihen sind auch Rohstoffe in den Fokus dieser Großanleger geraten. Dabei kaufen sie keine physische Ware, sondern Terminkontrakte, die sie später an den Terminmärkten mit Gewinn weiterverkaufen wollen.

          Von der Möglichkeit eines steigenden Ölpreises wegen des Wirtschaftswachstums in der Welt angelockt, haben viele Fonds in den vergangenen Monaten auf Hausse gesetzt und mit ihren Käufen am Terminmarkt die Hausse noch gefördert. Dabei profitierten sie von der Schwäche des Dollar, weil ein schwacher Dollar nach aller Erfahrung mit einer steigenden Nachfrage nach Terminkontrakten auf Rohöl einhergeht. Sollten die Finanzanleger eines Tages ihre Gewinne mitnehmen und sich aus dem Ölmarkt zurückziehen, könnte der Preis deutlich nachgeben.

          Zu Frage 2: Versiegen bald die Quellen?

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