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Kosmetikhersteller : Deutsche Naturkosmetik für Hollywood

Julia Roberts - gepflegt mit Dr. Hauschka Bild: dpa

Julia Roberts, Madonna und Jennifer Aniston schwören auf eine Kosmetikmarke aus der Schwäbischen Provinz: „Dr. Hauschka“ duftet nach Rosen und nach dem Geist Rudolf Steiners.

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          Kaum ein Ort könnte Hollywood ferner sein. Am Fuße der Schwäbischen Alb, wo die buntgefärbten Hänge in saftige Streuobstwiesen übergehen, wird bewußt auf alles Künstliche verzichtet. Im Garten der Wala Heilmittel GmbH werden die Heilkräuter noch fast genauso angebaut wie im mittelalterlichen Klostergarten, und ebenso wie damals diktieren auch hier vor allem Jahreszeiten und Wetter den Ertrag. Ein großes Schild am Eingang des Gartens weist darauf hin, daß Mobiltelefone auf dem gesamten Gelände verboten sind. Und wer mit einem Mitarbeiter von Wala spricht, stellt schnell fest, daß Adjektive wie „echt“, „natürlich“, „organisch“ und „nachhaltig“ zum Lieblingsvokabular der Beschäftigten gehören.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Trotz dieser offensichtlichen Ferne Bad Bolls zu Amerikas glitzernder Filmmetropole haben vor allem Hollywoodstars zur Erfolgsgeschichte von Walas Naturkosmetikmarke „Dr. Hauschka“ beigetragen. Denn spätestens seit bekannt wurde, daß Julia Roberts im Film „Erin Brockovich“ mit Dr.-Hauschka-Produkten gepflegt wurde und sich auch Madonna und Jennifer Aniston öffentlich dazu bekennen, daß sie auf Dr. Hauschkas „Rosencreme“ schwören, wächst das Unternehmen. In den vergangenen fünf Jahren konnte Wala Mitarbeiterzahl und Umsatz auf 75 Millionen Euro im Jahr 2005 verdoppeln.

          Ähnlich wachstumsintensiv wie Bio-Lebensmittel

          Damit nimmt Dr. Hauschka den zweiten Platz auf dem Markt für Naturkosmetik ein, dessen Umsätze die Unternehmensberatung BBE auf 770 Millionen Euro schätzt. Verglichen mit dem Gesamtmarkt für Kosmetik, den der Industrieverband mit 11 Milliarden Euro beziffert, wirkt diese Zahl zwar bescheiden. Aber mit 18 Prozent Wachstum im Jahr legt die Naturkosmetik gegenüber der herkömmlichen Kosmetik dynamisch zu.

          Schminke, ganz natürlich

          Und der Markt birgt noch viel mehr Potential, auch wenn er bisher nur 7,5 Prozent des Gesamtmarktes ausmacht. „Der Markt für Naturkosmetik ist ähnlich wachstumsintensiv wie der für Bio-Lebensmittel“, sagt Susanne Eichholz von BBE. „Ich bin mir sicher, daß alle Discounter schon an Konzepten sitzen“, sagt sie. Bisher hat nur Plus, der Billiganbieter der Tengelmann-Gruppe eine eigene Naturkosmetiklinie ständig im Sortiment, die laut Aussage des Unternehmens sehr erfolgreich läuft.

          Nicht nur für wollsockentragende Ökos

          Daß jedoch auch die Fachhandelsmarken boomen, zeigt sich bei Dr. Hauschka: Ständig wird irgendwo angebaut, um die Kapazitäten noch mehr ausweiten zu können. „In den achtziger Jahren waren wir eine Marke für wollsockentragende Ökos und standen im Naturkostladen direkt neben den Kartoffeln“, sagt Unternehmenssprecher Antal Adam. Um dann stolz zu erzählen, wie Opernsängerin Cecilia Bartoli bei der Verleihung des Klassik Echo „I love Dr. Hauschka“ hauchte und dann gleich zwei Tüten mit Hauschka-Naturkosmetik einpackte.

          Bei Wala ist man vor allem stolz darauf, scheinbare Gegensätze miteinander vereinbart zu haben. Einerseits ist Dr. Hauschka zu einem Produkt geworden, das den Wunsch trendorientierter Konsumenten nach biologischen und nachhaltigen Produkten bedient und sich auch nicht davor scheut, die Nähe zu dieser kaufkräftigen Gruppe bewußt zu suchen. Trotzdem ist man bemüht, den eigenen Wurzeln treu zu bleiben. Denn Wala ist ein anthroposophisches Unternehmen. In jeder Tube und jedem Tiegel steckt auch etwas von der Weltanschauung, der Dr. Rudolf Hauschka, der Gründer des Unternehmens und Namensgeber der Kosmetikmarke, anhing. So steht der Name Wala für die Wortkombination „Wärme-Asche-Licht-Asche“, die die anthroposophische Methode umschreibt, die Hauschka für die Herstellung seiner sogenannten „Urtinktur“ entwickelt hat.

          Der Geist Rudolf Steiners

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