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Kosmetik : Procter & Gamble greift nach Nivea

  • Aktualisiert am

Umworbener Klassiker Bild: nivea

Bewegung in den Spekulationen um Beiersdorf: Angeblich will Procter & Gamble ein Angebot für den Nivea-Hersteller machen.

          2 Min.

          Nivea-Hersteller Beiersdorf bleibt heftig umworben. Zeitungsberichten zufolge greift nun auch der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P & G) nach seinem deutschen Konkurrenten.

          Bereits in den kommenden Tagen wolle der amerikanische Konzern dem Münchener Versicherungsriesen Allianz ein Angebot zur Übernahme von dessen Beiersdorf-Anteil in Höhe von 43,6 Prozent unterbreiten, berichtet die „Financial Times Deutschland“ (FTD) unter Berufung auf Branchenkreise. Ein Allianzsprecher wollte dies nicht kommentieren, auch bei P & G war eine Stellungnahme nicht erhältlich.

          Bewerber stehen Schlange

          Das Aktienpaket der Allianz an der Hamburger Beiersdorf AG dürfte an der Börse derzeit knapp vier Milliarden Euro wert sein. Der Versicherungskonzern hat grundsätzlich seine Bereitschaft erklärt, sich von diesem Anteil am Hersteller der Marken wie Nivea, Tesa oder Labello zu trennen. Beiersdorf-Vorstandschef Rolf Kunisch hat zuletzt wiederholt deutlich gemacht, dass er für jeden Großaktionär offen sei, wenn dieser dem Unternehmen eine Fortsetzung des Erfolgskurses ermögliche.

          Procter & Gamble gehört seit dem vergangenen Jahr zu dem Kreis von Unternehmen, die immer wieder mit dem Beiersdorf-Paket der Allianz in Verbindung gebracht werden. Andere mögliche Interessenten sind L'Oréal, die zuletzt im Mai als neuer Beiersdorf-Aktionär gehandelt wurde, sowie Unilever und Johnson&Johnson. Offiziell abgewunken hat bereits der Düsseldorfer Henkel-Konzern, dem Beiersdorf schlicht zu teuer ist. Erster Anwärter ist aber die Tchibo-Holding der zerstrittenen Hamburger Unternehmerfamilie Herz, die schon jetzt 30 Prozent der Anteile an Beiersdorf hält.

          Tchibo versperrt den Weg

          „Procter & Gamble steckt im gleichen Dilemma wie jeder andere Bewerber auch“, sagte Michael Winkler von WestLB Panmure. „Sie müssen an Tchibo vorbeikommen.“ Gegen den Großaktionär Tchibo ließe sich Beiersdorf kaum sinnvoll führen. Der Interims-Chef des Kaffee-Konzerns, der Münchner Wirtschaftsanwalt Reinhard Pöllath, hatte zuletzt vor einem Monat klar gemacht, dass Tchibo mit voller Kraft seinen Beiersdorf-Anteil aufstocken will. „Wir nehmen auch weniger als die Mehrheit.“ Tchibo sitzt nach dem Verkauf des Zigarettenkonzerns Reemtsma auf einem Geldberg von sechs Milliarden Euro, der nur unter Mühen sinnvoll investiert werden kann.

          Die Tchibo-Holding strebt bis Jahresende eine Einigung mit der Allianz-Führung über deren Paket an, hatte Tchibo-Chef Reinhard Pöllath jüngst gesagt. Knackpunkt bei den laufenden Gesprächen dürfte möglicherweise vor allem die Preisvorstellungen der Münchener gewesen sein. Weil die
          Beiersdorf-Aktie zuletzt im Kurs nachgegeben hat, ist das Allianz-Paket an der Börse nur noch rund
          vier Milliarden Euro wert; zwei Milliarden Euro weniger als zum Höchststand. Internationale Kosmetik-Konzerne könnten allerdings für die Weltmarke Nivea mehr bezahlen.

          Gegengebot denkbar

          Tchibo bastele auch schon an einem Gegenangebot zur bevorstehenden Offerte von P & G, schrieb die FTD weiter. Noch in dieser Woche wolle sich Pöllath deshalb mit Michael Herz, dem mächtigsten Vertreter der Tchibo-Eigentümerfamilie, treffen. Auch aus dem Hause Tchibo war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

          An der Börse kletterte die Beiersdorf-Aktie um bis zu 20 Prozent auf Kurse um 100 Euro.

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