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Korea : Eine Wiedervereinigung wäre ein Schock

In der VIP Lounge Nr. 6 im Flughafen von Pjöngjang Bilderstrecke

Kurzfristig sind all diese Berechnungen rein hypothetisch. Das nordkoreanische Regime wird seine Machtstellung zäh verteidigen. Es wird weiter von China unterstützt, das einen Puffer gegen die amerikanische Militärpräsenz im Süden will. Realistischer ist daher, dass Pjöngjang zur Belebung seiner maroden Wirtschaft dosierte Reformen unternimmt und Investoren ins Land locken will. Dazu sucht Pjöngjang auch Expertenrat aus dem Ausland. Wie die F.A.Z. berichtete, lässt es sich von deutschen Wissenschaftlern über ein modernes Investitionsrecht informieren. Vorbild soll dabei Vietnam sein, wo die KP trotz der Öffnung die wirtschaftliche Macht weiterhin noch stärker als in China behalten hat.

Schon Kim Jong-uns Vater hatte in sehr begrenzten Bereichen marktwirtschaftliche Anreize, etwa für die Bauern, zugelassen, die mehr von ihrer Ernte behalten durften. Als es in den neunziger Jahren fürchterliche Hungersnöte gab, bildeten sich rudimentäre landwirtschaftliche Märkte. Eine Währungsreform im Jahr 2009 zerstörte diese zarten Pflänzchen zwar teilweise, doch haben sich die Märkte seitdem weiter ausgebreitet. Nicht nur Gemüse und Obst, auch Elektrogeräte und Kleidung werden dort angeboten.

150.000 bis 200.000 politische Gefangene in Straflagern

Entgegen der Propaganda ist Nordkorea keine klassenlose Gesellschaft. Die Funktionäre der Partei und ihre Familien, knapp ein Prozent der Bevölkerung, genießen Privilegien und bessere Einkaufsmöglichkeiten. Sie fahren japanische Autos, in Pjöngjang sieht man sogar große Mercedes. Besser versorgt als der Rest der Bevölkerung sind auch die Militärangehörigen. Mehr als 1,2 Millionen aktive Soldaten leistet sich Nordkorea, die Arme verschlingt gut ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts. Die Masse der einfachen Bürger, vor allem auf dem Land, lebt kümmerlich. Es gibt zudem 150.000 bis 200.000 politische Gefangene in Straflagern, einige von ihnen arbeiten in Bergwerken. Pjöngjang spricht von „Erziehungsanstalten für Staatsfeinde“.

Bislang existiert eine größere Sonderwirtschaftszone um die Hafenstadt Rason im Nordosten, wo etwa 200000 Menschen leben. Der Hafen wird auch von Russland genutzt, zudem haben sich vor allem chinesische Unternehmen dort angesiedelt. Größter ausländischer Investor ist ein chinesischer Rohstoffkonzern, der eine Mine in Musan betreibt. Über Nordkoreas Rohstoffreichtum wird viel gemutmaßt. Das Land hat große Mengen Kohle und Eisenerz, aber auch Edelmetalle und Seltene Erden. Ein privates Institut in Seoul schätzte 2012, der Wert der nordkoreanischen Rohstoffe betrage fast 10 Billionen Dollar. Unklar ist, wie viele der Vorkommen tatsächlich wirtschaftlich ausgebeutet werden könnten. Einige Bergwerke sind verfallen.

Nichtchinesische Investoren sind bislang an einer Hand abzuzählen: Der ägyptische Konzern Orascom hat für Nordkorea ein Mobilfunknetz eingerichtet. Zudem hat er das 105 Stockwerke hohe Ryugyong Hotel in Pjöngjang, das lange Bauruine war, verglast. Die deutsche Hotelkette Kempinski will das pyramidenförmigen „Monsterhotel“, wie Kempinski-Chef Reto Wittwer selbst sagte, in einem Gemeinschaftsunternehmen betreiben und Gebühren einnehmen. Im Sommer 2013 soll es für internationale Gäste öffnen.

Andere Investoren haben sich entnervt zurückgezogen, etwa der deutsche Betreiber der nordkoreanischen Internet-Domain vor zwei Jahren. „Das war ein typischer Fall“, sagt der Vertreter einer deutschen Stiftung in Seoul, „erst haben sie den Investor angelockt und dann rausgeekelt.“ Allgemein wird die fehlende Rechtssicherung als Haupthindernis für Investitionen beschrieben.

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