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Konzernumbau : Lufthansa verschärft den Sparkurs

Seit einigen Wochen laufen die Vorbereitungen für das Sparprogramm auf Hochtouren. Bild: The Boeing Co 2011 All Rights Reserved

Konzernchef Christoph Franz will mit Hilfe von McKinsey oder Boston Consulting bis 2013 rund 1,5 Milliarden Euro sparen. Ein neuer Werbeauftritt soll zudem mehr Privatkunden locken.

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          Der Deutschen Lufthansa stehen gravierende Veränderungen bevor. Vorstandschef Christoph Franz, der seit Jahresbeginn Europas größte Fluggesellschaft führt, arbeitet mit Hochdruck an einem neuen Sparprogramm, das die Fixkosten im Konzern abermals um 1,5 Milliarden Euro senken soll. Gleichzeitig will er in Kürze externe Berater verpflichten, um interne Verlustquellen aufzuspüren, Arbeitsabläufe zu straffen und die aktuelle Organisation zu überprüfen. Die Details des neuen Konzepts, das auch einen neuen internationalen Werbeauftritt der deutschen Traditionsmarke einschließt, sollen bis Ende Februar vorliegen.

          Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ein verschärfter Sparkurs und neue Konzepte haben für den 51Jahre alten Lufthansa-Chef höchste Priorität, weil der für das Jahr 2011 erwartete Gewinn „bei weitem nicht die Größenordnung erreicht, die erforderlich ist, um unser Unternehmen und unsere Arbeitsplätze auch in Zukunft zu sichern“, kündigte Franz kürzlich den 120.000 Beschäftigten über die Mitarbeiterzeitung „Lufthanseat“ an (F.A.Z. vom 17. Dezember). Seit einigen Wochen laufen die Vorbereitungen für das Sparprogramm auf Hochtouren. Unter Führung von Jörg Beißel aus dem Finanzressort und dem ehemaligen deutschen Vertriebschef Josef Bogdanski feilt eine zwölfköpfige Projektgruppe an den Details. Sie identifiziert Verlustquellen im Konzern und listet unnötige Doppelarbeiten in diversen Ressorts auf.

          Kontrolle und Umsetzung des Katalogs sollen dann externe Dienstleister „als neutrale Instanz“ übernehmen. Eine Ausschreibung für das lukrative Projekt, bei dem wohl bis zu 20 Experten zum Einsatz kommen, läuft gegenwärtig mit den Beratergesellschaften McKinsey und Boston Consulting, berichten Kenner des Unternehmens. Roland Berger blieb außen vor, unter anderem weil die Luftfahrtexperten in München vollauf mit der Nachbesserung ihres Sparprogramms „Shape & Size“ für den Lufthansa-Rivalen Air Berlin ausgelastet sind.

          Härtere Gangart

          Das neue Konzept von Franz fällt härter aus als das bis Jahresende terminierte „Climb 2011“-Programm, das sein Amtsvorgänger Wolfgang Mayrhuber angeschoben hatte. Das gewünschte Sparvolumen von 1,5 Milliarden Euro muss spätestens bis Ende 2013 realisiert sein, lautet die interne Vorgabe. Ziel von „Climb“ war es, die Fixkosten binnen zwei Jahren um eine Milliarde Euro zu drücken, wobei sich die Vorstandsriege fast vollständig auf die „freiwilligen Vorgaben“ und Vorschläge der Belegschaft stützte.

          Mit dem Streben nach Konsens und Harmonie ist es jedoch bald vorbei. „Bogdanskis Truppe geht ausschließlich in Eigenregie vor und soll Kostgänger im Konzern ausschalten, indem beispielsweise zentrale Aufgaben wie IT, Personal oder Controlling für mehrere Ressorts und Abteilungen zusammengelegt werden“, beschreibt ein Manager das neue Vorgehen. Dass solche Schnitte Personalabbau nach sich ziehen werden, liegt für viele auf der Hand. Teile der Belegschaft und die organisierten Arbeitnehmervertreter sind alarmiert. Um ihre Kräfte für mögliche Arbeitskämpfe zu bündeln, teilten die bislang konkurrierenden Gewerkschaften Verdi und Ufo schon vorsorglich mit, dass sie in den Tarifverhandlungen im kommenden Jahr an einem Strang ziehen wollen.

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