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Klimagipfel in Paris : Bis zu 100 Dollar für eine Tonne CO2

Promis unter sich: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, UN-Generalsekretär Antonio Guterres, Weltbank-Präsident Jim Yong Kim und Brigitte Macron Bild: AFP

Die großen europäischen Länder haben sich in Paris für einen Preis für Kohlendioxidemissionen ausgesprochen. Den wahren Mittelpunkt des Klimagipfels bildeten aber Versprechen der Privatwirtschaft.

          3 Min.

          Die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat sich beim Klimagipfel in Paris für einen „wirksamen“ Preis für Kohlendioxidemissionen ausgesprochen. Sie unterzeichnete mit ihren Amtskollegen aus Frankreich, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden eine Erklärung, welche die „Einführung“ eines solchen Preises „in relevanten Sektoren“ befürwortet. Die Minister sind der Ansicht, dass „ein Preis für Kohlendioxid ein wirksames Instrument ist, um den Kohleeinsatz in der Weltwirtschaft zurückzudrängen, sofern dieser Weg von kohärenten Strategien und Maßnahmenpaketen flankiert wird“. Dabei begrüßen die Minister die vor einigen Monaten vorgelegten Empfehlungen eines Expertengremiums um die Ökonomen Joseph Stiglitz und Nicholas Stern. Demnach soll eine Tonne CO2 im Jahr 2020 zwischen 40 bis 80 Dollar und 2030 zwischen 50 bis 100 Dollar kosten. Zum Vergleich: Heute liegt der Preis im Rahmen des als unwirksam kritisierten CO2-Handelssystems in Europa bei rund 7 Euro je Tonne.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Die SPD-Umweltministerin ging nicht so weit, dass sie die vor einigen Wochen gegründete internationale Allianz zum Kohleausstieg befürwortete. Dennoch dürfte ihre Position in der Bundesregierung umstritten sein, weil die wirtschaftsnahen Kreise der großen Koalition Wettbewerbsnachteile für die deutsche Industrie infolge hoher CO2-Preise befürchten. Zudem herrschen Bedenken, dass ein rascher Kohleausstieg zu sozialen Belastungen führe. Hendricks macht sich daher auch dafür stark, dass die soziale Abfederung für betroffene Regionen bei den Klimaschützern stärker berücksichtigt werde. Im Rahmen des Petersberger Klimadialogs will die Bundesregierung das Thema im nächsten Jahr in den Mittelpunkt rücken, um auch anderen kohleabhängigen Ländern wie etwa Indien oder Polen zu helfen.

          Zugeständnisse an den Gastgeber Macron

          Höhere CO2-Preise gehörten zu den roten Fäden, die sich durch den Pariser Klimagipfel zogen. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire erwartet nach eigenen Worten im CO2-Handel einen Kompromiss mit der Bundesregierung, die bisher den von Frankreich geforderten Mindestpreis von 30 Euro je Tonne abgelehnt hat. Zudem forderte er, die französische Finanzmarkt-Transaktionssteuer, die jährlich eine Milliarde Euro bringt, auf die Europäische Union auszuweiten. Auf der Ebene der Politiker blieb es indes bei Forderungen ohne Beschlussfindung. Das eintägige Zusammentreffen von Regierungsvertretern aus mehr als hundert Ländern war für die wachsende Gemeinde der Klimaschützer ein willkommener Anlass, ins Licht der Medien zu rücken.

          Gleichzeitig war der Gipfel ein Zugeständnis an den Gastgeber Emmanuel Macron, der eine internationale Führungsrolle anstrebt, seit die Vereinigten Staaten ihren Rückzug vom Pariser Klimaabkommen von 2015 angekündigt haben. Fernsehwirksam tuckerten die Staatschefs und Regierungsvertreter auf einem Touristenschiff von der Pariser Innenstadt zur westlich gelegenen Ile Seguin im Vorort Boulogne-Billancourt, wo früher das Herz der französischen Industrienation schlug. Renault produzierte dort bis in die neunziger Jahre Autos. Am Dienstag stand die Insel mit ihrem modernen Konzerthaus dagegen im Zeichen der erhofften Klimarettung.

          Ausgerechnet der Gastgeber Macron zeigte sich jedoch zunächst pessimistisch. „Wir sind dabei, die Schlacht zu verlieren“, rief er seinen Gästen zu. Bei der aktuellen Erwärmung der Erdatmosphäre von 3 bis 3,5 Prozent im Jahr sei die Welt von den Klimazielen des Pariser Vertrages weit entfernt. „Wir bewegen uns nicht schnell genug, das ist das Drama“, klagte Macron. Dennoch will er den Kampf natürlich nicht aufgeben – und dabei sieht er die Privatwirtschaft als unerlässlichen Partner. Ihre Versprechen bildeten den wahren Mittelpunkt dieses Klimagipfels.

          So kündigte beispielsweise der französische Versicherungskonzern Axa an, dass er seine Investitionen im Umwelt- und Klimaschutz bis 2020 auf 12 Milliarden Euro vervierfachen wolle. 2015 hatte das Unternehmen versprochen, 3 Milliarden Euro in Verwendungen wie grüne Infrastrukturprojekte, Anleihen und Immobilien zu stecken. Dieses Ziel sei heute schon erreicht, berichtete der deutsche Vorstandsvorsitzende Thomas Buberl. Zudem will Axa sich stärker aus Kohleprojekten zurückziehen. Künftig sollen keine Unternehmen mehr finanziert werden, die mehr als 30 Prozent ihrer Umsätze aus Kohle beziehen oder deren Energiemix diese Schwelle übersteigt. Der Rückzug aus solchen Finanzierungen solle auf das Volumen von 2,4 Milliarden Euro steigen – das Fünffache des bisherigen Versprechens. Axa „versichert künftig keinen Bau eines Kohlekraftwerks mehr sowie kein Projekt der Extraktion aus Ölsanden und der damit verbundenen Pipelines“.

          Bloomberg und Carney vermelden Fortschritte

          Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg und der Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, meldeten zudem Fortschritte bei der Festlegung gemeinsamer Standards für Finanzveröffentlichungen im Zeichen des Klimaschutzes. Ohne einheitliche Definitionen und kohärente Daten haben die Wirtschaftsakteure keine Verlässlichkeit für Investitionsentscheidungen. So schlossen sich bis heute 237 Konzerne mit einer Börsenkapitalisierung von mehr als 6300 Milliarden Dollar der internationalen Arbeitsgruppe TCFD an. Alle der als systemrelevant geltenden zwanzig führenden Banken seien darunter.

          Unternehmen, die weiter auf Kohle setzen, müssen künftig damit rechnen, „ein schweres Leben zu haben“, warnte Axa-Chef Buberl. Und der Ex-Unternehmer Bloomberg fügte hinzu: „Kein Vorstandsvorsitzender, der heute sagt: ‚Wir kennen die Klimarisiken nicht genau, also machen wir erstmal nichts’ – der überlebt heute eine Sitzung seines Aufsichtsrates.“

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