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Konzern beugt sich Moskau : Bei Apple ist die Krim nun russisch

Russische Flagge in Simferopol Bild: AP

Wer in Russland in der Wetter-App des iPhone die Hauptstadt der Autonomen Republik Krim eingibt, bekommt seit dieser Woche ein anderes Ergebnis angezeigt. In Moskau registriert man das mit Freude.

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          Simferopol ist die Hauptstadt der ukrainischen Halbinsel Krim, die Russland 2014 völkerrechtswidrig annektierte. Wegen der Annexion verhängten mehrere Länder Sanktionen gegen Russland, darunter die EU und die Vereinigten Staaten. Dennoch übernimmt der amerikanische Apple-Konzern nun zumindest für Nutzer in Russland die Sichtweise des Kremls.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Wer in Russland in der Wetter-App des iPhone die Stadt Simferopol eingibt, bekommt als Ergebnis angezeigt: „Simferopol, Autonome Republik Krim, Russland“. Auch der Apple-Kartendienst, aufgerufen in Russland, bezeichnet Orte auf der Krim nun explizit als Teil des russischen Staatsgebiets und zeigt zwischen Krim und der Ukraine eine durchgezogene Landesgrenze. Aus Deutschland aufgerufen wird an der Stelle eine gestrichelte Linie gezeigt.

          Der Außenminister der Ukraine, Wadim Pristaiko, schrieb dazu diese Woche auf Twitter: „Lass es mich in Deinen Worten erklären, Apple. Stell Dir vor, du schreist heraus, dass dein Design, deine Ideen, die Arbeit von Jahren und ein Stück deines Herzen von deinem schlimmsten Feind gestohlen wurden, aber dann schert sich ein Ignorant kein bisschen um Deinen Schmerz. So fühlt es sich an, wenn man die Krim als russisch bezeichnet.“

          Unter stärkerer Kontrolle

          Apple beugt sich damit dem Druck russischer Behörden: Diese hatten seit dem Frühjahr auf die russische Vertretung des Konzerns eingewirkt, die Angaben zu ändern; Apple hatte mehrfach um eine Fristverlängerung gebeten. Zwischenzeitlich hatten die Apple-Dienste in Russland die Krim gar keinem Land zugeordnet. Doch das reichte dem Kreml offensichtlich nicht. Diese Woche legten Konzernvertreter einem Komitee der Duma, des Unterhauses des russischen Parlaments, die Änderungen vor.

          Abgeordnete erklärten daraufhin zufrieden, Apple habe die „Korrekturen“ bei der geografischen Zuordnung umgesetzt. Man werde aber „weiterhin kontrollieren, dass dies nicht wieder rückgängig gemacht“ werde. Die Entscheidung Apples zeige „den Wunsch des Unternehmens, ihre Position auf dem russischen Markt zu behalten und auszubauen“. Die russische Regierung versucht seit langem, die gesamte Internetbranche, darunter auch ausländische Unternehmen, stärker unter Kontrolle zu bringen.

          Eine durchgezogene Linie

          So wurde erst vergangene Woche das sogenannte „Gesetz gegen Apple“ verabschiedet, das alle Hersteller von Smartphones und Laptops in Russland zwingen soll, russische Software vorzuinstallieren. Im Apple-Betriebssystem ist das nicht vorgesehen. Auch die meisten anderen internationalen Konzerne halten sich bisher nicht an viele rechtliche Vorgaben, etwa an die Verpflichtung zur Speicherung russischer Nutzerdaten in Russland.

          In der für den Kreml besonders wichtigen Frage der Krim allerdings hat sich neben Apple auch Google schon angepasst. Dessen Kartendienst ordnet, in Russland aufgerufen, Orte auf der ukrainischen Halbinsel zwar keinem Land zu. Aber zwischen der Krim und der Ukraine ist wie bei Apple eine durchgezogene Linie, also Landesgrenze eingezeichnet, während der gleiche Dienst, aus Deutschland aufgerufen, eine gestrichelte Linie zeigt.

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