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Kontrastprogramm zu Griechenland : Der öffentliche Dienst in Deutschland wächst

Interessiertes Publikum: In der Wissenschaft wurden viele Stellen geschaffen – allerdings oft nur befristet. Bild: dpa

Während in Griechenland im öffentlichen Dienst Stellen gekürzt werden, baut Deutschland wieder Personal im Staatsdienst auf. Stellen gibt es vor allem für Wissenschaftler und Erzieher.

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          Griechenland setzt drastische Einschnitte im öffentlichen Sektor durch. Deutschland hingegen baut nach einer längeren Phase der Stellenstreichungen wieder Personal im Staatsdienst auf. Wie die am Donnerstag veröffentlichte Personalstatistik des Statistischen Bundesamts zeigt, standen Mitte 2012 insgesamt 4,617 Millionen Arbeitnehmer und Beamte in den Diensten von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung. Das waren knapp 15000 oder 0,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Seit dem 2008 erreichten Tiefstand von 4,505 Millionen ist der öffentliche Dienst in Deutschland nun sogar um 2,5 Prozent gewachsen. Er ist jedoch noch immer um ein rund Viertel kleiner als nach der Wiedervereinigung und auch im internationalen Vergleich nicht besonders groß.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das griechische Parlament hatte in der Nacht zu Donnerstag unter dem Druck der Schuldenkrise beschlossen, 15.000 von insgesamt 700.000 Staatsbediensteten bis Ende 2014 zu entlassen. Überdies sollen 12.500 Bedienstete - vor allem Lehrer und Polizisten - in eine Transfergesellschaft überführt werden, in der sie nur noch 75 Prozent ihrer Bezüge erhalten und ebenfalls mit einer Entlassung rechnen müssen. Die Beschlüsse waren eine Bedingung dafür, dass die Gläubiger-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Griechenland billigt.

          Neue Hochschulstellen sind großenteils befristet

          Der Personalaufbau in Deutschland erklärt sich vor allem durch neue Stellen für Wissenschaftler und für Erzieher in kommunalen Kindertagesstätten. Im Zuge des Krippenausbaus stieg die Zahl der Kita-Beschäftigten binnen eines Jahres um 9200 oder 5,5 Prozent auf 167.000. Die Zahl der Hochschulbediensteten erhöhte sich um 2,6 Prozent auf 493.000. Bei den neuen Hochschulstellen handelt es sich laut Statistischem Bundesamt großenteils um befristete Stellen.

          Diesem Ausbau in Ländern und Kommunen standen deutliche Einschnitte an anderer Stelle gegenüber. Die Bundesregierung setzte in ihrem direkten Verantwortungsbereich den seit mehr als zehn Jahren andauernden Stellenabbau fort und hat wegen der Bundeswehrreform das Tempo sogar noch beschleunigt. Die Gesamtzahl der Stellen im Bundesbereich sank binnen Jahresfrist um 2,1 Prozent auf 514.000. Überdies weist die neue Statistik einen kräftigten Stellenabbau bei der Bundesagentur für Arbeit aus: Mitte 2012 waren dort insgesamt 109.916 Menschen beschäftigt, 8600 oder 7,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

          Öffentlicher Dienst in Deutschland vergleichsweise schlank

          Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist der öffentliche Dienst in Deutschland, gemessen an der Kopfzahl, vergleichsweise schlank. Nach ihren Daten arbeiteten 2008 insgesamt 13,6 Prozent aller Erwerbstätigen beim Staat oder in öffentlichen Unternehmen. In den Vereinigten Staaten waren es 14,6 Prozent, in Großbritannien 18,6 Prozent und in Frankreich 24,3 Prozent. Dort war der öffentliche Dienst laut Statistik sogar größer als in Griechenland mit 20,7 Prozent. Doch fiel Griechenland bereits 2008 dadurch auf, dass fast zwei Drittel seiner Bediensteten in öffentlichen Unternehmen angestellt waren.

          Obwohl Deutschland anders als Griechenland derzeit keine Finanzierungsnöte hat, fügt sich die neue Personalpolitik auch hierzulande alles andere als nahtlos in die öffentlichen Haushalte ein. Nachdem die Länder ihren Tarifbeschäftigten im Frühjahr auf Druck der Gewerkschaften Gehaltserhöhungen von 5,6 Prozent für zwei Jahre genehmigt haben, ist nun das Geld für die Beamten knapp. Allein Bayern und Hamburg sahen sich in der Lage, das Tarifergebnis ohne Abstriche auf die Beamtenbesoldung zu übertragen. Nordrhein-Westfalen sah sich genötigt, höheren Beamten Nullrunden zu verordnen.

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