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Deutsche im Konsumrausch : Warum kaufen wir viel mehr als wir brauchen?

60 neue Kleidungsstücke kaufen wir im Schnitt jedes Jahr, jedes fünfte ziehen wir aber gar nicht an. Bild: Getty

Von morgens bis abends sind Drogerien und Supermärkte in Deutschland voller Menschen. Fast jeder vierte Deutsche steht kurz vor der Kaufsucht. Warum ist das so?

          6 Min.

          April 2020. Restaurantbesuche sind verboten, Einkaufsläden geschlossen, die Straßen ausgestorben, die Menschen verlassen das Haus so selten wie möglich. In der dm-Filiale Frankfurt-Grüneburgweg ist es so voll wie nie: Während die Kassiererinnen Bio-Haarkuren und Vanille-Duftkerzen und Dinkelmehl scannen, flanieren die Kundinnen durch die Gänge, als wäre es das Beste vom Tag. 150 Meter weiter, im Rewe in derselben Straße, sind es andere Produkte, und doch ist es das gleiche Spiel. Der Laden ist zu jeder Tageszeit voll mit Kunden, die sich mehr Zeit für ihren Einkauf nehmen und am Ende auch mehr als früher auf ihrem Nachhauseweg tragen. Zu Hause stapeln sich die leeren Verpackungen zu wankenden Türmen, weil der Amazon-Bote täglich klingelt und die Altpapiertonne ständig bis zum Rand vollgestopft ist, dabei war doch die Müllabfuhr gerade erst wieder da. Überall im Land werden in diesem Frühjahr 2020 Home­offices aufgepeppt, neue Hausschuhe und Pfannen und Vasen gekauft.

          Maja Brankovic
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Ob wir all diese Einkäufe, ­ mit ein wenig Abstand betrachtet, tatsächlich brauchten? Manches bestimmt, anderes aber mit Si­cherheit nicht. 10.000 Dinge besitzt jeder Bundesbürger Statistikern zufolge im Schnitt. Wir kaufen und horten und kaufen immer weiter. Wissen wir denn nicht, dass es dem Klima und dem Wasser und den Tieren schadet und die Ressourcen des Planeten ei­gentlich zu kostbar sind für unser Leben im völligen Überfluss?

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