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Konsum : Unilever schraubt die Gewinnerwartung zurück

  • Aktualisiert am

Als erster der großen Konsumgüterhersteller hat Unilever angesichts der schwachen Konjunktur und des harten Preiswettbewerbs seine Gewinnprognosen für dieses Jahr deutlich zurückgenommen.

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          Die nach unten korrigierten Gewinnaussichten des niederländisch-britischen Konsumgüterkonzerns haben auch andere Branchentitel wie Henkel und Beiersdorf am Montag an der Börse nach unten gezogen. Die im Eurostoxx notierte Unilever-Aktie brach um mehr als 6 Prozent ein. Der Konzern hat angesichts der schwachen Konjunktur und des harten Preiswettbewerbs seine Gewinnprognosen für dieses Jahr deutlich zurückgenommen.

          Unilever erwartet nach eigenen Angaben allenfalls noch einen Gewinnzuwachs im unteren einstelligen Prozentbereich. Anläßlich der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen Ende Juli bestätigte Konzernchef Antony Burgmans noch das Konzernziel, das Ergebnis je Aktie im Geschäftsjahr 2004 um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz steigern zu wollen.

          Grund für die Prognosekorrektur ist die weiter verschlechterte Lage im Nahrungsmittelbereich, die sich schon im ersten Halbjahr gezeigt hatte. So habe sich das Geschäft mit Eiscreme und Tee-Fertigprodukten wegen des schlechten Wetters in Nordeuropa „substantiell schwächer“ entwickelt, teilte Unilever mit.

          Entwicklung schwächt sich ab im Vergleich zum zweiten Quartal

          Das geringe Konsumentenvertrauen würde zusammen mit dem harten Wettbewerb im Einzelhandel zu einem fortgesetzten Rückgang in den westeuropäischen Märkten für Haushalts- und Körperpflegeprodukte führen. Unilever führt als weiteres Argument nun auch die verschlechterte Geschäftslage in Asien an. Dies alles führt nach Angaben von Unilever dazu, daß die Entwicklung der 400 wichtigsten Marken, auf die sich der Konzern konzentriert, noch schwächer ausfalle als im zweiten Quartal dieses Jahres.

          Die Bruttomargen würden gegenüber dem dritten Quartal des Jahres 2003 niedriger ausfallen, ebenso das Ergebnis je Aktie. „In Anbetracht der schwachen Entwicklung und des Drucks auf einige unserer Marktpositionen ist es nicht angebracht, unsere Prognose für 2004 aufrecht zu erhalten“, sagten Burgmans und Co-Chairman Niall FitzGerald, der zum 1. Oktober als Chairman zum britischen Medienkonzern Reuters wechselt. Das Wachstum der Kernprodukte sei wesentlich für die langfristige und nachhaltige Wertsteigerung des Unternehmens. „Daher ist die jüngste Entwicklung unakzeptabel.“

          Unilever will über mehr Werbung Position verteidigen

          Unilever will die Kosten weiter senken und die Werbeausgaben steigern, um so die Marktposition zu verteidigen. Im zweiten Quartal stagnierte bereits der Umsatz mit den Kernprodukten, die bis Jahresende rund 95 Prozent zum Umsatz beisteuern sollen und zu denen Knorr, Lipton, Rama, Slim Fast, Omo und Dove gehören.

          Der Konzernumsatz sank in den ersten sechs Monaten um 3 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis fiel weniger stark um 1 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Daß Unilever dennoch den Reingewinn um 8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro steigerte, war größtenteils auf Unternehmensverkäufe und auf eine gesunkene Steuerquote zurückzuführen.

          Auch Nestle und Danone leiden unter der Konsumflaute

          Unilever ist der erste große Konsumgüterhersteller, der seine Prognosen zurücknehmen muß. Er ist aber nicht der einzige, der unter der Konsumflaute und unter dem harten Preiswettbewerb leidet. Auch der Schweizer Konzern Nestle meldete für das Halbjahr ein abgeschwächtes Umsatzwachstum und verfehlte die Analystenschätzungen, konnte seine Rendite aber noch halten. Ebenso berichtete die französische Danone über eine verschlechterte Geschäftssituation.

          Beim niederländisch-britischen Konzern wäre die Lage noch schlechter, hätten nicht die eingeleiteten Kostensenkungen Schlimmeres verhindert. Das Geschäft mit Eis und Teefertigprodukten hatte sich im zweiten Quartal vor allem in den europäischen Märkten zunehmend verlangsamt. Schon über den gesamten bisherigen Jahresverlauf entwickelten sich die Haushaltsreinigungsprodukte schlechter.

          Nach unten zeigte die Tendenz auch bei den Produkten für die Körperpflege. In beiden Segmenten spürt Unilever den Wettbewerbs- und Preisdruck. Bei den Haushaltsartikeln ging das Betriebsergebnis in den ersten sechs Monaten um 8 Prozent auf 426 Millionen Euro zurück, bei den Nahrungsmitteln um 2 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro.

          Bereits Gewinnwarnung im Februar

          Im Februar ist Unilever mit Blick auf die schon im vergangenen Jahr verfehlten Ziele von der bisherigen Strategie mit einem ehrgeizigen Wachstumsprogramm abgerückt und hat die Rendite für die Aktionäre in den Mittelpunkt gerückt. Im Jahr 2003 belief sich das Umsatzwachstum der 400 Kernmarken lediglich auf 2,5 Prozent statt der eigentlich im Rahmen des Wachstumsprogramm „Path to Growth“ geplanten 5 bis 6 Prozent. Dieses Ziel wurde für die Jahre 2005 bis 2010 bereits auf 3 bis 5 Prozent zurückgenommen, wobei aber das Ergebnis nach dem Willen des Managements jährlich um 8 bis 12 Prozent zulegen soll.

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