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Konsolidierung : Immer mehr Bankenfusionen in Spanien

Der grüne Bär: Das Wahrzeichen prangt auf der Zentrale der Großsparkasse Caja Madrid Bild: REUTERS

Die spanische Regierung drängt wegen der Immobilienkrise vor allem Sparkassen zu Zusammenschlüssen. Einige haben bereits zugestimmt. Zudem strebt die galicische Privatkundenbank Sabadell die Übernahme des baskischen Konkurrenten Guipuzcoana an.

          Ein Kernprojekt der spanischen Regierung zur Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise macht Fortschritte: Die Konsolidierung auf dem Bankenmarkt geht voran. So hat die zweitgrößte Sparkasse des Landes, Caja Madrid, den Zusammenschluss mit der ebenfalls zu den großen Sparkassen zählenden Bancaja sowie mit fünf kleineren Sparkassen beschlossen. Damit wird Caja Madrid zur größten Sparkasse vor dem Konkurrenten La Caixa aus Barcelona aufsteigen. Immerhin 34 der 45 spanischen Sparkassen haben einem Zusammenschluss in den vergangenen Tagen und Wochen bereits zugestimmt. Zudem strebt die galicische Privatkundenbank Sabadell die Übernahme des baskischen Konkurrenten Guipuzcoana an.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Dass sich der Aktienmarkt am Freitag in Spanien deutlich besser entwickelte als im übrigen Europa, wurde an den Märkten aber weniger auf die Fusionen als auf die Ankündigung der führenden Großbank Santander zurückgeführt, dass sie 2010 einen Gewinn in ähnlicher Größenordnung erwarte wie 2009. Damit bestärkte sie die Einschätzung, dass die führenden spanischen Privatbanken bisher gut durch die Wirtschaftskrise gekommen sind. Das lässt sich vom Sparkassensektor, der sich den spanischen Bankenmarkt mit den Privatbanken etwa zur Hälfte teilt, nicht sagen.

          Die Regierung drängt zu Zusammenschlüssen

          Die bisher 45 Sparkassen des Landes sind von der heimischen Immobilienkrise so stark getroffen, dass vor allem den kleineren unter ihnen nicht mehr zugetraut wird, diese Lasten allein zu tragen. Die amerikanische Citigroup etwa schätzt den Sanierungsbedarf der spanischen Sparkassen auf 24 bis 34 Milliarden Euro. An den Märkten schwindet das Vertrauen. So wurde jüngst berichtet, dass spanische Sparkassen vorübergehend vom Interbankenmarkt abgeschnitten waren, von Konkurrenten also keine Kredite mehr erhielten. Nach einer Aufstellung der Landesbank Baden-Württemberg befinden sich unter den 16 Banken des Euro-Raums mit den höchsten Risikoaufschlägen allein acht spanische.

          Zwei kleinere Sparkassen mussten schon aufgefangen werden. Um weitere Zusammenbrüche zu verhindern, drängen die spanische Regierung und die Bankenaufsicht die Sparkassen zu Zusammenschlüssen. Aus Madrider Sicht sollten am Schluss nur etwa zehn bis 15 Sparkassen übrig bleiben. Dabei lautet das Kalkül, dass größere Einheiten um die stärksten Institute, voran La Caixa und Caja Madrid, die notwendige Sanierung eher verkraften. Hierfür hat die Bankenaufsicht kürzlich die Anforderungen verschärft: Notleidende Kredite müssen künftig innerhalb eines Jahres statt in einem Zeitraum von zwei bis sechs Jahren abgeschrieben werden. Trotz des zunehmenden Drucks auf die Sparkassen haben Regionalpolitiker bisher Fusionen weitgehend behindert, um ihren Einfluss zu behalten. Um die Zusammenschlüsse zu beschleunigen, hat die Regierung einen Hilfsfonds mit einem Volumen von bis zu 99 Milliarden Euro aufgelegt, aus dem sich allein diejenigen Kassen bedienen dürfen, die einer Fusion zugestimmt haben. Anträge auf diese Subventionen dürfen nur bis zum 15. Juni gestellt werden. Dies erklärt, warum die Sparkassen nach langem Widerstand zuletzt doch noch überwiegend auf Fusionskurs eingeschwenkt sind.

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