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Nach der Bankenschrumpfung : Was ist Zyperns künftiges Geschäftsmodell?

Hauptquartiere der zyprischen Zentralbank und der Bank of Cyprus in Nikosia Bild: dpa

Düstere Aussichten für Zypern: Ökonomen sagen eine tiefe Rezession voraus. Denn die große Finanzbranche macht zwar nur fünf Prozent der Beschäftigten aus, aber es gibt kaum Industrie.

          Viele Ökonomen sagen der zyprischen Wirtschaft eine schwere Rezession voraus. So prognostizieren die Volkswirte der französischen Großbank Société Générale bis Ende 2017 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 20 Prozent. Die jüngste, vor der Verschärfung der zyprischen Bankenkrise erstellte Prognose der Europäischen Kommission sieht für 2013 einen Rückgang des BIP um 3,5 Prozent voraus. Sollte sich die Rezession verschärfen, könnte sich das jetzt ausgehandelte Hilfspaket als unzureichend erweisen.

          Als Belastung gelten nicht nur die nachteiligen kurzfristigen Folgen, die sich aus der vorübergehenden Schließung von Banken und der Erhebung von Kapitalverkehrskontrollen ergeben. Langfristig stellt sich die Frage, wie Zypern wirtschaftliches Wachstum generieren will. Eine Untersuchung der Brüsseler Denkfabrik Bruegel zeigt, dass die Voraussetzungen für eine baldige wirtschaftliche Erholung auf der Insel im östlichen Mittelmeer nicht allzu günstig sind.

          Schwere Krise für Bau- und Immobilienbranche

          Nach einer Erhebung des Bruegel-Instituts hat die Finanzbranche im vergangenen Jahr 9,2 Prozent zum BIP Zyperns und 5,1 Prozent zur Beschäftigung in der Inselrepublik beigetragen. Angesichts des im Vergleich zum BIP sehr großen Geschäftsvolumens der Banken ist die Zahl der Beschäftigten nicht einmal sehr groß. Nahezu zwei Drittel der Beschäftigten Zyperns arbeiten im öffentlichen Dienst sowie für private Dienstleister wie den Einzelhandel, das Transportgewerbe und den Tourismus.

          Eine schwere Krise erlebt die Bau- und Immobilienbranche, die nach einem Boom in einer Rezession steckt. Das verarbeitende Gewerbe erlebt ebenfalls einen Niedergang: Im Jahre 2012 trug es nur 5,9 Prozent zum BIP und 8,2 Prozent zur Beschäftigung bei. Die wenig ausgewogene Wirtschaftsstruktur Zyperns war Fachleuten schon während der Beitrittsverhandlungen zur Währungsunion bekannt. Die Geschichte Zyperns als Zielland für russisches Geld geht bis in die neunziger Jahre und die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zurück.

          Geringer Anteil des verarbeitenden Gewerbes

          Spiegelbild der schwachen Inselwirtschaft ist die unbedeutende Börse in Nikosia, die in der Vergangenheit von Bankwerten dominiert waren. Zu den größten Unternehmen jenseits der Banken zählen der Zementhersteller Vassiliko Cement und der Getränkegroßhandel Andreou & Paraskevaides. Die beiden Unternehmen beschäftigen jeweils weniger als 300 Mitarbeiter und werden an der Börse mit jeweils rund 30 Millionen Euro bewertet. Der Handel in diesen Werten ist sehr illiquide.

          Die Experten von Bruegel haben drei Beispiele für Krisen kleiner Länder - Island, Irland und Lettland - untersucht, um daraus eine Prognose für Zypern ableiten zu können. Demnach steht Zypern vor einer tiefen Rezession, selbst wenn die Beschäftigungsverluste in der Finanzbranche geringer ausfallen sollten als erwartet. Ein besonderes Problem sehen die Brüsseler Ökonomen in dem außerordentlich geringen Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Gesamtwirtschaft. Da die Banken schrumpfen, die Bauwirtschaft am Boden liegt und das Dienstleistungsgewerbe auch keine Wachstumsimpulse sendet, bräuchte die zyprische Wirtschaft eine leistungsfähige Industrie.

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