https://www.faz.net/-gqu-77xjy

Nach Beschluss über Rettungspaket : Zyperns Banken öffnen am Dienstag wieder

  • Aktualisiert am

„Wach auf Zypern“: Demonstration in Nikosia Bild: dpa

Die ersten zyprischen Banken machen nach zehntägiger Schließung am Dienstag wieder auf, berichtet der Staatsrundfunk. Die beiden größten Banken des Landes bleiben noch bis Donnerstag geschlossen. Russlands wird der Insel nun wohl doch helfen.

          Die ersten zyprischen Banken werden an diesem Dienstag wieder öffnen. Nach zehntägiger Schließung würden die Schalter der kleineren Genossenschaftsbanken und des drittgrößten zyprischen Geldinstitutes, der Hellenic Bank, wieder aufgemacht, berichtete der zyprische Staatsrundfunk unter Berufung auf die Zentralbank Zyperns am Montagabend. Die beiden größten Banken des Landes, die Bank of Cyprus und die Laiki Bank, würden dagegen erst am Donnerstag wieder für den Publikumsverkehr geöffnet, berichtet der Sender weiter. Ihre Systeme müssten erst noch angepasst werden.

          Wegen der schweren Finanzkrise können die Menschen auf Zypern seit zehn Tagen Bargeld nur von den Geldautomaten holen, seit Samstag sogar je nach Bank nur noch 100 bis 120 Euro.

          In Zypern hieß es, bis Dienstag sollten in Kooperation mit der Europäischen Zentralbank (EZB) die Einschränkungen definiert werden, die für Kapitaltranfers der Bank of Cyprus und der Laiki Bank gelten sollen. Damit soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen und das System zusammenbricht. Die Laiki Bank soll in eine „gute“ und eine Bad Bank geteilt werden.

          Medwedjew: Diebstahl geht weiter

          Russland will nun wohl doch einen Beitrag zur Rettung des EU-Krisenstaates Zypern leisten. Kremlchef Wladimir Putin habe die Regierung angewiesen, die Bemühungen der Eurogruppe zu unterstützen, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Dabei geht es um die „Umstrukturierung“ des 2011 ausgezahlten Kredits im Volumen von 2,5 Milliarden Euro.

          Zypern hatte beantragt, die Rückzahlung von viereinhalb auf fünf Jahre zu strecken sowie den Zinssatz von 4,5 Prozent zu senken. In der vergangenen Woche hatte Russland eigene Hilfen von einer vorherigen Einigung auf eine Rettung innerhalb der EU abhängig gemacht. „Präsident Putin hält es für möglich, die Anstrengungen des zyprischen Präsidenten und auch der EU-Kommission zu unterstützen“, sagte Peskow. Ziel müsse sein, die Krise in der Wirtschaft und im Bankensystem des Inselstaates zu überwinden.

          Zuvor hatte der russische Ministerpräsident Dimitri Medwedjew sich empört gezeigt über den Rettungsplan, der mit massiven Verlusten für ausländische Anleger verbunden ist. „Meiner Meinung nach geht der Diebstahl von dem, was bereits gestohlen wurde, weiter“, sagte Medwedjew am Montag vor Regierungsvertretern in Moskau. Er warnte vor Nachwirkungen für die globale Finanzwirtschaft und will die Folgen des Beschlusses „untersuchen“.

          Nach zehntägiger Schließung sollen außerdem die Banken in Zypern am Dienstag wieder öffnen, berichtete der zyprische Staatsrundfunk mit Verweis auf Bankenvertreter. Eine Bestätigung der zyprischen Zentralbank lag zunächst allerdings nicht vor.

          Merkel lobt Rettungsplan

          Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte unterdessen die zur Rettung Zyperns beschlossenen Hilfsmaßnahmen. Die Kanzlerin und die Bundesregierung seien sehr froh darüber, dass Troika, Euro-Gruppe und zyprische Regierung sich geeinigt hätten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Die jetzt getroffene Übereinkunft ist im Interesse Zyperns, sie ist im Interesse Europas, der Eurozone.“ Es handele sich um ein tragfähiges und sachgerechtes Programm, das den notwendigen Umbau des zyprischen Bankensektors einleite.

          Vertreter von FDP, SPD und Grünen äußerten ebenfalls, sie stimmten dem Hilfsprogramm so, wie es beschlossen worden ist, zu. „Das Ergebnis trifft zwar bei der FDP-Bundestagsfraktion nicht auf Begeisterung, ist aber leider nötig, um den Euroraum zu stabilisieren“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Partei, Otto Fricke. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt äußerten sich ähnlich. Die Linkspartei lehnt das Rettungspaket weiterhin ab. „Schwarz-Gelb wird als die Bundesregierung in die Geschichte eingehen, die Finanzhaie mit Steuergeldern freigekauft, Europa in die Depression gestürzt und dabei keine Insel ausgespart hat“, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht.

          Deutsche Banken begrüßen Rettungspaket

          Aus Sicht der deutschen Banken wird das Rettungspaket die Eurozone und das Finanzsystem stärken. Die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken finden es richtig, dass sich auch die Gläubiger und Kunden der größten zyprischen Banken an der Rettung des Mittelmeerlandes beteiligen. „Im Fall Zypern wurde klargestellt, dass sich niemand ohne substanzielle Eigenbeteiligung und ohne Änderung des eigenen Verhaltens auf Rettungsmaßnahmen Dritter verlassen kann“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon am Montag. „Diese Erfahrung wird der Eurozone und damit den Finanzmärkten gut tun.“

          Fahrenschon und Uwe Fröhlich vom Genossenschaftsbanken-Verband BVR finden es wichtig, dass auf Kleinsparer in Zypern - anders als ursprünglich geplant - keine Einschnitte zukommen, sondern nur auf Anleger mit Einlagen von über 100.000 Euro. Die Entscheidung, ob der Bundestag in einer Sondersitzung oder nach der Osterpause abstimmen soll, treffen nach Angaben eines Sprechers des Finanzministeriums die Fraktionen. Finanzminister Wolfgang Schäuble sei zuversichtlich, dass das Parlament zustimmen werde.

          Rettungspaket in dramatischer Nachtsitzung

          Das überschuldete Euroland Zypern war in einer dramatischen Nachtsitzung der Euro-Finanzminister vor einer Staatspleite bewahrt worden. Zur Rettung Zyperns werden Gläubiger und Kunden der beiden größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus  und der Laiki Bank, viel Geld verlieren - die genaue Summe ist noch unklar. Sparer mit Einlagen von bis zu 100.000 Euro werden aber nicht zur Sanierung des Landes und seiner Kreditinstitute beitragen. Ein Großteil der betuchten Bankkunden der Insel sind Russen. Verhandlungen mit Russland über eine Rettung Zyperns waren zuvor ohne Ergebnis geblieben. Nach Vermutung des Bundesnachrichtendienstes ist Zypern ein Geldwäscheparadies, das mit hohen Zinsen und niedrigen Steuern Anleger lockt.

          Weitere Themen

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.