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Kommentar : Wie die Zypern-Rettung Europa nützt

In Zypern öffnen die Banken. Das bringt den Zyprern ihr verlorenes Geld nicht zurück. Doch Europa wird durch die Verluste sicherer.

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          War da was los, heute in Zypern, als die Banken wieder aufmachten? Die Schlangen vor den Banken jedenfalls waren kaum länger, als sie auch vor Supermärkten nach zehn Tagen Schließung gewesen wären. Die Zyprer hatten halt inzwischen einiges an Bankgeschäften zu erledigen.

          Geld abzuziehen, hätte sich auch kaum noch gelohnt. Die Einlagen-Beteiligung ist beschlossen, jetzt ist es sowieso zu spät. Dafür sorgen im Zweifel die Kapitalverkehrskontrollen. Ihr Geld haben die Zyprer schon verloren.

          Profitiert Deutschland von Zypern?

          Darüber ist Zyperns Außenminister Ioannis Kasoulidis nicht froh. Was geschehen ist, verstünden die Zyprer nicht als europäische Solidarität, sagte er im F.A.Z.-Interview. Ihm wäre es lieber gewesen, die übrigen Euro-Staaten hätten Zypern noch mehr Geld geliehen. Sie würden davon nur profitieren: Zypern sei ein Absatzmarkt für deutsche Produkte, das geliehene Geld würde verzinst zurückgezahlt.

          Diese Argumente funktioniert aber nur, wenn das Geld tatsächlich zurückgezahlt wird. Deutschland hat nichts von Exporten, die mit geliehenem Geld bezahlt werden, wenn das geliehene Geld dann verloren ist. Doch so wird es am Ende wahrscheinlich kommen. Denn Zyperns Schulden sind nach der Rettung zu hoch. So war es auch in Griechenland, nach und nach geben selbst die Politiker zu, dass dem Land seine Schulden wohl erlassen werden.

          Niedrige Zinsen sind nicht nur gut

          Profitiert Deutschland wenigstens davon, dass in der Finanzkrise die Zinsen sinken? Nicht wirklich. Niedrige Zinsen fördern Blasen und übermäßige Ausgaben: So war es in den vergangenen Jahren in der Peripherie, so ist es heute in Deutschland. Die Menschen leihen sich günstig Geld, um Häuser und Wohnungen zu kaufen, und treiben die Preise in die Höhe.

          Die Bundesregierung muss weniger Zinsen auf die Staatsschulden zahlen, aber anstatt dann keine neuen Schulden mehr zu machen, gibt sie die Zinsersparnis zumindest zum Teil aus. Wenn die Zinsen eines Tages wieder aufs Normalmaß anziehen, wird Deutschland die Rechnung bekommen.

          Reine Solidarität

          Rettet Deutschland wenigstens seine Banken? Nein, dazu waren die Banken in Zypern zu wenig aktiv. Die Hilfe für Zypern ist reine Solidarität.

          Doch in einem nützt die Zypern-Rettung dem Rest Europas. Und das liegt genau daran, dass die großen Bankguthaben mit bezahlen müssen. Egal, ob die EU das jetzt gerne zugibt oder nicht: Zypern macht den Menschen ganz deutlich, dass große Bankguthaben keine sichere Sache sind. Wer viel Geld anlegt, kann nicht einfach gierig nach den höchsten Zinsen und den niedrigsten Steuern suchen. Sondern er muss überlegen, ob die Bank vertrauenswürdig ist.

          Für Bankguthaben über 100.000 Euro gab es in der EU nie einen Vertrauensschutz. Die Einlagensicherung greift nicht mehr - wenn dann die Bank das Geld nicht mehr auszahlen kann, ist das eine Sache zwischen der Bank und ihrem Kunden, es ist keine Sache des Staates.

          Jetzt kann Europa es schaffen, dass die Kunden sich das merken. Dann werden die Banken von ihren Kunden überwacht, weil die ein eigenes Interesse daran haben. Das ist gut. Denn die Kunden, zumal die großen, waren schon immer wirksamer als alle Aufsichtsräte und Aufsichtsbehörden.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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