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Euro-Krise : Was ist, wenn Zypern kentert?

Ließe man Zypern kentern, wären die Banken pleite und der Staat auch Bild: Getty Images

Eine kleine Insel im östlichen Mittelmeer bringt Europa in große Nöte. Ließe Europa sie kentern, wäre das für die Zyprer böse. Würde eine Pleite auch böse Folgen für die Euroländer auslösen?

          5 Min.

          Die Lage auf Zypern ist dramatisch. Nur noch bis zum morgigen Montag will die Europäische Zentralbank (EZB) die Kreditinstitute der Insel mit Überbrückungsgeld am Leben halten. Sollte nach monatelangen Verhandlungen auf den letzten Metern ein „Rettungsprogramm“ nicht gelingen, droht der Zusammenbruch des Bankensystems - und womöglich der Staatsbankrott.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Geldeinlagen aller Menschen wären weg; Tausende Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren“, fürchtet Andreas Artemis, der Chef der größten zyprischen Bank „Bank of Cyprus“. Niemand weiß, ob die Zyprer ihre Banken stürmen, sobald die Schalter wieder geöffnet sind. Um zu verhindern, dass das passiert oder Ersparnisse ins Ausland gebracht werden, soll der Geldverkehr eingeschränkt werden - eine bislang im Euroraum einmalige Zwangsaktion.

          Eine Woche Europa-Chaos vom Feinsten seit dem vergangenen Wochenende hat all jene irritiert, die meinten, die Euro-Krise sei vorbei. Wenn schon ein so winziges Mitglied des Euroraumes solch gefährlichen Wirbel macht, kann das Rettende noch nicht nahe sein. Der Euro sei als Manifestation eines großen politischen Projekts gestartet, spottet der britische „Economist“: „Heute fühlt er sich an wie eine zerrüttete Ehe, wo die Partner nur noch durch die hohen Scheidungskosten zusammengehalten werden.“

          Die Verschuldung Zyperns erlaubt keine größeren Kredite

          Faul auf der Mittelmeerinsel sind vor allem die Banken. Jahrelang wurden sie künstlich aufgebläht, bis das Geldgeschäft zum blühenden, aber nicht ganz koscheren Geschäftsmodell des kleinen Staates wurde; Anleger (mindestens 30 Milliarden Euro sollen von reichen Russen stammen) hat man mit hohen Zinsen in das Steuerparadies gelockt. Am Ende betrugen die Einlagen der Kunden (40 Prozent aus dem hauptsächlich nicht europäischen Ausland) 700 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (in Deutschland sind es gerade 300 Prozent).

          Zyperns Bankensystem Bilderstrecke

          Ins Trudeln kamen die Banken durch den griechischen Schuldenschnitt, bei dem sie vier Milliarden Euro abschreiben mussten. Darin ist die Zypern-Krise mit Irland, Island oder mit Spanien vergleichbar, wo ebenfalls die Banken sich mit Krediten verspekuliert haben. Sobald die Staaten anfingen, ihre Banken zu stützen, wurde aus der Finanzkrise eine Staatsschuldenkrise.

          Zehn Milliarden Euro an Krediten, auszuzahlen über den ESM, hatten die Euroländer (zusammen mit Internationalem Währungsfonds und EZB) in der Nacht zum vergangenen Samstag dem Land in Aussicht gestellt, allerdings nur, wenn Zypern selbst einen Eigenbeitrag von sieben Milliarden Euro aufbringt. 5,8 Milliarden davon sollte sich der zyprische Staat in einer Art Zwangssteuer von den Konten der Bankkunden holen, wobei Sparer bis 100.000 Euro 6,75 Prozent, alle anderen mit 9,9 Prozent belangt werden sollten.

          Dass zu diesem drakonischen und in der bisherigen Rettungspraxis unüblichen Mittel gegriffen wurde, hat nicht nur erzieherische Gründe, sondern ist schlicht dem Umstand geschuldet, dass bei noch größeren Krediten durch den ESM die Verschuldung Zyperns bald auf 200 Prozent des BIP geschossen wäre - eine Last, die das Land nie und nimmer begleichen könnte.

          Die Chaoswoche hat den Skeptikern Munition verschafft

          Die Wut war groß, als plötzlich Kleinsparer entdeckten, dass auch sie kreditgebende Gläubiger ihrer Banken sind, wo sie doch meinten, ihr Geld sei sicher in den Tresoren aufbewahrt und von der Einlagensicherung vor Konfiszierung geschützt. Doch die zyprische Regierung nahm den Rechtsbruch in Kauf, weil sie fürchtete, ihre wohlhabende Kundschaft zu vertreiben, wenn andernfalls nur Großvermögen mit Abschlägen von 15 Prozent oder mehr geschröpft würden.

          Als Mitte der Woche das Chaos perfekt war, haben die Zyprer alle Zusagen kassiert und mutig vor dem alsbaldigen Untergang die Augen verschlossen. Dass ein Plan B, mit heißer Nadel eilig gestrickt, von den Rettungseuropäern sogleich als kuriose Mogelpackung entlarvt wurde, war abzusehen: Denn statt in bar zu bezahlen, wollen sie sich neue Kredite beschaffen, deren Rückzahlung in den Sternen steht. Womöglich - soweit am Samstag zu erkennen - willigt man jetzt doch ein in die Abgabe auf Bankguthaben (dann jedoch bis zu 25 Prozent), um in letzter Sekunde an die rettenden Fleischtöpfe zu kommen.

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