https://www.faz.net/-gqu-7a9j6

Brief : Zypern will mehr Hilfe

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Drei Monate nach dem Hilfspaket für Zypern bittet die Insel wieder um Hilfe. Die größte Bank des Landes sei gefährdet. Doch die Europäer wollen nicht mehr zahlen.

          1 Min.

          Im April erst haben Europas Finanzminister ein Hilfspaket für Zypern geschnürt - doch jetzt bittet die zyprische Regierung offenbar wieder um Finanzhilfe. Präsident Nikos Anastasiadis habe einen Brief an die europäischen Verantwortlichen geschrieben, in dem er um Hilfe für die größte Bank der Insel, die Bank of Cyprus bat, berichtet das „Wall Street Journal“.

          Das im April vereinbarte Rettungspaket umfasst 10 Milliarden Euro. Viele Finanzminister der Eurozone zögerten zunächst, ein Bankensystem zu stützen, dessen Kunden oft aus Russland stammen und dort oft die Steuern umgehen. Am Ende wurde eine Bank geschlossen, auch die Bankkunden mussten auf Geld verzichten - nach Protesten wurden nur die Kunden herangezogen, die mehr als 100.000 Euro auf den Konten hatten.

          Inzwischen hat die Europäische Zentralbank bekannt gegeben, dass Zyperns Bürger mehr Vermögen haben als die vieler anderer Staaten. Außerdem wurde öffentlich deutlich, dass Zyperns Banken auch an gewagten Spekulationen auf griechische Staatsanleihen gescheitert sind: Sie kauften auch dann noch Anleihen, als deren Wertverlust schon absehbar war. Auch Einzelpersonen kamen in den vergangenen Wochen in den Fokus: Anfang Juni hat der Staat vorübergehend milliardenschwere Vermögen von drei Managern der abgewickelten Laiki-Bank eingefroren.

          Rettungsaktion „ohne sorgfältige Vorbereitung“

          Andererseits haben Sparpakete in der Fachdiskussion an Beliebtheit verloren. Eine wichtige Sparstudie kam wegen eines Excel-Fehlers in die Diskussion, auch der Internationale Währungsfonds weicht seine Haltung zum Sparen immer weiter auf.

          Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis bemängelt nun laut „Wall Street Journal“, dass die große Rettungsaktion vom April „ohne sorgfältige Vorbereitung“ erfolgt sei. Darum sei Zyperns Wirtschaft gefährdet. Die bedrohte Bank of Cyprus sei nicht nur für das Bankensystem relevant, sondern für die gesamte Wirtschaft.

          In der Eurozone hatte Politiker wenig Interesse, der Bitte nachzugeben. Der Brief von Anastasiades sei nicht ganz neu, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in Kreisen der Eurozone. Die Eurozone sehe den Brief nicht als Hilfsantrag, sondern als Signal in der Innenpolitik. Die Konditionen des Programms würden wohl nicht geändert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.