https://www.faz.net/-gqu-70x5e

Antrag auf EU-Hilfen : Nicht nur die Banken machen Zypern zu schaffen

Schwergewicht: Die Bank of Cyprus in Nikosia Bild: dpa

Zyperns Hilferuf an die Europäische Union ist nicht nur durch die schwächelnden Banken veranlasst. Die Inselrepublik leidet unter hausgemachten wirtschaftlichen Schwächen, die bisher mit billigem russischen Geld kaschiert wurden.

          2 Min.

          Es sind in erster Linie die Banken, die Zypern zu einem Hilferuf an die Europäische Union (EU) veranlasst haben. Doch neben den Banken leidet die von rund 840.000 Menschen bewohnte Inselrepublik auch unter hausgemachten wirtschaftlichen Schwächen, die bisher mit billigem russischen Geld kaschiert wurden. Weil dies keine Dauerlösung sein kann, hält man es in Brüssel für wahrscheinlich, dass Zypern ein Hilfegesuch nicht nur für die Banken, sondern auch für das gesamte Land stellen wird. Das Volumen wird auf rund 10 Milliarden Euro geschätzt.

          Gerald Braunberger
          (gb.), Herausgeber

          Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Zyperns betrug 2011 knapp 18 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme der zyprischen Banken übertrifft 150 Milliarden Euro. Das ist knapp das Neunfache des BIP. Wie in Island sind die Banken weit über ihre nationale Wirtschaft hinaus gewachsen, und wie in Island ist das Verhängnis im dominierenden Auslandsgeschäft entstanden. Die Bedeutung der Banken belegt auch ihr Anteil von 80 Prozent des Marktwertes aller im zyprischen Aktienindex enthaltenen Unternehmen. Alleine der unangefochtene Marktführer Bank of Cyprus vereint mit 915 Millionen Euro immerhin 55 Prozent des Marktwerts der in Zypern notierten Unternehmen auf sich.

          Gut verdient an Geschäften mit Russen

          Das Wohl der zyprischen Banken im Ausland hieß bisher Russland, das Wehe das nahe und aus historischer Sicht eng verbundene Griechenland. Die Banken in Nikosia sind mit rund 25 Milliarden Euro in Griechenland investiert, überwiegend in Form von Krediten an Unternehmen und private Haushalte und zu einem geringeren Teil in Form von Staatsanleihen.

          Alleine die zweitgrößte Bank des Landes, die Cyprus Popular Bank, bedarf vor allem wegen ihrer griechischen Geschäfte neue Mittel über fast 2 Milliarden Euro, um die von Juli an geltenden Kapitalvorschriften zu erfüllen. Der gesamte Hilfsbedarf für die Banken in Nikosia wird mit 4 bis 5 Milliarden Euro veranschlagt. Zudem stammen rund 30 Prozent ihrer Einlagen von griechischen Kunden, deren dauerhafter Verbleib nicht gesichert erscheint. Gut verdient haben die Banken in den vergangenen Jahren an Geschäften mit Russen, die seit den frühen neunziger Jahren die kleine Inselrepublik als Drehscheibe für Geschäfte mit der westlichen Welt nutzen. Daneben reinvestieren Russen nach Zypern in Offshore-Gesellschaften verlagertes Geld zu einem Teil auch wieder in ihrem Heimatland. Die Zahl der in Zypern lebenden Russen und Zyprer russischer Abstammung ist fünfstellig.

          Besuch in China

          Russland war es auch, das Zypern im vergangenen Jahr mit einem Kredit über 2,5 Milliarden Euro aus der Klemme half, nachdem das Land wegen einer Kombination aus hoher Verschuldung, ineffizienter Staatstätigkeit und schwacher, weil einseitig auf Dienstleistungen ausgerichteter Wirtschaft den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten verloren hatte. Kürzlich hat eine Delegation aus Nikosia zudem China besucht, um dort für Kredite zu werben. Die Regierung hatte gehofft, mit Krediten aus Russland und China die politischen Auflagen zu vermeiden, die ein Hilfskredit der EU und eventuell des IWF mit sich brächten.

          Ausgerechnet in dieser Misere übernimmt Zypern im Juli turnusgemäß die Präsidentschaft der EU. Der Präsident des Wirtschaftsrats der CDU, Kurt Lauk, fordert daher neue Regeln in der EU, die künftig Länder unter Rettungsschirmen von der Präsidentschaft ausschließen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.