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Zweites Rettungspaket : Wie Griechenland abermals gerettet werden soll

Auf wackligen Beinen: Griechenland erhält 109 Milliarden Euro aus dem neuen Paket Bild: REUTERS

Die Regierungschefs der EU-Staaten haben in Brüssel ein zweites Rettungspaket für Griechenland beschlossen: Bis 2020 werden 109 Milliarden Euro bereitgestellt. Zudem erhält der Rettungsfonds EFSF mehr Macht. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Beschlüssen.

          8 Min.

          Wie viel kostet das neue Griechenland-Hilfspaket?

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Das neue Paket umfasst den Zeitraum 2011 bis 2014, in dem Griechenland nicht an die Kapitalmärkte zurückkehren kann. Für diesen Zeitraum sind 109 Milliarden Euro an (zusätzlichen) öffentlichen Mitteln eingeplant. Sie werden aus Krediten des Euro-Krisenfonds EFSF - dieser wird durch Garantien der Euro-Staaten finanziert - und des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestritten. Von den 109 Milliarden Euro sind aber nur 54 Milliarden für den griechischen Staat bestimmt, während 55 Milliarden zur Absicherung der Gläubigerbeteiligung gebraucht werden.

          Das Paket besteht aus vier Teilen. Es enthält erstens direkte öffentliche Kredite zur Refinanzierung des griechischen Staates von 34 Milliarden Euro. Zweitens sind weitere 20 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung griechischer Banken vorgesehen. Drittens sind 35 Milliarden Euro zur Absicherung von Risiken eingeplant, die aus der Beteiligung privater Gläubiger entstehen. Viertens sind 20 Milliarden Euro öffentliches Geld veranschlagt, mit dem den privaten Gläubigern ein freiwilliger Schuldenrückkauf zu schlechteren Konditionen schmackhaft gemacht werden soll.

          Bild: F.A.Z.

          Wie viel öffentliche Mittel sind Athen nun insgesamt zugesagt worden?

          Das erste Programm umfasste 110 Milliarden Euro. Davon sind 45 Milliarden Euro noch nicht ausbezahlt worden. Sie stehen weiterhin zur Verfügung und kommen zu den 109 Milliarden Euro aus dem neuen Paket hinzu. Die bestehende Finanzierungslücke soll außerdem mit den Erlösen aus der griechischen Privatisierung geschlossen werden, die bis 2014 auf 28 Milliarden Euro veranschlagt werden. Hinzu kommt der jetzt beschlossene Nettobeitrag der privaten Gläubiger in Höhe von 37 Milliarden Euro.

          Welche Erleichterungen bekommt Griechenland eingeräumt?

          Die neuen Kredite für Griechenland sollen zu deutlich niedrigeren Zinssätzen als bisher ausgegeben werden. Die Rede ist von rund 3,5 Prozent; bisher waren es 4,5 Prozent. Zudem sollen die Laufzeiten der Kredite von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Zusätzlich soll das Land 10 Jahre lang nichts tilgen müssen. Ob die Konditionen für die bilateralen Kredite aus den Euro-Staaten an Athen an diese weniger strengen Bedingungen angepasst werden, ist noch offen.

          Auf welchem Weg beteiligen sich die privaten Gläubiger?

          Es sind mehrere Instrumente vorgesehen, über die sich private Besitzer griechischer Staatsanleihen - vornehmlich Banken und Versicherungen - „freiwillig“ am neuen Programm beteiligen. Den Kern soll ein Anleihentausch bilden. Der Bestand an griechischen Staatsanleihen in privater Hand, der bis 2020 fällig ist, hat nach Brüsseler Angaben ein Volumen von etwa 150 Milliarden Euro. Jene Privatgläubiger, deren Papiere in den kommenden Jahren fällig werden, sollen diese der Vereinbarung nach gegen neue Schuldverschreibungen mit Laufzeiten von 15 bis 30 Jahren eintauschen. Deren Wert soll durch den Anleihentausch um 21 Prozent gesenkt werden. Um diesen Betrag müssen die Banken Wertberichtigungen vornehmen.

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