https://www.faz.net/-gqe-6on4h

Zwangs-Rekapitalisierung gefährdeter Banken : Die Alternative zum Rettungsschirm

  • -Aktualisiert am

Ein Schuldenschnitt hat zusätzliche indirekte Auswirkungen auf Banken. Sowohl private Haushalte als auch Unternehmen erleiden Verluste, die Rückwirkungen auf die Vermögenswerte der EU-Banken haben. Um diesen indirekten Effekt abzubilden, unterstellen wir nicht die tatsächliche Eigenkapitalausstattung der Banken, sondern einen um 25 Prozent niedrigeren Wert, der auch in den "Stresssituationen" der Stresstests verwendet wurde.

Neben den privaten Gläubigern verbleibt die Europäische Zentralbank, die faule Staatsanleihen im Nominalwert von rund 120 Milliarden Euro hält. Dies sind lediglich 3,6 Prozent der Insolvenzforderungen. Angesichts der Machtposition der EZB nehmen wir an, dass die EZB ihre Ansprüche voll durchsetzen kann.

Aufgrund der Stresstests ist der ungefähre Rekapitalisierungsbedarf der größten EU-Banken bekannt. Ziel der obligatorischen Kapitalerhöhung ist es, ihren Kapitalpuffer den möglichen Verlusten zukünftiger Staatsinsolvenzen anzupassen und damit eine Bankenkrise vorausschauend abzuwenden. Gleichzeitig wird die Erpressbarkeit der Regierungen und der Europäischen Zentralbank wirksam reduziert.

Blicken wir zunächst nach Deutschland: Unter unserem Szenarium hätten deutsche Banken Verluste in Höhe von 20 Milliarden Euro zu verkraften - weniger als 10 Prozent der 253 Milliarden Euro, die der Deutsche Bundestag sich jetzt zu verbürgen anschickt. Nur für die Hypo Real Estate würde das Eigenkapital negativ werden, so dass eine Rekapitalisierung notwendigerweise Verluste für den Steuerzahler bedeutet. Diese Verluste lägen allerdings bei weniger als 1 Milliarde Euro.

Eine Aufrechterhaltung des Eigenkapitals des deutschen Bankensektors verlangt darüber hinaus eine Rekapitalisierung von 19 Milliarden Euro, die als staatliche Investition zu bewerten ist. Es findet lediglich eine Umschichtung von Staatsvermögen statt, da dem Staat im Gegenzug Vermögenswerte zuwachsen. Sinnvoll scheint uns aber eine größere Rekapitalisierung zu sein, um ein Maximum an Stabilität sicherzustellen. Zudem kann sich die Investition schnell rentieren, da die deutschen Kreditinstitute in normalen Zeiten einen Jahresgewinn von rund 30 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Besser noch ist die Situation in den anderen EU-Staaten, denen ebenfalls keine Staatsinsolvenz droht: Im obigen Szenarium hätten die Banken dieser Staaten Ausfälle von 56 Milliarden Euro zu verkraften. Dies sind 9 Prozent des aggregierten Eigenkapitals dieser Kreditinstitute. Die vorhandenen Eigenkapitalpuffer sind damit noch erheblich günstiger als in Deutschland, wo der aggregierte Wert bei 23 Prozent liegt. Lediglich zwei (zyprische) Banken würden mehr als die Hälfte ihres Eigenkapitals verlieren. Eine zufriedenstellende Kapitalausstattung der Banken kann also auch in diesen Ländern mit vergleichsweise geringem Aufwand sichergestellt werden.

Schwieriger ist die Lage der als insolvent angenommenen Länder, denn deren Banken müssen mit Forderungsausfällen von rund 150 Milliarden Euro rechnen. Dem steht ein aggregiertes Eigenkapital der Banken von rund 250 Milliarden Euro gegenüber. Der Eigenkapitalverzehr läge in Spanien und Italien bei 50 Prozent, in Portugal bei 70 Prozent, in Griechenland bei 180 Prozent und in Irland bei 365 Prozent. Verluste der solventen Euro-Staaten bei der Rekapitalisierung beschränken sich auf die Differenz zwischen dem Forderungsausfall und dem vorhandenen Eigenkapital. Solche reinen Rekapitalisierungsverluste liegen bei schätzungsweise weniger als 30 Milliarden Euro. Davon hätte Deutschland 41 Prozent, also rund 12 Milliarden Euro, zu tragen. Der zusätzliche Investitionsbedarf für eine dauerhafte Stabilisierung der Banken in den insolventen Ländern beläuft sich auf mindestens 150 Milliarden Euro, aber diese Summe stellt keine Verluste des Steuerzahlers dar, weil dieser gleichzeitig Anspruch auf die damit verbundenen Vermögenswerte erhält.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ob er gerade spielt? Ramelow im Juli 2020 im Thüringer Landtag

PR-Profis auf Clubhouse : Besser als „Bodo“

Clubhouse gilt als Trend-App und hat in Deutschland nun das erste PR-Desaster verursacht. Wie verhält man sich richtig in den virtuellen Quasselrunden? Wie aktiv sind die PR-Agenturen schon? Und lohnt es sich, dabei zu sein?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.