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IWF gegen BIZ : Der große Zinsstreit

Heute kommt die Spitze der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zusammen. Bild: dpa

Sollen die Zinsen steigen oder nicht? Jetzt entscheidet sich, wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht. Zwei Ansichten stehen unversöhnlich gegeneinander. Eine kommt aus Washington, die andere aus Basel.

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          Chinas Wirtschaft wächst langsamer, die Rohstoffpreise fallen, Schwellenländer stecken in Schwierigkeiten: Droht jetzt die große Krise in der Weltwirtschaft? Der Internationale Währungsfonds IWF hat in der vergangenen Nacht noch mal deutlich gewarnt. Es gebe gleich mehrere Risiken: Wenn auch noch der Dollar an Wert gewinne, zum Beispiel weil die amerikanische Notenbank die Zinsen anhebt, würden die Gefahren noch größer.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Warnung kommt mit einem Hintergedanken: Für die Weltwirtschaft stehen entscheidende Tage bevor. An diesem Donnerstag sagt die Europäische Zentralbank, ob sie ihre Anleihekäufe ausweiten wird, um die Konjunktur anzuschieben und die Inflationsrate zu steigern, die derzeit 0,2 Prozent beträgt in der Währungsunion. (Der IWF rät ihr dazu.) Von Freitag an beraten die Finanzminister der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in Ankara über die Schwierigkeiten in der Weltwirtschaft.

          Und alle warten auf die Sitzung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve in zwei Wochen, auf der sie entscheiden will, ob sie nach Jahren der Niedrigzinsen erstmals den Zins wieder anhebt. (Der IWF rät ihr zur Vorsicht, sie solle „datenabhängig“ beschließen.)

          Gegenargumente aus Basel

          Doch in dem großen Streit um die Weltwirtschaft hat der Internationale Währungsfonds hat einen gewichtigen Gegner: die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, kurz BIZ, so etwas wie die Zentralbank der Zentralbanken. In Basel bietet sie nicht nur ein Forum für die Notenbanker, sondern beherbergt auch den internationalen Finanz-Stabilitätsrat und den Ausschuss, der die internationalen Regeln für die Bankenaufsicht verhandelt. Sie sieht die Situation anders.

          Schon im Juni hat sie ihre Ansicht kund getan, dass niedrige Zinsen der Weltwirtschaft nicht mehr helfen würden. Sie würden nur übermäßig riskante Spekulationen auf den Finanzmärkten befördern und so selbst wieder dem Wachstum schaden. Nachdem unlängst Sorgen um China an den Aktienmärkten weltweit merkliche Kursverluste auslösten, meldete sich ihr einflussreicher Ökonom Claudio Borio zu Wort. „Wenn Zinsen zu spät oder zu langsam angehoben werden, befeuert das womöglich einen finanziellen Aufschwung, und der spätere Abschwung kann große Schäden verursachen“, sagte er der „Börsen-Zeitung“. Es sei ganz wichtig, dass die Notenbanken sich nicht von kurzfristigen Schwankungen an den Finanzmärkten beirren ließen.

          Beide Organisationen lagen schon falsch

          Wer liegt richtig? Das ist die große Frage. In den vergangenen Jahren hatten beide ihre Probleme, wenn es darum ging, die Zukunft der Weltwirtschaft vorherzusagen. Der Internationale Währungsfonds wurde berühmt dafür, dass er die Wachstumsaussichten Griechenlands häufig noch zu optimistisch einschätzte. Die BIZ dagegen warnte 2011 vor den Folgen einer hohen Inflationsrate, doch die Inflationsrate sank bald darauf. Gleichzeitig war es allerdings BIZ-Ökonom Claudio Borio gemeinsam mit seinem damaligen Chef William White, der von anderen Notenbankern für seine Warnung vor der großen Finanzkrise ausgelacht wurde.

          Wichtig zu wissen ist auch: IWF und BIZ kommen häufig zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen schon weil sie verschiedene Aufgaben haben.

          Der Internationale Währungsfonds mit Sitz in den Vereinigten Staaten ist der schnelle Helfer in ausgebrochenen Krisen, Kreditgeber für überschuldete Staaten, in dessen Büros vor ein paar Jahren die Idee entstand, Notenbanken sollten sich höhere Inflationsziele setzen. Außerdem versucht er - zum Beispiel durch regelmäßige Empfehlungen an einzelne Ländern wie auch an alle gemeinsam - eine Art Koordinator der Weltwirtschaft zu sein, der Ungleichgewichte identifiziert und vor daraus resultierenden Problemen warnt.

          Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Sitz in der Schweiz nimmt das Finanzsystem in den Blick. Es soll stabil bleiben. Die Banken (und Notenbanken) sollen wetterfest sein, die Finanzmärkte funktionieren und aus dieser Richtung keine Krisen über die Welt kommen.

          Wessen Ansicht sich durchsetzt, auch davon werden die nächsten Jahre der Weltwirtschaft abhängen.

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