https://www.faz.net/-gqe-103bq

Wirtschaftsschwäche : Braucht Deutschland ein Konjunkturprogramm?

  • -Aktualisiert am

Im Inland schwächelt die Konjunktur, im Ausland erst recht: Schlecht für den deutschen Export Bild: dpa

Trübe Aussichten für die deutsche Wirtschaft: Im zweiten Quartal ist sie wahrscheinlich geschrumpft. Schon gibt es Rufe nach einem Konjunkturprogramm. Ökonomen wie Bert Rürup sind dagegen - eine Rezession sehen sie noch nicht.

          4 Min.

          An diesem Donnerstag ist es so weit. Das Statistische Bundesamt wird veröffentlichen, wie sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland im zweiten Quartal entwickelt hat. Alles deutet darauf hin, dass keine erfreulichen Zahlen aus Wiesbaden zu erwarten sind. Konjunkturbeobachter rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frühjahr gegenüber dem ersten Vierteljahr um bis zu 1 Prozent geschrumpft ist.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Vorsitzende des Rates zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Lage, Bert Rürup, sagte dieser Zeitung, trotz eines deutlichen Rückgangs „von etwa 1 Prozent“ im zweiten Quartal könne das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr „immer noch recht ordentlich“ ausfallen. „Das können noch etwa 2 Prozent werden.“ Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Konjunktur spürbar abschwäche. Für das kommende Jahr rechnet er „in etwa mit einer Halbierung der Zuwachsrate“. Eine Rezession sehe er allerdings „noch nicht, wohl aber eine spürbare Abschwächung“.

          Der Abschwung geht weiter

          Noch im ersten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft mit 1,5 Prozent außerordentlich kräftig. Seither zeichnet sich jedoch eine deutliche Korrektur ab. Die Industrie verbucht schon seit sieben Monaten sinkende Auftragseingänge. Im April, Juni und Juli fiel der Ifo-Geschäftsklimaindex, die ZEW-Konjunkturerwartungen sind seit April ebenfalls kräftig gesunken. Nach dem Einbruch im Mai stieg der Export im Juli zwar wieder. Aber auch bei den ausländischen Handelspartnern der deutschen Exporteure verschlechtert sich die Stimmung, das wird an der Ausfuhr nicht spurlos vorübergehen. Konjunkturfachleute jedenfalls sind zunehmend besorgt.

          So gingen die Volkswirte von Unicredit angesichts des komfortablen Auftragspolsters zunächst davon aus, dass die Industrie in der zweiten Jahreshälfte noch rund laufen würde. Nun aber hätten sich die Bedingungen innerhalb weniger Wochen rapide geändert, von einem „Superman“-Szenario zu einem, das von erhöhten Rezessionsrisiken geprägt ist. Auch die Volkswirte der Commerzbank schreiben, die Rahmenbedingungen seien ungünstig, die Aussichten trübe. Der Abschwung werde sich in den nächsten Quartalen fortsetzen; die deutsche Wirtschaft habe eine längere Phase mit schwachem Wachstum vor sich.

          CSU will Pendlerpauschale wieder einführen

          Angesichts solch düsterer Aussichten sind in der Bundesregierung unterschiedliche Möglichkeiten erörtert worden, die Wirtschaft zu stärken. Das CSU-geführte Wirtschaftsministerium dachte unter anderem laut über die Wiedereinführung der Pendlerpauschale und über eine bessere steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen nach. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) brachte ein Ausgabenprogramm zur Stärkung der Energieeffizienz ins Gespräch. Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies beide Vorstöße aber umgehend zurück. Erst am Dienstag verlangte Handwerkspräsident Otto Kentzler dennoch, die „monetären Anreize für die Energie sparende Sanierung“ müssten „dauerhaft gesteigert werden“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           „Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun“: Michael Kretschmer über die AfD

          Tabubruch in Sachsen : CDU für Koalition mit Grünen und SPD

          Auf einem Sonderparteitag stimmt Sachsens CDU mit großer Mehrheit für ein Regierungsbündnis mit Grünen und SPD. Nicht immer erntet Michael Kretschmer dabei so viel Beifall wie für seine Attacke gegen die AfD.
          Unser Sprinter-Autor: Cai Tore Philippsen

          F.A.Z.-Sprinter : „Lügner“ gegen „Marxist“

          Großbritannien wählt, der Maut-Untersuchungsausschuss nimmt Scheuer in die Zange – und der EU-Gipfel in Brüssel berät über Von der Leyens „Green Deal“. Das Wichtigste des Tages steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.