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Wirtschaftslage im Euro-Raum : IWF sieht Erholung, aber warnt die Schuldenländer

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Christine Lagarde Bild: KYODONEWS/REX/Shutterstock

Der IWF hat vergangene Nacht eine Art Stand-by-Programm für Griechenland angekündigt. Und wie schätzt er die Schuldenländer Europas ganz generell ein?

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          Der Internationale Währungsfonds (IWF) glaubt, dass die wirtschaftliche Erholung des Euro-Raums „an Fahrt gewinnt“ - soweit die gute Nachricht. Der Währungsfonds verbindet sie allerdings mit einer Warnung: Die hochverschuldeten Länder könnten in Schwierigkeiten geraten, wenn die lockere Geldpolitik zurückgefahren wird.

          „Die Erholung im Euro-Raum verstärkt sich und bekommt eine breitere Basis“, hieß es in einem IWF-Statement, das den regelmäßigen Gesprächen des Währungsfonds mit den 19 Euroländern folgte und über das die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. „Wünschenswert wäre ein abermaliges Bekenntnis dazu, die Bankenunion zu vervollständigen, die Kapitalmarktunion voranzutreiben und eine gemeinsame fiskalische Kapazität zu schaffen.“

          Diese generellen Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage im Euro-Raum kommen, nachdem der IWF im Streit mit der Eurogruppe über die Tragfähigkeit der griechischen Staatsschuld in der vergangenen Nacht eine Art Stand-by-Programm angekündigt hatte. Die geschäftsführende Direktorin des IWF, Christine Lagarde, will dem Exekutivdirektiorium des Fonds ein neues „vorsorgliches Beistandsabkommen“ für Griechenland vorschlagen - im Umfang von 2 Milliarden Dollar. Eine Auszahlung von Krediten ist aber erstmal nicht vorgesehen. Dieser Kompromiss soll der Eurogruppe mehr Zeit verschaffen, die Tragfähigkeit der griechischen Staatsschuld wiederherzustellen, an die der IWF offenbar noch immer nicht vollständig glaubt. Die Eurogruppe habe aber in der Behandlung der Schuldenfrage „Fortschritte gemacht“, sagte Lagarde am Donnerstag.

          Inflationserwartungen bleiben gedämpft

          Der IWF mahnte die 19 Euroländer zur Vorsicht, dass „Inflationserwartungen gedämpft bleiben und die Kerninflation auf einem nicht wünschenswerten, niedrigen Niveau.“ Nach Jahren der geldpolitischen Anreize durch quantitative Lockerung und Negativzinsen ist es der Europäischen Zentralbank gelungen, das Wachstum anzukurbeln. Doch bislang führte das nicht zu höherer Inflation; das Ziel von knapp unter zwei Prozent wurde regelmäßig unterschritten.

          Der IWF sagte weiter, „dass die Staatsanleihen einiger hochverschuldeter Länder höhere Spreads aufweisen könnten, wenn die lockere Geldpolitik zurückgefahren wird“. Der Währungsfonds warnte zudem vor Risiken durch „Unsicherheiten rund um den Welthandel, Brexit und geopolitische Fragen“. Der Euro-Raum stehe vor „tiefgreifenden strukturellen Schwächen und Ungleichgewichten.“

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