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Europäische Union : „Ausmaß und Geschwindigkeit der Krise völlig neu“

  • Aktualisiert am

José Manuel Barroso sieht schwarz - für den Arbeitsmarkt Bild: AP

Die derzeitige Krise wird nach mehreren Prognosen enorme Einbrüche in der EU-Wirtschaft zur Folge haben. Der europäische Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts ist auf Rekordtief, Kommissionspräsident Barroso fürchtet verheerende Folgen für den Arbeitsmarkt und eine interne EU-Studie sieht offenbar einen Kollaps der Industrieproduktion vorher.

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          Mehrere Konjunkturindikatoren deuten darauf hin, dass die derzeitige Krise enorme Einbrüche in der europäischen Wirtschaft zur Folge haben wird. Nicht nur ist gestern der Ifo-Index für das Wirtschaftsklima im Euro-Raum auf ein Rekordtief gesunken. Die EU-Kommission ist außerdem der Auffassung, dass die Krise verheerende Folgen für den europäischen Arbeitsmarkt haben wird. Für alle Industriesektoren sagt sie darüber hinaus wegen der Wirtschaftskrise beispiellose Produktionseinbrüche voraus.

          Der „Financial Times Deutschland“ sagte EU-Industriekommissar Verheugen: „Völlig neu sind Ausmaß und Geschwindigkeit der Krise.“ Eine dem Blatt vorliegende interne Analyse beschreibe anhand von Beispielen aus dem verarbeitenden und dem Baugewerbe ungekannte Produktions- und Absatzeinbrüche. Der seit 1985 von der EU-Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen erstellte Geschäftsklimaindex sei auf das niedrigste Niveau seit seiner Einführung gefallen.

          Folgen auch für Lebensmittelherstellung und -sicherheit

          Besonders die Autoindustrie werde von einer anhaltenden Kreditklemme hart getroffen, zitiert die Zeitung weiter aus der Analyse. Grund sei, dass der Großteil der Privatwagen mit Krediten gekauft werde. In der Stahlindustrie sähen die Experten der EU-Kommission Auftragseinbrüche von 43 bis 57 Prozent. Hinzu kämen eine aggressive Verkaufspolitik chinesischer Hersteller und Abschottungstendenzen vieler außereuropäischer Länder.

          Für Lebensmittelherstellung und -sicherheit könne die Wirtschaftskrise verheerende Folgen haben. Die Kombination aus fallenden Preisen für Agrarprodukte und erschwertem Zugang zu Krediten dürfte die Landwirtschaft der ärmsten Staaten beeinträchtigen und Preisschwankungen verschärfen.

          Auch der Ifo-Index für den Euro-Raum ist auf einem Rekordtief

          Schon am Mittwoch hatte das Münchner Ifo-Institut bekannt gegeben, dass laut seinem Index das Wirtschaftsklima im Euro-Raum zu Jahresbeginn einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. Der Geschäftsklimaindex fiel im ersten Quartal auf 45,8 Zähler von 50,8 Punkten am Jahresende 2008. Das war bereits der sechste Rückgang in Folge seit Ende 2007. Die Stimmung habe sich „in allen Ländern des Euroraums verschlechtert und liegt auf einem historischen Tiefpunkt“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

          Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate hellten sich zwar etwas auf, blieben aber weiter „stark unterkühlt“, sagte Sinn. Die Lage wurde von den befragten 268 Experten dagegen abermals deutlich negativer bewertet. Sie verschlechterte sich in Deutschland und den Niederlanden am stärksten. Am ungünstigsten wird die wirtschaftliche Situation jedoch weiter in Frankreich, Irland, Portugal, Spanien sowie Italien beurteilt.

          Entwarnung gaben die Experten für die Preisentwicklung. Die Teuerungsrate werde im Jahresschnitt bei 1,6 Prozent liegen. 2008 hatte es im Sommer eine Rekordinflationsrate von vier Prozent gegeben. Eine deutliche Mehrheit der Experten erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins von derzeit zwei Prozent weiter senken wird.

          Verheerende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt

          EU-Kommissionspräsident Barroso ist ferner überzeugt, dass die Konsequenzen der Krise für den europäischen Arbeitsmarkt verheerend sein werden. Zwar würden diese vollständig erst in einigen Monaten zutage treten, sagte Barroso. Es sei aber schon jetzt abzusehen, dass sie drastisch sein würden. Nach Angaben der EU-Behörde wollen die europäischen Unternehmen momentan rund 158.000 Stellen abbauen. Dem stehen nur knapp 25.000 Arbeitsstellen gegenüber, die sie neu schaffen wollen.

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