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Wachstum durch Migration : Die Feldbetten-Konjunktur

  • -Aktualisiert am

300 Feldbetten und Schlafsäcke machen aus einem ehemaligen Baumarkt nahe Hamburg ein Erstaufnahmelager. Bild: dpa

Deutschland gibt Milliarden für Flüchtlinge aus. Das belebt das Geschäft vieler Firmen und wirkt damit wie ein Konjunkturprogramm. Doch ist das zum jetzigen Zeitpunkt wirklich sinnvoll?

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          Die Betriebsferien rund um Weihnachten fallen bei Algeco Deutschland in diesem Jahr aus. „Wir arbeiten durch“, sagt Stefan Harder, Geschäftsführer der Firma aus Kehl. Er baut Wohncontainer, stellt sie in ganz Deutschland auf und vermietet sie an Kunden. Normalerweise hat Algeco etwa 30000 solcher Container – Stefan Harder nennt sie „Module“ – im Einsatz. Doch die Flüchtlingskrise hat alles verändert. „Flüchtlingsunterkünfte? Wir haben eine Lösung“, so wirbt Algeco auf seiner Website.

          Vor wenigen Wochen hat Harder einen Großauftrag vom Land Schleswig-Holstein an Land gezogen. Jetzt holt er 2500 Container vor allem aus Frankreich nach Deutschland, rüstet sie um und bringt sie in den deutschen Norden. „Das ist ein Durchbruch für uns“, sagt er, denn für seine Firma, die zur amerikanischen Algeco Scotsman Gruppe gehört, ist das schlicht effizient, weil in anderen Ländern der Gruppe Container ungenutzt herumstehen. Insbesondere im Werk in Frankreich sind wegen des neuen Auftrags jetzt Sonderschichten angesagt kurz vor Weihnachten. In Deutschland hat Harder rund 25 neue Mitarbeiter eingestellt. Er rechnet mit einem Umsatzplus durch die Flüchtlinge von 10 bis 20 Prozent.

          Es sind goldene Zeiten für Containerbauer, Zelthersteller, Security-Firmen und Caterer. Die Flüchtlingskrise, die Deutschland beherrscht, sorgt in ihren Branchen für beste Auftragslage. Es sind keine goldenen Zeiten für den Staat. Die Flüchtlingskrise kommt ihn teuer zu stehen. Schließlich zahlt der Staat dafür, dass die überwältigende Zahl von Menschen, die nach Deutschland kommen, untergebracht werden, dass sie eine geheizte Unterkunft haben, ein Bett, etwas zu essen.

          Auf die deutsche Wirtschaft wirken diese Ausgaben wie ein Konjunkturprogramm. Sie treiben das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr. Das sagen derzeit alle Ökonomen in ihren Ausblicken für 2016.

          Sonderkonjunktur durch die Migranten?

          Selbst Bundesbankpräsident Jens Weidmann – von Haus aus ein eher vorsichtiger Prognostiker – glaubt an eine Sonderkonjunktur durch die Migranten. Kürzlich sagte er in einer Rede vor Bankern: „Zwar lässt sich der quantitative Effekt der Migration nur schwer exakt einschätzen, aber es ist davon auszugehen, dass sie über den Projektionszeitraum hinweg eine eher stimulierende Wirkung haben dürfte.“ Man kann ihn so übersetzen: Die Migration treibt das deutsche Wirtschaftswachstum.

          Genaue Zahlen dazu wird die Bundesbank in der kommenden Woche bekanntgeben. Schon im letzten Monatsbericht haben die Forscher ausgerechnet, dass die Ausgaben für Flüchtlinge im kommenden Jahr rund 0,5 Prozent der Wirtschaftskraft betragen. Wenn sich das eins zu eins in mehr Wachstum umsetzt, wären das 0,5 Prozentpunkte mehr Wachstum.

          Andere Ökonomen sehen es ähnlich. Die Deutsche Bank hat ausgerechnet, dass die deutsche Wirtschaft 2016 wegen der Migration um 0,25 Prozentpunkte stärker wächst als bislang angenommen. Das klingt wenig, steigert aber das vorhergesagte Wachstum von 1,65 auf 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist ein Schub von 15 Prozent. Der Sachverständigenrat für Wirtschaft sieht einen ähnlichen Effekt. Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen mit einem Plus von 0,2 Prozentpunkten für 2016, weil die Migranten und der Staat mehr konsumieren. Zudem nehmen sie an, dass mehr gebaut wird, wollen diesen Effekt auf das Wachstum aber nicht genau beziffern.

          Höchstens ein Seiteneffekt

          Genau sind solche Prognosen natürlich nie. Aber dass der Flüchtlingsstrom gen Deutschland in der Wirtschaft Wogen schlägt und auch 2016 schlagen wird, ist klar. Die Milliarden vom Staat machen es möglich.

          Natürlich ist es aber kein echtes Konjunkturpaket, das wir hier sehen. Denn der Staat gibt nicht deshalb mehr aus, weil er die Wirtschaft zum Laufen bringen will, sondern weil die Flüchtlinge da sind und es eine moralische Verpflichtung gibt, sie zu versorgen. Anders als etwa bei der Abwrackprämie ist die Belebung der Wirtschaft hier höchstens ein Seiteneffekt. Einer, der viele Deutsche aber immerhin freuen wird, werden die Milliarden für Flüchtlinge somit nicht nur in den Wind geschossen, sondern schaffen auch ein paar Arbeitsplätze.

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