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Wirtschaftsklima : Die Konjunktur verblüht

Einsame Eiche: Die Konjunktur wird trüber, auch wenn das letzte Blatt noch nicht gefallen ist. Bild: Getty

Von Wachstum kaum noch eine Spur – die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. Das hat viel damit zu tun, dass die Globalisierung in Verruf geraten ist. Aber nicht nur.

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          Es hat seit dem Ende der Euro-Krise Herbstgutachten gegeben, die verstand mancher schon als Wegweiser in den siebten Konjunkturhimmel. Halbjahr für Halbjahr trugen Deutschlands führende Wirtschaftsforscher im Auftrag der Bundesregierung Rekordmeldungen zusammen, vom historischen Tiefstand der Arbeitslosenquote bis hin zum immer weiter wachsenden Außenhandel. Auch vor zwölf Monaten, als das Weltwirtschaftsklima schon spürbar rauher geworden war, diagnostizierten die Ökonomen nur eine leicht geschwächte Konjunktur. Solide 1,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr, lautete ihre Prognose damals. Davon ist nicht mehr viel übrig. Kaum mehr als magere 0,5 Prozent dürften es nun noch werden. Das lässt auch die Anleger nicht kalt. Der Dax rauschte nach der Veröffentlichung des neuen Herbstgutachtens am Mittwoch unter die Marke von 12.000 Punkten. Weite Teile der Industrie stecken in der Rezession; ob sich der Dienstleistungssektor dem Abwärtssog entziehen kann, ist ungewiss.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Klagelied ist mittlerweile Allgemeingut. Die immer neuen Strafzölle, die der amerikanische Präsident gegenüber China verhängt. Der ungelöste Konflikt über die Autozölle, wodurch Standortentscheidungen Monat für Monat aufgeschoben werden. Und schließlich der unendliche Brexit, über dessen Konditionen sich die Europäer nun schon seit mehr als drei Jahren den Kopf zerbrechen, ohne dass die Unternehmen wüssten, was auf sie zukommt. Die deutsche Industrie leidet besonders stark unter diesen Unruheherden. Sie ist exponiert und exportorientiert wie keine andere in Europa. „In diesen Zeiten möchte man kein Land sein, das einen hohen Industrieanteil hat, vom Außenhandel abhängt und viel nach Asien exportiert – und all das kommt in Deutschland zusammen“, fasst Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, die Lage zusammen.

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