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Weltwirtschaftsforum : Wo Angie auf Angelina trifft

  • -Aktualisiert am

Glamour unter den Gipfeln von Davos: Angelina Jolie Bild: AP

Das World Economic Forum will wieder zu den ökonomischen Wurzeln der Frühzeit zurück - weniger Politik. Macht das Bundeskanzlerin Merkel an diesem Mittwoch zu einem Star? Sind musikalische Leute die besseren Führungskräfte, kann Fußball die Welt zum Besseren verändern?

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          Das Motto des diesjährigen Weltwirtschaftsforums, "Die kreative Herausforderung", ist wieder einmal etwas blumig und die Palette der fast 250 Veranstaltungen in Davos überaus bunt gemischt. Doch auf eines ist Forumsgründer Klaus Schwab dieses Mal besonders stolz: Es reisen ungewöhnlich viele Manager in den Schweizer Wintersportort. Fast ein Drittel der 2340 Teilnehmer - insgesamt 735 Personen - sind Konzernchefs oder zumindest Aufsichtsratsvorsitzende von Unternehmen. So hoch war der Anteil der Manager aus den oberen Firmenetagen noch nie seit dem ersten Forum im Jahre 1971, versichert Schwab. Knapp ein Drittel der Besucher kommt aus Europa, der Rest aus Amerika, aus dem Nahen Osten und aus Asien.

          Der große Andrang der Manager kommt dem World Economic Forum (WEF) sehr gelegen, denn man will offenbar wieder zu den ökonomischen Wurzeln der Frühzeit zurück, die politischen Themen in Davos sollen offensichtlich etwas zurückgedrängt werden. Die vielen Schlagzeilen, die man früher mit der politischen Prominenz machen konnte, brachten zwar sehr viel Publizität und einen Großandrang der Medien, doch die Wirtschaftsführer im überfüllten und hermetisch abgeriegelten Davos murrten immer lauter, weil das Forum faktisch zum Anhängsel politischer Gipfeltreffen wurde. Im vergangenen Jahr wollte Schwab, der gerne wie ein Gutmensch auftritt, sich aktiv am Kampf gegen die Armut beteiligen, weil Großbritannien dies zum Thema der Gruppe der G8 erkoren hatte. Er bot daher gleich drei Regierungschefs (Blair, Schröder und Chirac) in Davos eine Bühne, um über Schuldenerlaß und Hilfe für Afrika zu reden. Man lud sogar Show-Stars wie Sharon Stone ein, um dem ernsten Thema etwas Glamour zu verleihen.

          Der Versuchung widerstanden

          In diesem Jahr hätte das Forum vermutlich die Chance gehabt, den Atomkonflikt mit Iran zum großen politischen Thema zu machen, denn es kommen die Außenminister aus Deutschland, Frankreich und England, die als sogenannte EU-Troika seit langem Teheran zur nuklearen Mäßigung bewegen wollen. Doch der Versuchung, sich als Schlichter aufzuführen, hat Schwab offenbar widerstanden. "Das Forum will sich von Themen fernhalten, die zu politisiert sind", sagte er bei der Vorstellung des Programms. Solche Sätze hätte man früher von ihm nicht gehört, zeitweise war er sehr interessiert, im Schweizer Landwassertal eine Plattform zu bauen für Friedensgespräche, etwa im Zypern-Konflikt. Weil die Politik in diesem Jahr etwas weniger dominant und die politische Prominenz nicht so zahlreich ist, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Vorteil: Sie avanciert automatisch zum Star in Davos und kann den großen Auftritt machen vor der internationalen Manager-Elite. Deutschland ist das einzige Land aus dem Kreis der acht großen Industrienationen (G8), das beim fünftägigen Forum durch den Regierungschef vertreten ist.

          Großer Auftritt vor der Manager-Elite: Merkel
          Großer Auftritt vor der Manager-Elite: Merkel : Bild: dpa/dpaweb

          Merkel und die Manager

          Frau Merkel wird kurz nach der Eröffnung durch Schwab und den Schweizer Bundespräsidenten Moritz Leuenberger die erste größere Rede halten. Nachdem sie bereits bei ihren ersten Auslandsreisen eine gute Figur machte, sind die Manager natürlich besonders neugierig, wie sie sich auf ökonomischem Parkett bewegt. Deutsche Politiker sind in den vergangenen Jahren zwar häufig beim Forum aufgetreten, haben aber selten das Bedürfnis verspürt, dort eine prominente Rolle zu spielen. Denn in Davos ist man zwar auf deutschsprachigem Gebiet, für die Debatten braucht es aber gute Englischkenntnisse.

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