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Weltwirtschaft : China rollt den afrikanischen Kontinent auf

  • -Aktualisiert am

Nigerias Ölförderung wird von Chinesen geführt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Fast unbemerkt von der Welt erobern Chinas Unternehmer Afrika. Es geht ihnen nicht nur um die Sicherung von Rohstoffen, sondern auch um neue Absatzmärkte. Afrika begrüßt und fürchtet das Engagement gleichermaßen.

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          Sie sind mittlerweile überall anzutreffen, auf den hitzeflirrenden Ölfeldern in Sudan, beim Straßenbau im staubigen äthiopischen Hochland, selbst auf den Märkten im Stadtzentrum von Johannesburg, wo sie billige Textilien, Heilmittel und Plastikartikel feilbieten: Chinesische Ingenieure, Techniker und Händler sind dabei, den afrikanischen Kontinent zu erobern.

          China hat Afrika entdeckt, und der Rest der Welt merkt es nicht. Denn im Gegensatz zu Europa oder den Vereinigten Staaten sieht China in Afrika nicht zuallererst den Hunger- und Katastrophenkontinent, sondern einen mit allen wichtigen Rohstoffen gesegneten Kontinent, der zudem den letzten konsumtechnisch nicht erschlossenen Flecken Erde darstellt. Wenn man so will, rollt China gerade Afrika auf.

          Natürlich ist das wichtigste Anliegen Chinas die Sicherung von Rohstoffen für seine expandierende Wirtschaft. Die jüngste Afrika-Reise des chinesischen Ministerpräsidenten - die dritte in zwei Jahren - hat dies wieder einmal eindrucksvoll belegt.

          Öl, Kupfer, Kobalt, Platin - China fördert alles

          Der chinesische Erdölkonzern China National Petroleum sicherte sich anläßlich der Reise für mehr als 2 Milliarden Dollar 45 Prozent eines als äußerst ergiebig geltenden nigerianischen Ölfeldes. Zudem wurde chinesischen Firmen die Ausbeutung vier weiterer Ölfelder zugesprochen.

          Im Gegenzug will China 4 Milliarden Dollar in die Reparatur der maroden nigerianischen Infrastruktur investieren, will Straßen, Kraftwerke und ein Eisenbahnnetz bauen. Im Süden des Landes ist eine Freihandelszone geplant, an der chinesische Unternehmen reges Interesse zeigen. Von dort aus ließen sich sowohl West- als auch Zentralafrika leicht beliefern. Das Investitionsvolumen wird auf 7 Milliarden Dollar geschätzt.

          China kleckert nicht in Afrika, China klotzt. In Sudan ist China mittlerweile der größte Erdölförderer. In Angola, dem nach Nigeria zweitgrößten Erdölproduzenten Afrikas, lehren die Chinesen der etablierten Konkurrenz aus Europa und Amerika längst das Fürchten. In Kongo fördern Chinesen unter haarsträubenden Umständen Kupfer und Kobalt in rauhen Mengen, in Zimbabwe Platin, und die südafrikanischen Bergbaukonzerne können gar nicht soviel Steinkohle, Platin und Eisenerz verschiffen, wie die Chinesen ordern.

          Drittgrößter Handelspartner Afrikas

          Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht diese außerhalb Afrikas kaum wahrgenommene Verschiebung der traditionellen Handelswege. Allein in den neunziger Jahren stieg das Handelsvolumen zwischen China und dem afrikanischen Kontinent um 700 Prozent. Von 2002 auf 2003 verdoppelte sich das Volumen von etwa 9 Milliarden Dollar auf 18,5 Milliarden Dollar, um 2004 noch einmal nahezu 100 Prozent zuzulegen. Im vergangenen Jahr betrug das Handelsvolumen knapp 35 Milliarden Dollar.

          Den größten Anteil daran hatten chinesische Erdölimporte aus Sudan und Angola, das mittlerweile 25 Prozent seiner Produktion nach Fernost verkauft. Die chinesischen Direktinvestitionen in Afrika belaufen sich mittlerweile auf 900 Millionen Dollar von insgesamt 15 Milliarden Dollar, die auf dem Kontinent investiert wurden, Tendenz steigend. China ist nach den Vereinigten Staaten und Frankreich zum drittgrößten Handelspartner Afrikas aufgestiegen und hat dabei Großbritannien hinter sich gelassen.

          Dabei bedient sich China zur Sicherung von Marktzugängen Methoden, die von den Europäern in den siebziger Jahren praktiziert worden waren und heute als politisch unkorrekt gelten. China stellt keine Forderungen nach guter Regierungsführung oder Transparenz. Demokratischer Wandel sei eine „interne Angelegenheit“, in die man sich nicht einmische. die chinesischen Verhandlungsführer haben keine Probleme damit, Abschlüssen mit Geldzuwendungen nachzuhelfen: Hauptsache, man bekommt den Fuß in die Tür.

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