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Ostasien-Gipfel : Vor der Währungsunion wird gewarnt

Alle Währungen in einer? Damit hat Europa schlechte Erfahrungen gemacht, finden Asiaten. Und der Franken hat auch Probleme damit bekommen. Bild: Reuters

Auf dem Ostasien-Gipfel ist auch eine Währungsunion im Gespräch, ähnlich dem Euro. Doch die Industrieländer-Organisation OECD ist dagegen.

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          Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung warnt Asien davor, dem „schlechten Weg“ Europas zu folgen und eine gemeinsame Währung einzuführen. „Folgen Sie dem guten Weg Europas, nicht dem schlechten, versuchen Sie sich nicht an der Einführung einer gemeinsamen Währung“, sagte Mari Kiviniemi, die Stellvertretende Generalsekretärin der OECD beim Ostasien-Gipfel des Weltwirtschaftsforums in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Jose Camacho, ehemaliger philippinischer Finanzminister, der heute die Geschäfte der Credit Suisse in Singapur führt, stieß ins selbe Horn: „Wenn man die Erfahrung der Europäer mit dem Euro betrachtet, ist es angemessen, zu sagen, wir sollten uns viel Zeit damit lassen.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Gleichwohl brauche gerade Südostasien eine stärkere Integration, sagte Kiviniemi, die bis Sommer 2011 Ministerpräsidentin des Eurolandes Finnland war. Meilenstein dafür wird die Wirtschaftsgemeinschaft Südostasiens (Asean Economic Cooperation, AEC) Ende dieses Jahres sein. Unter der AEC soll der südostasiatische Wirtschaftsraum mit seinen 2,5 Billionen Dollar jährlicher Leistung – mehr als Indien, Brasilien oder Russland – zusammenwachsen.

          In den vergangenen fünf Jahren wuchs der Asean-Raum um jeweils durchschnittlich 5,6 Prozent. „Asean steht noch vor vielen Hürden. Zwar gibt es große Fortschritte mit Blick auf den Abbau von Zöllen, doch fehlt eine enge Integration in anderen ökonomischen Bereichen. Beispielsweise ist der Austausch von Dienstleistungen viel weniger frei als der Warenverkehr, und die Wettbewerbspolitik oder der Schutz geistigen Eigentums sind in den Ländern sehr unterschiedlich gesichert“, sagte der deutsche Botschafter in Indonesien, Georg Witschel.

          Mehr Investitionen für Asien

          In einer Umfrage der deutschen Handelskammern in Südostasien erklärten 65 Prozent der deutschen Unternehmen, das Schaffen der AEC werde ihre Vorstände dazu verleiten, mehr in den zehn Ländern der Asean-Region zu investieren. Insgesamt planten 75 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, nun stärker in Südostasien zu investieren. Allerdings warnte einer der Vordenker Asiens, der Singapurer Hochschullehrer Kishore Mahbubani, davor, die selbstgesetzten Ziele nicht zu erreichen: „Ende des Jahres werden die Politiker einen Sieg erklären. Wichtig ist aber nicht, was sie sagen, sondern was die Märkte denken. Die ganze Welt schaut zu diesem Datum auf uns.“ Bei allen Hoffnungen auf Südostasien besteht freilich kein Zweifel daran, dass die Region vor allem von China getrieben wird, in das die Asiaten weiterhin enormes Vertrauen haben. „China ist doch längst der wichtigste Handelspartner für Asien. Aber wir nutzen immer noch den amerikanischen Dollar als Handelswährung. Das wird sich ändern“, sagte John Riady, Milliardärserbe und einer der Direktoren des Lippo-Konglomerates in Indonesien.

          Mit Blick auf die enormen Strukturreformen, die China braucht, sagte Camacho: „Peking verfügt über eine große Werkzeugkiste. Und es hat gelernt, diese Werkzeuge sehr geschickt einzusetzen.“ So sehen die Asiaten auf den Podien des World Economic Forum on East Asia (WEF) die Risiken denn auch eher außerhalb der Region als in China lauern: „Die Lage der Europäischen Union ist eine Gefahr für den asiatischen Export“, warnte Camacho. Allerdings bildeten der „wachsende Nationalismus und die territorialen Dispute in Asien eine Gefahr.

          Unterstützung finden die Asiaten immer stärker auch in Russland. Moskau betrachtet Asien als Ausgleich zu seinem Europageschäft, das unter den Sanktionen leidet. „Unser Handel mit China beläuft sich auf 100 Milliarden Dollar jährlich. In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird sich das Volumen verdoppeln“, sagte Arkady Dvorkovich, der Stellvertretende russische Ministerpräsident. „Es herrscht nun gegenseitiges Vertrauen, auf das wir aufsetzen können. Asien ist trotz der globalen Politik offen für die Zusammenarbeit“, sagte Dvorkovich, der besonders die Zusammenarbeit mit der Parteidiktatur Vietnam und der Militärdiktatur Thailand, mit Indonesien und Laos nannte.

          Wo die wirklichen Probleme in Asien liegen, lässt sich beispielhaft an Indonesien, der größten Volkswirtschaft Aseans, ablesen: „Derzeit liegt die Kapazität unserer Kraftwerke nur bei 35 Gigawatt – viel zu wenig. Wir brauchen 300 Gigawatt in den nächsten 15 Jahren“, sagte Sofyan A. Djalil, der Koordinierende Wirtschaftsminister Indonesiens. Asiens fünfgrößte Volkswirtschaft wächst um 6 Prozent, doch es fehlt an Infrastruktur, Gesundheitsvorsorge, Ausbildung; Bürokratie und Korruption wuchern. Allerdings verspricht Joko Widodo, der neue Präsident, tiefgreifende Änderungen. „Unsere Defizite sind Ihre Chancen“, rief er den Geschäftsleuten zu.

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