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Währungsreserven : Schwellenländer stoßen Euro ab

Euro, Dollar, Chinesische Yuan und Taiwanesische Dollar: alle nebeneinander in einer Bank in Taipei. Bild: dpa

Die Schwellenländer verlieren Vertrauen in den Euro. Im Krisenjahr 2012 haben sie ihre Bestände der europäischen Währung verkleinert. Der Euro wird keine bedeutende Reservewährung.

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          Die Zentralbanken der Schwellen- und Entwicklungsländern haben ihre Euro-Währungsreserven im vergangenen Jahr um etwa 34 Milliarden Euro reduziert. Das sind rund 6 Prozent ihrer gesamten Euro-Währungsreserven, die sich nun auf noch 510 Milliarden Euro belaufen - obwohl der Euro-Kurs gegenüber dem Dollar in jener Zeit gestiegen ist. Das geht aus Zahlen des internationalen Währungsfonds (IWF) hervor.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit bleibt der Euro trotzdem wichtigste Alternative zum Dollar. Etwa 24 Prozent aller bekannten Währungsreserven der Schwellen- und Entwicklungsländer werden noch in Euro gehalten. Das sind so wenig wie zuletzt vor zehn Jahren. Noch im Jahr 2009 wurden knapp 31 Prozent der Devisen in Euro gehalten. Etwa 60 Prozent der bekannten Währungsreserven werden in Dollar gehalten. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 70 Prozent.

          Der Dollar lässt eine Lücke - doch der Euro füllt sie nicht

          So verliert die Leitwährung aus Amerika an Bedeutung. Doch dem Euro ist es nicht gelungen, in diese Lücke zu stoßen. Dafür werden andere Währungen wie der australische Dollar oder die chinesische Währung Renminbi immer bedeutender. Während vor zehn Jahren nur etwa 1 Prozent der bekannten Währungsreserven in diesen so genannten Alternativwährungen gehalten wurden, sind es heute etwa 8 Prozent.

          Auch weltweit verringerte sich der Anteil des Euro an den Währungsreserven, wenn auch nicht so stark wie in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Besonders die Industrieländer verhinderten, dass die Bedeutung des Euro als Währungsreserve noch weiter abstürzt. Ihre Devisen in Euro stiegen stark an. Während im Jahr 2011 lediglich 510 Milliarden Euro, sind es Ende 2012 knapp 80 Milliarden Euro mehr.

          Damit kommt das Ziel der Währungsunion, den Euro zu einer Reservewährung zum amerikanischen Dollar aufzubauen, keinen Schritt näher. Es nützt der Währung wenig, wenn lediglich die eigenen  Länder ihr noch vertrauen. Wie viel zum Beispiel dem Renminbi andernorts zugetraut wird, zeigt sich an einer Vereinbarung zwischen  Brasilien und China, die  vergangene Woche unterzeichnet wurde. So verpflichteten sich beide Länder, etwa 30 Milliarden Dollar in der Währung des jeweils anderen Landes zu halten. Mit dieser Vereinbarung treibt China die Internationalisierung der eigenen Währung voran.

          Auch die Bedeutung von Gold zur Diversifizierung der eigenen Währungsreserven in den Schwellenländern wächst. Im vergangenen Jahr wurden  von den Zentralbanken insgesamt 535 Tonnen Gold gekauft, ein Großteil davon von den Schwellen- und Entwicklungsländern. Besonders Russland tut sich momentan als Käufer hervor, aber auch China wird nachgesagt, unter der Hand Unmengen an Gold zu horten.

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