https://www.faz.net/-gqe-zzbm

Bruttoinlandsprodukt schrumpft : „Alarmsignal für die deutsche Wirtschaft“

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Finanzkrise, Teuerung und der starke Euro haben doch noch zugeschlagen: Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Vierteljahr um 0,5 Prozent geschrumpft. Die Bundesregierung nimmt's gelassen. Doch der BDI spricht von einem „Alarmsignal für die deutsche Wirtschaft“.

          2 Min.

          Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2008 zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vorquartal real um 0,5 Prozent zurück. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mit. Zuletzt hatte es im Frühjahr und Sommer 2004 einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung gegeben.

          Fachleute sehen die aktuelle Entwicklung vor allem als Gegenreaktion auf den starken Jahresauftakt. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaft auch dank des milden Winters nach ersten amtlichen Zahlen mit 1,5 Prozent das stärkste Wachstum seit fast zwölf Jahren geschafft. Auch aufgrund von Steuereffekten war das erste Quartal gut ausgefallen. Im zweiten Quartal bremsten allerdings auch die Finanzmarktkrise, der starke Euro und der hohe Ölpreis.

          Fachleute rechnen weiter mit schwacher Konjunktur

          Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat die Wirtschaft allerdings auch zu Jahresbeginn 2008 weniger stark zugelegt als bislang berechnet. Das Wachstum betrug im ersten Quartal nur 1,3 Prozent statt der zunächst bekanntgegebenen 1,5 Prozent. Damit hat die Konjunktur deutlich an Schwung verloren.

          Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel

          Die Bundesregierung hält ungeachtet der im Frühjahr geschrumpften Wirtschaftsleistung an ihrer Wachstumsprognose für 2008 fest. Es werde weiter ein Plus von 1,7 Prozent erwartet, sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Donnerstag in Berlin. „Die Wachstumsabschwächung im zweiten Quartal hatten wir erwartet“, sagte Glos.

          Als „Alarmsignal für die Wirtschaftspolitik“ bezeichnete der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, den BIP-Rückgang. Notwendig sei jetzt „eine konsequente Strategie, um das Wachstumspotential der deutschen Wirtschaft nachhaltig zu steigern - auch bei Gegenwind“. Die Bereiche Bildung, Forschung, Innovation und Infrastruktur müssten im Mittelpunkt einer Wachstumsstrategie der Bundesregierung stehen. Außerdem seien Steuerentlastungen für die Mittelschicht nötig, um dem Konsum in Deutschland neue Impulse zu geben.

          Schrumpfende Konsumausgaben, rückläufige Baukonjunktur

          Für das Minus im zweiten Quartal waren nach Angaben der Statistiker schrumpfende Konsumausgaben der privaten Haushalte, die rückläufige Baukonjunktur sowie sinkende Investitionen der Firmen in Maschinen und Anlagen verantwortlich. Die Industrie sammelte deutlich weniger Aufträge ein als zuvor und spürt die Schwäche vor allem der deutschen Handelspartner im Euro-Raum. Trotz des starken Euro blieb der Export der Wachstumsmotor.

          Die meisten Experten rechnen auch in den kommenden Monaten mit einer schwachen Konjunktur. Als wichtigste Gründe dafür gelten die geringere Nachfrage aus dem Ausland und die Kaufkraftverluste der Verbraucher durch die hohe Inflation. Für das gesamte Jahr 2008 erwarten Institute und Banken ein Wachstum von etwa zwei Prozent, das sich 2009 auf rund ein Prozent halbieren dürfte.

          Wirtschaft im Euro-Raum schrumpft ebenfalls

          Auch im Euro-Raum ist im zweiten Quartal die Wirtschaft geschrumpft. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat vom Donnerstag verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt im gemeinsamen Währungsraum der 15 Mitgliederstaaten um 0,2 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr.

          Dabei schrumpfte die Wirtschaft in Deutschland um 0,5 Prozent, in Frankreich und Italien um jeweils 0,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wuchs das BIP im Euro-Raum um 1,5 Prozent.

          Weitere Themen

          Lufthansa solle aufhören zu „zocken“ Video-Seite öffnen

          UFO stellt Ultimatum : Lufthansa solle aufhören zu „zocken“

          Die Kabinengewerkschaft UFO will den Arbeitskampf bei der Lufthansa wieder aufnehmen, sollte die Fluggesellschaft nicht zu Kompromissen bereit sein. Sollte Lufthansa weiter „zocken“, werde man sich schon in naher Zukunft auf erneute Streiks einstellen müssen.

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.