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Furcht vor Deflation : Verbraucherpreise gehen erstmals seit 2009 zurück

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Das Leben wird billiger Bild: Picture-Alliance

Stark sinkende Energiekosten lassen die Preise fallen. Die jährliche Inflationsrate in der Eurozone lag im Dezember bei minus 0,2 Prozent.

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          Der Einbruch der Ölpreise schickt auch die Verbraucherpreise im Euroraum auf Talfahrt. Erstmals seit der schweren Wirtschaftskrise 2009 war das Preisniveau im Dezember rückläufig, wie aus Zahlen des Statistikamts Eurostat vom Mittwoch hervorgeht. Demnach lagen die Verbraucherpreise 0,2 Prozent tiefer als ein Jahr zuvor. Es ist der erste Rückgang seit Oktober 2009. Bankvolkswirte hatten mit einem Rückgang um 0,1 Prozent gerechnet.

          Die negative Inflationsrate geht nahezu ausschließlich auf massiv gefallene Energiepreise zurück. Sie lagen 6,3 Prozent tiefer als im Vorjahresmonat. Allein die Ölpreise haben sich seit vergangenem Sommer mehr als halbiert. Dagegen blieben die Preise für Nahrungsmittel und Industriegüter im Dezember unverändert. Dienstleistungen waren 1,2 Prozent teurer als vor einem Jahr.

          Der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitet die Inflationsentwicklung seit geraumer Zeit Kopfzerbrechen. Sie befürchtet eine Beschädigung ihrer Glaubwürdigkeit, wenn ihr nicht mehr zugetraut wird, das mittelfristige Preisziel von knapp zwei Prozent zu erreichen. Dass zusehends Zweifel aufkommen, zeigen die Markterwartungen: Die langfristigen Inflationserwartungen von Finanzprofis sind seit längerem rückläufig. In den vergangenen Tagen sind sie mit 1,6 Prozent auf ein neues Rekordtief gefallen.

          EZB-Chef Mario Draghi hat bereits starke Signale für zusätzliche Gegenmaßnahmen gesendet. Auch andere ranghohe Notenbanker steuern in diese Richtung: EZB-Vize Vitor Constancio warnte vor einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale fallender Preise und schwachen Wachstums. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sagte, die Notenbank könne den Fall der Ölpreise nicht einfach ignorieren.

          Debatte über Deflation

          Kritiker monieren dagegen, dass von Deflationsgefahr keine Rede sein könne. Ökonomen verstehen unter Deflation einen lang anhaltenden Preisverfall, der sich nicht nur auf einzelne Gütergruppen konzentriert, sondern breit angelegt ist. Sie sorgen sich, dass Verbraucher dann nicht weniger einkaufen, weil sie immer noch warten, bis die Güter noch billiger werden. Doch ob diese Sorge begründet ist, ist umstritten. Zudem wird darauf verwiesen, dass die Inflationsschwäche auch Folge von erwünschten Spar- und Reformmaßnahmen in angeschlagenen Krisenländern sei.

          Fachleute rechnen dennoch damit, dass die EZB bald in den massenhaften Kauf privater und staatlicher Wertpapiere (quantitative Lockerung) einsteigt, um sich gegen den Preisverfall zu stemmen. Uneinigkeit herrscht allenfalls über den Zeitpunkt. Immer mehr Bankvolkswirte erwarten eine Reaktion bereits auf der nächsten Zinssitzung am 22. Januar.

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