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Bitkom-Prognose : Umsätze der IT- und Telekom-Branche steigen

Tabletcomputer bringen Digitalprodukte zu den Nutzern Bild: dpa

Der Digitalwirtschaft in Deutschland geht es gut – sogar besser, als erwartet. Trotzdem muss weiter investiert werden. Dabei gibt es auch Branchen, die nicht von der Digitalisierung profitieren.

          Besser als erwartet laufen in diesem Jahr voraussichtlich die Geschäfte der IT- und Telekommunikationsunternehmen in Deutschland. Das geht aus einer Auswertung von Marktdaten und Konjunkturumfragen hervor, die der Digitalverband Bitkom am Mittwoch veröffentlichte. Demnach sollen die Umsätze der ITK-Branche um 2,0 Prozent auf 170,3 Milliarden Euro steigen. Ursprünglich waren die Fachleute von 168,5 Milliarden Euro für 2019 ausgegangen.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die zunehmende Digitalisierung von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft treibt das Wachstum in der Bitkom-Branche“, erläuterte Verbandspräsident Achim Berg und resümierte: „Die Krise der exportorientierten Industriezweige schlägt sich bislang nicht auf die Unternehmen der IT und Telekommunikation durch.“ Für 2020 fällt der Ausblick verhaltener aus. Auch im kommenden Jahr stehen die Zeichen zwar auf Wachstum, doch auf einem etwas schwächeren als 2019.

          Laut Prognose erreichen die Erlöse dann ein Volumen von 173,1 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von nur noch 1,6 Prozent. Berg nannte die ITK-Industrie einen „Stabilisator der Konjunktur in einem bewegten Umfeld“. Er warnte die Wirtschaft davor, Investitionen in die Digitalisierung zurückzustellen. Das „wäre fatal“. „Jetzt muss es heißen: nicht reden, sondern machen. Und in aller Konsequenz und ohne Wenn und Aber digitalisieren.“

          Telekommunikation auf Wachstumskurs

          In diesem Jahr befördert vor allem der wichtige Teilbereich Informationstechnik das Wachstum in der technologiegetriebenen Branche. Hier steigen die Umsätze voraussichtlich um 3,2 Prozent auf 93,6 Milliarden Euro. Das Geschäft mit Software, das am kräftigsten wächst, verbucht der Prognose zufolge sogar ein Plus von 6,3 Prozent auf 26,0 Milliarden Euro. Ebenfalls überdurchschnittlich entwickelt sich den Angaben zufolge der Markt für IT-Dienstleistungen – dazu gehören auch Projektgeschäft und IT-Beratung – mit einer Steigerung um 2,4 Prozent auf 40,9 Milliarden Euro. Weniger rasant geht es im Geschäft mit IT-Hardware nach oben: plus 1,5 Prozent auf 26,7 Milliarden Euro.

          Nach schwierigen Jahren sieht der Verband den Bereich Telekommunikation nun wieder auf Wachstumskurs. Nach einem Plus von 2,1 Prozent 2018 soll 2019 das Geschäft um 1,8 Prozent auf 68,2 Milliarden Euro wachsen. Obwohl Smartphones inzwischen längst nicht mehr die gigantischen Wachstumstreiber sind und die Hersteller im globalen Maßstab sogar mit einer Marktsättigung kämpfen müssen, sieht die Lage hierzulande relativ gut aus. Die Erlöse mit Telekom-Endgeräten, insbesondere mit Smartphones, steigen um fast 10 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro.

          Die Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur nehmen um 1,9 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro zu. Mit TK-Diensten wird ein unverändert hoher Umsatz von 48,6 Milliarden Euro erzielt. Mit Blick auf den neuen Mobilfunkstandard sagte Berg: „Nach der Versteigerung der 5G-Frequenzen ist vor dem Netzausbau.“ Die Netzbetreiber würden „kräftig investieren“, um die Mobilfunknetze aufzurüsten und engmaschiger zu knüpfen.

          Minus von 7,7 Prozent für Fernseher

          Für die Unternehmen sei das keine einfache Situation. Sie hätten mehr als 6,5 Milliarden Euro für die Ersteigerung der Frequenzen ausgegeben, und nun müssten sie Milliarden investieren, um die Netze auszubauen. Mit den 6,5 Milliarden Euro hätten 32000 neue Funkmasten gebaut werden können, rechnete der Bitkom vor.

          Auch nicht einfach läuft es für die Hersteller von Unterhaltungselektronik, dazu gehören vor allem Fernseher. Hier erwartet der Verband für das laufende Jahr ein kräftiges Minus von 7,7 Prozent. Zwar blieben die Preise nahezu stabil, es würden aber weniger Geräte verkauft. Der Branchenverband GFU prognostiziert für 2019 dagegen eine insgesamt stabile Entwicklung auf Vorjahresniveau. Anders als der Bitkom rechnet die Organisation den Absatz privat genutzter Telefone und Smartphones in ihre Domäne ein.

          So positiv die nationalen Erwartungen auch ausfallen: Deutschlands Anteil am Weltmarkt im Digitalbereich sinkt in diesem Jahr erstmals unter die Marke von 4 Prozent. Deutschland wachse, aber andere wie Amerika, Indien und China seien schneller. „Bei der Digitalisierung geben wir nicht die Richtung vor, das machen andere Länder“, sagte Bitkom-Chef Berg.

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