https://www.faz.net/-gqe-9u0kp

Trübe Aussichten : Chemiebranche zeigt sich skeptisch

Trübe Aussichten für die Chemiebranche. Bild: dpa

Das Bild hat sich im Laufe des Jahres immer weiter eingetrübt: Nun erwartet Deutschlands drittgrößte Industrie, dass ihre Produktion in diesem Jahr um 7,5 Prozent zurückgeht. 2020 soll ein leichtes Plus erzielt werden.

          2 Min.

          Nach einer weiteren Prognosesenkung für das laufende Jahr zeigt sich die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie skeptisch für das Jahr 2020. „Die geringe wirtschaftliche Dynamik wird sich noch weit ins kommende Jahr ziehen“, sagte am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt der Präsident des Branchenverbands VCI, Hans Van Bylen. Die drittgrößte Industrie in Deutschland wird nach der neuesten Einschätzung im laufenden Jahr 7,5 Prozent weniger produzieren als im Jahr zuvor – wobei ein Sondereffekt aus der Pharmaindustrie das Bild verschlechtert. Im kommenden Jahr soll die Menge der erzeugten Güter leicht anziehen, nämlich um 0,5 Prozent.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Chemie- und Pharmaindustrie ist am Umsatz gemessen die wichtigste deutsche Branche hinter der Automobil- und der Maschinenbau- und Elektroindustrie. Sie beliefert praktisch alle Industriezweige, weswegen ihre Aussagen jenseits der eigenen Branche für die Volkswirtschaft insgesamt bedeutsam sind.

          Ungewöhnlich ist, wie sehr sich die Einschätzungen im Laufe des Jahres immer weiter eingetrübt haben: Die neueste Korrektur eingeschlossen, senkte der Verband zum vierten Mal in diesem Jahr die Produktionsprognose. Zuletzt geschehen im September, als der Verband mit einem Rückgang um 6 Prozent gerechnet hat. Er hatte damals noch auf Nachfrageimpulse aus der  Automobilindustrie gehofft, aber die blieben aus.

          Zu beachten ist ein statistischer Sondereffekt, auf den der Verband schon seit längerem hinweist: Im Vorjahr war die Pharmaproduktion ungewöhnlich hoch ausgefallen. Damals hatte der Pharmakonzern Abbvie in Ludwigshafen die Produktion seiner neuen Hepatitis-C-Wirkstoffe kurzzeitig stark erhöht.

          Die Beschäftigung bleibt dennoch stabil

          Trotz allem kann die Industrie noch höhere Preise durchsetzen, was dazu führt, dass der Umsatz den Schätzungen zufolge 2019 etwas weniger scharf zurückgehen wird, nämlich um 5 Prozent – auf 193 Milliarden Euro. Auch die Beschäftigung bleibt stabil, die Unternehmen bauten im Schnitt sogar ihre Belegschaft leicht auf: Um ein halbes Prozent höher als im Vorjahr liegt die Zahl der Beschäftigten bei 464.800.

          Cheflobbyist Van Bylen räumt außerplanmäßig Ende März seinen Platz, weil er zum Jahresende in seiner hauptberuflichen Funktion als Vorstandschef von Henkel vorzeitig ausscheidet. Ihm folgt der Vorstandsvorsitzende von Evonik, Christian Kullmann, der seit 2017 einer der drei Stellvertreter ist. Das passt zur Absicht des Verbands, im kommenden Jahr politisch in die Offensive zu gehen. Kullmann kennt die Tricks der Politik, weswegen er in der Branche durchaus nicht überall beliebt ist. Er war jahrelang rechte Hand des früheren Evonik-Chefs Werner Müller und orchestrierte Kommunikation und Strategie des stark politisch beeinflussten Konzerns.

          Weitere Themen

          Birke wird zum Blickfang

          Designobjekte aus Rinde : Birke wird zum Blickfang

          Birkenrinde ist stabil wie Leder, wasserabweisend wie Kunststoff und fühlt sich so warm an wie Samt. Dank junger Gestalter kehrt das Naturmaterial nun zurück – für eine Inneneinrichtung auf der Höhe der Zeit.

          Topmeldungen

          5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

          Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.
          Demonstranten in Leipzig

          Sechs Polizisten verletzt : Wieder Krawall in Leipzig

          Etwa 1300 Menschen demonstrieren in Leipzig gegen das Verbot einer linksextremen Online-Plattform. Zunächst bleibt der Protest friedlich, dann fliegen Steine. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein, sechs Beamte werden verletzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.