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Trotz Schuldenkrise : Griechische Anleihe deutlich überzeichnet

Bild: reuters

Griechenland leiht sich abermals Geld am Kapitalmarkt - muss dafür aber hohe Zinsen bezahlen. Vor dem Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Papandreou in Berlin wird derweil der Ton schärfer. Politiker von CDU und FDP forderten die griechische Regierung zum Verkauf von Staatseigentum auf

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          Griechenland hat am Tag nach der Bekanntgabe radikaler Sparmaßnahmen ohne Schwierigkeiten eine Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren plaziert. Für die auf 5 Milliarden Euro angesetzte Anleihe nahm die staatliche Schuldenagentur PDMA Angebote von 14,5 Milliarden Euro entgegen. Die Anleihe war bereits nach einer Stunde überzeichnet. Das Interesse habe die Erwartungen übertroffen, erklärte Petros Christodoulou, der Leiter der Schuldenagentur. Trotz der Nachfrage bleibe das geplante Volumen unverändert bei 5 Milliarden Euro.

          Gerald Braunberger
          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Das Interesse sei vor allem aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich gekommen, hieß es aus Händlerkreisen. Griechische Ökonomen erklärten die hohe Nachfrage damit, dass die Anleger die Politik der Regierung von Ministerpräsident Georgios Papandreou honorierten und mit einem Risikoaufschlag von 3 Prozentpunkten über einer Bundesanleihe mit der gleichen Laufzeit einen attraktiven Zins erhielten. Das sei, gemessen an den Marktbedingungen, ein „vernünftiger“ Aufschlag. Entscheidend sei indes, dass Griechenland gezeigt habe, erfolgreich Zugang zu den Märkten zu haben.

          Erfolgreiches „Gesellenstück“ der Schuldenagentur

          Die Regierung hatte mit der Ausgabe der Anleihe vom Donnerstag als Konsortialführer neben der National Bank of Greece und der Piraeus-Bank die britischen Häuser HSBC und Barclays Capital sowie die japanische Investmentbank Nomura beauftragt. Anders als früher waren damit amerikanische und kontinentaleuropäische Banken nicht an führender Stelle vertreten. Die Plazierung der Anleihe galt als Test, wie die Märkte das griechische Sparprogramm aufnehmen.

          Griechenland soll unbewohnte Inseln verkaufen - schlagen manche deutsche Politiker vor
          Griechenland soll unbewohnte Inseln verkaufen - schlagen manche deutsche Politiker vor : Bild: AFP

          Seit zwei Wochen ist bekannt, dass die Regierung eine Anleihe über dieses Volumen vorbereitet. Überraschend war, dass sie schon am Donnerstag aufgelegt wurde. Die Plazierung der Anleihe war auch ein Test für Christodoulou, den die Regierung erst vor zwei Wochen an die Spitze der Schuldenagentur berufen hatte. Er hatte zuvor erklärt, man stehe nicht unter Druck und warte ein gutes Marktumfeld ab. Ökonomen beschreiben die erfolgreiche Plazierung als sein „Gesellenstück“. Er habe gekonnt den Schwung der am Vortag verkündeten Maßnahmen genutzt.

          Der Risikoaufschlag sei zwar teuer, aber kein Desaster, kommentieren Wirtschaftswissenschaftler in Athen. Denn mit der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen erwarten sie in den kommenden Wochen einen Rückgang der Zinsdifferenz zu Bundesanleihen. Der stellvertretende Außenminister Dimitris Droutsas, ein enger Vertrauter von Papandreou, sagte indessen, Griechenland müsse gegenwärtig für eine Anleihe von 5 Milliarden Euro etwa 750 Millionen Euro mehr an Zinsen zahlen als Deutschland. Griechenland könne die Krise zwar alleine bewältigen, benötige aber die Solidarität der EU als Signal an die Investoren, damit es wieder zu bezahlbaren Bedingungen Mittel von den Kapitalmärkten beschaffen könne.

          Rendite von 6,3 Prozent

          Der Risikoaufschlag entspricht einer Rendite von 6,3 Prozent. Mittelfristig seien Zinssätze von über 6 Prozent zu teuer, sagen Ökonomen. Als die Regierung Papandreou im Oktober 2009 eingeführt wurde, hatten griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren noch einen Coupon von 4,5 Prozent. Mit der Bekanntgabe der wirklichen Staatsverschuldung, die die Vorgängerregierung hinterlassen hatte, schnellte der Risikoaufschlag nach oben. Von dem Tiefstwert von 130 Basispunkten im Oktober erreichte er mit 394 Basispunkten am 28. Januar den höchsten Wert. Seither ging er auf knapp unter 300 Basispunkte zurück.

          Auch in Deutschland herrschte Erleichterung über die Plazierung. „Das griechische Maßnahmepaket ist von den Finanzmärkten gut aufgenommen worden“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. „Die harten Konsolidierungsmaßnahmen wirken sich bereits positiv bei den Konditionen aus.“

          Aufruf zum Verkauf unbewohnter Inseln

          Der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, hatte zuvor in der Bild-Zeitung vorgeschlagen, Griechenland könne Gebäude, Firmen und unbewohnte Inseln zur Schuldentilgung einsetzen. Auch FDP-Finanzexperte Frank Schäffler forderte Athen zum Verkauf von Staatseigentum auf. Gertrud Traud, die Chef-Volkswirtin der Helaba, meinte: „Die Märkte sehen die Griechen auf dem richtigen Weg. Aber das ist erst ein erster Schritt. Die griechische Regierung muss die Maßnahmen umsetzen.“ Die hohe Nachfrage nach der Anleihe könne angesichts der für die Anleger attraktiven Konditionen nicht überraschen, sagte Klaus Holschuh, Anlagestratege bei der DZ Bank. Der Markt halte die Möglichkeit eines Bankrotts Griechenlands nicht für groß.

          Bei der fünfjährigen Anleihe mit einem Volumen von 8 Milliarden Euro, die Griechenland im Januar plaziert hatte und die dreifach überzeichnet war, hatte der Risikoaufschlag bei 381 Basispunkten gelegen. Fonds hatten 42 Prozent abgenommen, Banken kauften 29 Prozent der Anleihe. Die größte Käufergruppe war mit 30 Prozent aus Großbritannien gekommen. An deutsche Anleger gingen 6 Prozent. Griechenland muss bis Ende Mai Anschlussfinanzierungen für mehr als 20 Milliarden Euro finden und in diesem Jahr Schulden von 50 Milliarden Euro ablösen.

          Die griechischen Sparmaßnahmen im Überblick

          Mit einem Bündel von Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen soll der griechische Staatshaushalt um 4,8 Milliarden Euro entlastet werden. Die wichtigsten Maßnahmen: Steuererhöhungen: - Die Mehrwertsteuer steigt von 19 auf 21 Prozent, die ermäßigten Sätze werden von 4,5 auf 5 Prozent und von 9 auf 10 Prozent angehoben.

          Steuererhöungen

          - Die Steuern auf Tabak und Spirituosen steigen um etwa 20 Prozent. Benzin wird um 8 Cent teurer, Diesel um 3 Cent.

          - Luxusgüter wie Autos und Yachten werden erheblich höher besteuert.

          - Eine Sondersteuer von einem Prozent müssen alle zahlen, die im vergangenen Jahr mehr als 100.000 Euro verdient haben. Auch die Besitzer von
          Immobilien im Wert von mehr als 5 Millionen Euro werden zur Kasse gebeten.

          Ausgabenkürzungen:

          - Alle Renten werden 2010 eingefroren.

          - Die Staatsdiener erhalten künftig 12 Prozent weniger an Zulagen. Diese Zuschüsse machen in vielen Fällen mehr als die Hälfte des Monatseinkommens der rund 300 000 Beamten aus.

          - Im öffentlichen Dienst werden das 13. Monatsgehalt (Weihnachtsgeld) und das 14. Gehalt (Ferien- und Ostergeld) um 30 Prozent gekürzt.

          - Nur einer von fünf in Rente gegangenen Beamten wird künftig durch einen neuen ersetzt.

          - 500 Millionen Euro für Infrastrukturprojekte werden gestrichen

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