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Prognose : Stimmung der Chemischen Industrie trübt sich ein

  • -Aktualisiert am

Produktionsanlage zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln. Bild: dpa

Abkühlende Konjunktur, Handelskonflikt und Brexit – die deutsche Chemieindustrie rechnet nicht damit, dass sich die Geschäfte in diesem Jahr noch erholen.

          Die Chemische Industrie rechnet nach einem Umsatzverlust im erste Halbjahr nicht mehr mit einer Erholung der Geschäfte bis Jahresende. Die Verunsicherung sei weiter hoch, insgesamt falle der Blick in die Zukunft wenig optimistisch aus, sagte Hans Van Bylen, Präsident des Branchenverbands VCI zur Halbzeitbilanz.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Die im März schon deutlich gesenkten Prognosen passte der VCI am Mittwoch nochmals leicht nach unten an: Demnach rechnen die in Deutschland produzierenden Chemie- und Pharmaunternehmen in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 3 Prozent und einem Rückgang der Produktion von 4 Prozent. Die Prognose ist nach Darstellung des VCI weiter überzeichnet von der ungewöhnlich hohen Pharmaproduktion im Vorjahr.

          Damals hatte der amerikanische Pharmakonzern Abbvie in Ludwigshafen die Produktion seiner neuen Hepatitis-C-Wirkstoffe für den Weltmarkt kurzzeitig stark erhöht. Im ersten Halbjahr ist dieser Schub weggefallen, die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie deshalb rechnerisch um 6,5 Prozent gesunken. Das Bild bleibt aber auch dann trübe, wenn man diesen Sondereffekt herausrechnet: dann bleibt nach Zahlen des VCI noch ein Produktionsminus von 2,5 Prozent.

          Deutliche Rückgänge in Deutschland und Italien

          Van Bylen, Verbandspräsident und Henkel-Vorstandschef, nannte die schwierigen globalen Rahmenbedingungen als Grund. Die Weltwirtschaft wachse langsamer, eine Lösung des Handelskonfliktes zwischen China und den Vereinigten Staaten sei auch nach dem G20-Gipfel nicht in Sicht. Zugleich gebe es noch immer keine Lösung für den Brexit. „Sehr deutlich“ sei der Rückgang vor allem in Deutschland und Italien ausgefallen. „Die deutsche Industrie mit ihrer starken Ausrichtung auf den Export wächst seit Mitte letzten Jahres nicht mehr.“ Wegen der schwachen Konjunktur habe auch die Dynamik beim Aufbau neuer Arbeitsplätze nachgelassen: Um 0,5 Prozent auf 464 800 sei die Zahl der Beschäftigten im ersten Halbjahr gestiegen.

          Der Branchenverband wehrt sich derweil gegen nationale Alleingänge, um den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen weiter zu begrenzen. Der europäische Emissionshandel funktioniere besser als jedes andere politische Instrument für den Klimaschutz, sagte Van Bylen. Das System, noch bis 2030 festgeschrieben, gewährleiste, dass der Ausstoß der Treibhausgase bis dahin um mindestens 43 Prozent im Vergleich zu 2005 sinke.

          Sowohl ein nationaler CO2-Preis auch als die Ausweitung des Emissionshandels auf andere Wirtschaftssektoren wir Verkehr und Gebäude würden zu beträchtlichen Verzerrungen des Systems führen. Die Chemische Industrie plädiere für einen einheitlichen CO2-Preis auf Ebene der G20-Staaten. Dieser würde „deutliche Auswirkungen auf den Klimaschutz zeigen und zugleich die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten.“

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